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Ostprignitz-Ruppin Mit der Krankheit nicht allein gelassen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Mit der Krankheit nicht allein gelassen
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17:39 19.01.2017
Auch Spaß muss ein: Beim nächsten Treffen im Februar wird es einen Spielenachmittag geben. Weitere Interessierte sind herzlich eingeladen. Quelle: Christian Bark
Wittstock

Als Doris Schramms Hände vor sechs Jahren plötzlich zu zittern anfingen, glaubte die heute 74-Jährige zunächst, dass es sich um eine altersbedingte Begleiterscheinung handelte. „Ich wollte damals nicht glauben, dass es Parkinson ist“, blickt sie zurück. Sicherheitshalber ließ sich die Wittstockerin in Neuruppin nochmal durchchecken, doch das bestätigte nur den Verdacht: Parkinson. Die Krankheit bedeutet einen fortschreitenden Verlust der Nervenzellen und ist nicht heilbar.

„Es braucht einige Zeit, sich damit abzufinden“, sagt Doris Schramm. Im Internet hatte sie sich über Morbus Parkinson schlaugemacht, Halt und Trost bei Lebenspartner Karl Grimm und ihrer Familie gefunden. Doch das allein reichte nicht, die Rentnerin wollte über die Krankheit sprechen, möglichst mit Leidensgenossen. Ihre Enkelin habe ihr dann immer wieder geraten, die Selbsthilfegruppe in Wittstock zu besuchen.

Krankheit ist unheilbar

Diese Woche hat Doris Schramm es dann erstmalig getan. Zusammen mit Karl Grimm gewann sie eine ersten Einblick in die vielfältige Runde und wurde von den Teilnehmern herzlich aufgenommen. „Hier ist in gemütlicher Atmosphäre eine Austausch unter den Erkrankten möglich“, erklärte Birgit Schnell. Zudem organisiere sie regelmäßig Vorträge von medizinischen Fachleuten für die Gruppe.

Auch medizinische Fachartikel werden in der Gruppe aufmerksam gelesen. Quelle: Christian Bark

„Dabei habe ich gelernt, dass Satinbettwäsche das Umdrehen im Bett ungemein erleichtert“, berichtete Horst-Bernd Winistädt. Der 70-Jährige leidet seit zehn Jahren an Parkinson. „Eines Tages konnte ich nicht mal mehr eine Briefmarke in der Pinzette halten“, sagte der passionierte Sammler. Die Motorik setze manchmal aus, dann fühle man sich hilflos, wenn nicht mal mehr das Wechseln der Schlafposition oder Festhalten von Gegenständen gelinge. Ursache für die Krankheit ist Winistädt zufolge eine zu geringe Ausschüttung des Glückshormons Dopamin. „Niemand weiß genau, warum das passiert“, erklärte Birgit Schnell.

Mit Medikamenten ließen sich zwar einige Begleiterscheinungen verringern, ganz aufhalten könne man die Krankheit aber nicht – im Gegenteil, die Medikamente könnten sogar unangenehme Nebenwirkungen hervorrufen. „Deshalb muss genau dosiert werden“, betonte Winistädt. Auffallend sei bei vielen Patienten auch der Gang. „Sie laufen fast wie ein Bär“, schilderte der in Döllen lebende Auktionator. Deshalb unternehme er viele Schiffsreisen, da falle der schwankende Gang nicht so auf.

Austausch ohne Scham

Schwankenden Gang bis hin zum vollkommenen Kontrollverlust über diesen beklagte Ulrich Bumke. Gemeinsam mit Ehefrau Ursula, die ihn nach Wittstock fährt, ist auch er regelmäßiger Teilnehmer der Gruppentreffen. „Man schämt sich, wenn alle gucken“, verweist er auf Erlebnisse, wo selbst sein Gehstock ihn nicht mehr halten konnte und er stürzte. „Deswegen meiden viele Betroffene auch öffentliche Veranstaltungen“, erklärte Birgit Schnell. „Aber hier braucht sich keiner schämen, denn hier hat jeder das gleiche Problem – der Eine mehr der Andere weniger“, lobte Horst-Bernd Winistädt die Selbsthilfegruppe.

Austausch steht im Vordergrund

Im September 2012 wurde die Selbsthilfegruppe für Parkinsonpatienten in Wittstock gegründet. Im Vordergrund steht der gesellige Austausch über Erfahrungen und mögliche Linderungsstrategien.

Einmal im Monat, jeden dritten Mittwoch, trifft sich die Selbsthilfegruppe ab 14 Uhr in der Kontakt- und Beratungsstelle der Awo am Markt 8. Bis zu zwölf Teilnehmer sind dabei.

Die Gruppe unternimmt Ausflüge oder lauscht Fachvorträgen, die mit der Krankheit in Verbindung stehen.

Treffen 2017: 15. Februar: Spielenachmittag, 15. März: Informationsveranstaltung zu gesetzlichen Änderungen, 19. April: Musiktherapie, 17. Mai: Basteln, 21. Juni: Kaffeefahrt, 19. Juli: Reiseerlebnisse, 16. August: Grillen, 20. September: Jubiläumsfeier, 18. Oktober: Ergotherapie, 15. November: Tanznachmittag, 20. Dezember: Weihnachtsfeier

Neben Birgit Schnell, die die Gruppe zunächst in Kyritz gegründet hatte, nach deren Auflösung aber 2012 nach Wittstock kam, nimmt auch Katrin Ulmer regelmäßig an den Treffen teil. „Ich bin auch Ansprechpartner bei Fragen zur Pflege oder organisatorischen Dingen“, erklärte die Sozialpädagogin von der Kontakt- und Beratungsstelle (KBS) der Arbeiterwohlfahrt Ostprignitz-Ruppin. In den Räumen der KBS finden die Treffen seit fast fünf Jahren statt. Dorthin kommen dann auch Teilnehmer aus dem Kyritzer Raum oder wie Horst-Bernd Winistädt aus dem Landkreis Prignitz. „Beim Transfer unterstützt uns der Seniorenwohnpark Kyritz“, betonte Birgit Schnell.

Doch trotz des Fahrservice sei die Gruppe in den vergangenen Jahren geschrumpft. „Einige Patienten schaffen es einfach nicht mehr hierher“, bedauerte Schnell. Deswegen freute sie sich besonders über Doris Schramm, die nach einiger Zeit der Überlegung nun den Mut gefunden hatte, der Gruppe beizutreten. Doris Schramm und Karl Timm hatte dieser erste Einblick jedenfalls sehr zugesagt, wie sie berichteten. „Beim nächsten Mal sind wir bestimmt wieder mit dabei“, sagte das Paar. Dann steht der Spaß im Vordergrund – beim Spielenachmittag.

Von Christian Bark

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