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Ostprignitz-Ruppin Nach Angriffen auf Jugendliche – Sorge um Gewalt-Eskalation
Lokales Ostprignitz-Ruppin Nach Angriffen auf Jugendliche – Sorge um Gewalt-Eskalation
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14:25 14.03.2018
Beamte der Bereitschaftspolizei vor dem Neustädter Bahnhof. Ihr Ziel war gestern eine „Beruhigung der Situation“. Quelle: Alexander Beckmann
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Wusterhausen/Neustadt

Die Meldungen schlagen hohe Wellen. Zwei 13 und 14 Jahre alte Jungen waren am Donnerstagnachmittag beim Spielen auf dem Wusterhausener Sportplatz angegriffen, geschlagen und getreten worden. Zumindest einer der beiden erlitt dabei so schwere Verletzungen im Gesicht, dass er, wie Familienangehörige inzwischen mitteilten, für mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden musste. Nach Angaben der Opfer handelte es sich bei den Tätern um eine Gruppe von Ausländern, die im nahen Übergangswohnheim für Flüchtlinge untergebracht sind.

Bereits einen Tag zuvor war es auf dem Neustädter Bahnhofsvorplatz zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Wieder waren es mehrere Personen, die erst einen 15-Jährigen und dann auch seinen zu Hilfe eilenden 20-jährigen Bruder schlugen, traten und ernsthaft verletzten. Wieder soll es sich bei den Tätern um Ausländer gehandelt haben – vermutlich sogar um dieselbe Gruppe wie später in Wusterhausen.

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Anzeigen wegen tätlicher Angriffe

„Der Verdacht besteht bei uns ebenfalls“, sagt der Pressesprecher der Polizeidirektion Nord Toralf Reinhardt in Neuruppin. „Allerdings ist noch einiges unklar.“ Es lägen weitere Anzeigen wegen tätlicher Angriffe auf Kinder und Jugendliche vor. Offenbar gehe es mehrfach um dieselbe Tätergruppe: Angehörige einer Familie, die auf der Flucht aus Tschetschenien in der Region Aufnahme fand. „Offensichtlich sind aus dieser Familie heraus Straftaten begangen worden“, betätigt Toralf Reinhardt. „Aber die Hinweise verdichten sich. Wir sind jetzt schon bei sieben Anzeigen.“ Genaueres müsse aber noch ermittelt werden.

Die Gruppe wohnt inzwischen nicht mehr in Wusterhausen, sondern wurde in eine andere Unterkunft verlegt, wie Wusterhausens Bürgermeister Roman Blank auf Facebook informierte. Dahinter steht nicht zuletzt die Sorge um eine Eskalation der Gewalt.

In den sozialen Treffpunkten des Internets kocht die Empörung

Denn in den sozialen Treffpunkten des Internets kocht die Empörung über die Vorfälle hoch. Nach Polizeiangaben reichte das bis hin zu einem Aufruf zum „Gegenschlag“ in Neustadt. „Wir sind mit mehreren Beamten dabei, den Sachverhalt an der Neustädter Schule aufzuklären“, berichtet Polizeisprecher Toralf Reinhardt.“ In Neustadt waren am Montag Gruppen von Bereitschaftspolizisten präsent – „zur Gefahrenabwehr im Bereich Schule und Bahnhof und allgemein zur Beruhigung der Situation“, erklärte Toralf Reinhardt. Nennenswert etwas zu tun bekamen die Beamten bei ihrem Einsatz gestern nicht.

Die Angriffe in Wusterhausen und Neustadt schüren aber sichtlich die Ressentiments gegenüber Ausländern prinzipiell und Flüchtlingen im Speziellen. Deutlich wird in den Foren im Internet die Sorge um die Sicherheit auf den Straßen. Zugleich stehen Schuld und Strafmaß für viele anscheinend fest.

Erklärung am Krankenbett des Jungen gewünscht

„Raus mit diesem kriminellen Dreckspack“, fordert „Anna Lulu“ in einer regionalen Kyritzer Facebook-Gruppe, ohne konkret jemanden zu benennen. „Was denken die eigentlich, wer sie sind? Angeblich vor dem Krieg flüchten – wohl eher aufgrund unseres Sozialsystems – und sich hier wie die Kings aufspielen.“ „Da hilft nur sofortige Ausweisung“, weiß „Herbert Brandt“. „Wer sich hier nicht anpassen will, gehört nicht in unser Land mit seinen sozialen Systemen.“ Die Entgegnung folgte prompt: „Was machen wir eigentlich mit alteingesessenen, aber nicht in die Gesellschaft integrierten Kyritzern? Wohin schieben wir sie ab?“, schreibt „Ina-Katrin Bärtig“.

„Ich hätte mir von den Gutmenschen, die permanent eine Willkommenskultur predigen, eine logische Erklärung am Krankenbett des Jungen gewünscht“, schreibt „Toralf Prekul“ in einer Wusterhausener Facebook-Gruppe. „Stattdessen wird alles, ja wirklich alles von der Presse zensiert.“

Prügeleien haben nichts mit der Nationalität zu tun

„Prügeleien gab es schon immer und feige Prügeleien sowieso, Hat nichts mit Nationalität zu tun“, merkt „Karsten Berndt“ in einer Neustädter Facebook-Diskussion an. „Sind es denn nur andere (Ausländer), die Straftaten begehen. Die eigenen nicht?“, will „Ronny Seifert“ wissen. „Das wäre ja zu schön, um wahr zu sein.“

Anm.d.Red.: Inwieweit die auf Facebook genutzten Namen mit realen Personen übereinstimmen, lässt sich vonseiten der Redaktion nicht nachvollziehen.

Von Alexander Beckmann