Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Molchowbrücke: Stadt lehnt neue Planung ab
Lokales Ostprignitz-Ruppin Molchowbrücke: Stadt lehnt neue Planung ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:42 13.03.2018
So in etwa stellen sich die Planer der Firma IGS die künftige Molchowbrücke vor. Der Bogen ist nötig, weil Pfeiler im Wasser sehr teuer wären. Quelle: Stadt Neuruppin
Anzeige
Molchow

Der Streit um den Neubau der Rhinbrücke in Molchow will nicht enden. Am Mittwoch befasste sich der Neuruppiner Bauausschuss in einer Sondersitzung mit dem Problem. Fast fünf Stunden lang diskutierten Planer, Stadtverwaltung, Abgeordnete und Bürger über die Entwürfe für die neue Brücke. Am Ende schien Molchows Ortsvorsteher Uwe Schürmann genauso verärgert wie vor dem Krisentreffen. Er und andere Molchower fordern nach wie vor, dass die Stadt ihren Brückenentwurf fallen lässt oder zumindest grundlegend überarbeitet. Schürmann wirft der Stadt vor, das Projekt über die Köpfe der betroffenen Bürger hinweg durchzusetzen.

Erst im Juni hatte Baudezernent Arne Krohn im Ortsbeirat vorgestellt, was im Ort über den Rhin gebaut werden soll. Die bisherige Brücke hat zwar ein Gerüst aus Stahlträgern, mit einem Überbau aus Holz, Holzgeländer und Holzbohlen als Belag. Die neue Brücke für Fußgänger und Radfahrer soll eine reine Stahlkonstruktion mit einer Fahrbahn aus Asphalt werden. Was den Ortsbeirat am meisten ärgert: Die Brücke soll von einem rund 5,5 Meter hohen Bogen aus Stahl getragen werden, der weithin zu sehen sein wird. „Das passt überhaupt nicht in die Landschaft“, regt sich Schürmann auf. Er kann es nicht fassen, „dass hier ein Modell von der Stange genommen werden soll“. Die Brücke werde sich überhaupt nicht in den Ort einfügen.

Anzeige
Die Brücke ist die einzige Möglichkeit, in Molchow den Rhin zu überqueren. Die jetzige ist so marode, dass die Stadt sie 2016 sperren ließ. Egal wie ein Neubau aussieht: Die alten Eichen am Ufer müssen auf jeden Fall weichen. Die beiden kranken Bäume zu sanieren würde laut Gutachter rund 230 000 Euro kosten – ohne Garantie auf Erfolg. Quelle: Christian Schmettow

Planer Jens Barthl von der Firma IGS Ingenieure verteidigte den Entwurf. Der sei nach Jahren der Abwägung entstanden – nach den Vorgaben, die die Stadtverwaltung gemacht hat. Oberste Prämisse: Die Brücke soll günstig sein und zwar nicht nur im Bau, sondern auch im Unterhalt. Die Ingenieure hätten mehr als ein Dutzend Varianten verglichen, auch Brücken aus Holz, Beton und Aluminium, welche mit und ohne Bogen oder Pfeilern im Wasser. Am Ende sei der jetzige Entwurf als der beste für den Standort in Molchow mit seinem weichen Baugrund herausgekommen. Auch, weil er am längsten hält. Holzbrücken ohne Dach hätten eine Lebenserwartung von rund 40 Jahren, solche aus Stahl von 70 Jahren.

Molchower sind dagegen überzeugt, dass eine flache Brücke mit Pfeilern im Wasser einfacher und schneller zu bauen ist und schöner obendrein. Siegfried Ast, früher Professor für Stahl- und Brückenbau, hat einen groben Entwurf vorgelegt, der der jetzigen Brücke ähnelt. Er ist sicher, dass seine Brücke billiger wäre als die von der Stadt geplante. Durchgerechnet hat er das allerdings noch nicht, räumte er ein.

Stadt lehnt Expertengremium als Streitschlichter ab

Ortsvorsteher Schürmann hatte vom Sonderausschuss erwartet, dass die Stadt danach eine unabhängige Expertenkommision beruft, die entscheidet, welcher der beiden Entwurf für Molchow der bessere ist. Das lehnte Baudezernent Arne Krohn aber eindeutig ab: „Wir sind hier nicht bei einer Veranstaltung nach dem Motto ,Wünsch dir was’.“ Die Planer hätten den Auftrag nach einer öffentliche Ausschreibung bekommen – wenn ein Gestaltungswettbewerb für einen Brückenbau gewünscht war, dann hätte das vor Jahren passieren müssen, sagt Krohn. Jetzt sei es dafür zu spät.

Ende des Jahres will die Stadt den Bau ausschreiben und so schnell wie möglich bauen, so dass die neue Brücke im Sommer 2018 nutzbar ist. Änderungen seien möglich, eine generelle Umplanung nicht, so Krohn: „Es wird jetzt schon ein Ritt auf der Rasierklinge werden, die Baukosten einzuhalten.“

Das eigentliche Problem ist der Umgang der Stadt mit den Bürgern

Der SPD-Abgeordnete Siegfried Pieper stand klar auf der Seite von Schürmann. Auch er forderte „ein diskursives Verfahren“ über die Sommermonate, um beide Brücken gegeneinander abzuwägen. Siegfried Wittkopf (Linke) wünschte sich zwar einen Kompromiss – anders als Pieper war er nach der ausführliche Erklärung allerdings überzeugt, dass die Stadtverwaltung das Beste herausgeholt hat, was unter diesen Bedingungen herauszuholen war.

Doch das eigentliche Problem – das wurde am Mittwoch sehr deutlich – ist nicht der Brückenbau. Was die Molchower vor allem aufbringt, ist der Umgang der Stadt mit dem Ortsbeirat und den Bürgern. Axel Kröger, sachkundiger Einwohner im Ausschuss, brachte es auf den Punkt: „Immer wenn wir vor einer solchen Situationen stehen, hat die Stadt vergessen mit den Betroffen zu sprechen.“ Zwar gab es schon seit 2010 Überlegungen für einen Neubau. Den eigentlichen Entwurf hat der Ortsbeirat aber erst zu sehen bekommen, als alles zu spät war. Wittkopf sieht das Vertrauen der Bürger in die Stadt beschädigt: „Das müssen wir heilen.“ Aber wie?

Von Reyk Grunow