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Ostprignitz-Ruppin Mobil „Gräber bewegen“ in Wittstock
Lokales Ostprignitz-Ruppin Mobil „Gräber bewegen“ in Wittstock
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15:27 01.03.2016
Fiedhofsgärtner Bernd Haase (l.), umringt von Interessenten. Quelle: Björn Wagener
Wittstock

Manche Fehler lassen sich rasch beheben: „Bodendecker brauchen vor allem Dünger. Das Düngen ist viel wichtiger als das Gießen“, sagt Bernd Haase und streicht mit der Hand leicht über den Gelben Spindelstrauch. Diese Pflanzenart liebe vor allem sonnige Standplätze – je sonniger, desto gelber präsentierten sich die Blätter. Damit geht Bernd Haase, der Landesvorsitzende der Friedhofsgärtner, auf die Frage einer Passantin ein, die sich wunderte, weshalb ihre Bodendecker trotz guten Wässerns nicht recht gedeihen wollen. Die Beratung findet an einem lilafarbenen Fahrzeug statt, das am auf dem Wittstocker Marktplatz Station machte. Die Ladefläche ist bunt bepflanzt. Ein Schild weist darauf hin, dass Wittstock 2019 die Laga ausrichtet, und ein Banner verkündet, dass man den Wert einer Gesellschaft daran erkenne, wie sie mit ihren Verstorbenen umgeht. Nach und nach finden sich immer mehr Besucher an dem Auto ein. Alle wollen sich einen Rat vom Fachmann holen, wenn es um die Grabbepflanzung geht. Bernd Haase nimmt sich für jeden Besucher Zeit.

Ein Jahr lang durch Deutschland

Schließlich geht es beim Mobil „Gräber bewegen“ genau darum – Menschen sollen über die Grabgestaltung und -bepflanzung nachdenken. Initiator dieser Aktion ist der Bund Deutscher Friedhofsgärtner, der in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiert und deshalb mit einer besonderen Aktion auf seine Leistungen aufmerksam machen möchte. Ein Jahr lang tourt das Mobil durch ganz Deutschland. „Wir wollen den Leuten klar machen, dass Gräber emotional sind, dass Gräber bewegen“, sagt Bernd Haase. Wittstock war am Montag die erste Station in Brandenburg, weiter ging es am Dienstag nach Werder. „Die Mitglieder im Bund Deutscher Friedhofsgärtner haben zusammengelegt und dieses Mobil angeschafft“, so Bernd Haase, der für die Schau-Bepflanzung auf dem dreirädrigen Kleinlaster selbst verantwortlich war. Da finden sich Hornveilchen, Vergissmeinnicht oder Hyazinthen als Anregungen für die Grabbepflanzung. Die Gestaltung der Ladefläche passe sich der jeweiligen Jahreszeit an, solle Ideen liefern und auf Trends hinweisen. Denn die unterlägen einem ständigen Wandel. Vor zehn Jahren etwa seien meist nur Eisblumen auf den Gräbern gepflanzt worden. Jetzt hingegen verteile sich das Interesse auf viele andere Alternativen, die ursprünglich aus der Zimmerbepflanzung kommen oder neue Sorten, die auf Bundes- oder Landesgartenschauen präsentiert wurden. „Bei Pflanzen, die besonders gut wirken, bleiben die Leute stehen, schreiben sich die Namen auf und gehen damit zu ihrem Gärtner“, bechreibt Haase. „Man kann wirklich mit viel Farbe und wenig Pflegeaufwand viel erreichen.“

Oft noch ein Tabuthema

Der Umgang mit Gräbern und deren Bepflanzung sei oft noch ein Tabuthema, mit dem die Angehörigen ganz allein umgehen, findet Bürgermeister Jörg Gehrmann. Und Bernd Haase betont: „Wir wollen jungen Leuten Mut machen, mit ihren Eltern darüber zu reden.“ Wenn diese womöglich sagen, dass ihnen eine anonyme Urnengrabstelle genüge, hätten die Kinder aber vielleicht lieber ein klassisches Grab und wären auch zu dessen Pflege bereit, haben es den Eltern aber nie gesagt. Eine klassische Grabstelle erleichtere die Trauer, weil man weiß, dass der Verstorbene genau an dieser Stelle liegt. „Vielleicht möchte der Angehörige am Grab auch einmal in stille Zwiesprache mit dem Verstorbenen treten oder sich bedanken“, so Haase. Das Mobil solle helfen, all diese Gedanken an die Menschen heranzutragen.

Von Björn Wagener

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