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Ostprignitz-Ruppin Neue Streuobst-Allee entsteht
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neue Streuobst-Allee entsteht
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16:50 08.01.2018
Das Pflanzen der Bäume war für die Nabu-Ortsgruppe das große Finale nach getaner Arbeit.
Das Pflanzen der Bäume war für die Nabu-Ortsgruppe das große Finale nach getaner Arbeit. Quelle: Annette Baumann
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Heinrichsdorf

Bis die Feldsteine aus dem Weg geräumt waren, hat die Nabu-Gruppe Rheinsberg-Lindow seit dem Sommer lange geschuftet. Für die letzten Arbeiten entlang der alten Dorfverbindung zwischen Heinrichsdorf und Hindenberg haben die Vereinsmitglieder sogar die zurückliegenden Feiertage geopfert. „Das hat sich aber gelohnt“, sagt Leif Miller vom Vorstand der Naturschutzbund-Gruppe. Denn so konnten sie endlich auch die jungen Obstbäume einpflanzen. „Das war für uns das große Finale am Anfang des Jahres.“ Allerdings nur ein vorläufiges.

Denn neben den 16 jungen Pflanzen sollen im kommenden Winter die nächsten 16 folgen, und in der kalten Jahreszeit darauf weitere 16. Außerdem wollen die Freiwilligen im Frühjahr zwischen den gepflanzten Bäumen Sitzkrücken für Greifvögel aufstellen und ein Insektenhotel bauen. Auf diese Weise soll in naher Zukunft dort, wo bis vor Kurzem eine ungenutzte und zugewucherte Sackgasse war, eine attraktive Streuobst-Allee entstehen.

Das besondere dabei ist, dass der Verein für den neu angelegten früheren Weg ausschließlich alte Obstsorten verwendet. So sind unter den sechs Apfelbäumen, die gepflanzt wurden, der Grafensteiner Apfel, der in Norddeutschland seit mindestens 1669 bekannt ist, oder die Goldparmäne, die aus der Normandie stammt und dort seit 1510 kultiviert wurde, berichtet Miller. Bei den drei Süßkirschbäumen handelt es sich um die Hedelfinger Riesenkirsche, die um 1850 in Hedelfingen am Neckar entdeckt wurde, bei den vier Birnbäumen um die Gute Luise von Avanches von 1778. Ziel ist es, die leckeren, aber in Vergessenheit geratenen Sorten, die der Verein als Kulturgut ansieht, wieder bekannt zu machen – und auf lange Sicht für Flaneure, aber auch Tiere gewissermaßen eine Mahlzeit auf dem Weg zu bereiten.

Miller freut sich auch schon auf den nächsten Baustein des auf lange Zeit angelegten Vorhabens, das vom Naturpark Stechlin-Ruppiner Land begleitet wird: das Insektenhotel. Dieses soll in Zusammenarbeit mit der Rheinsberger Allendegrundschule entstehen. Die Schüler seien die perfekten Partner für dieses Projekt. Denn sie haben bereits Erfahrungen mit dem Bau einer Insektenherberge, die jetzt auf dem Gelände der Schule steht. Wie sinnvoll das Aufstellen der Behausung war, habe sich dort sehr schnell gezeigt: „Das Ding war noch nicht einmal aufgestellt, da waren schon die ersten Tiere drin“, erzählt Miller. „Der Druck bei den Insekten, einen geeigneten Brutplatz zu finden, ist definitiv da.“ Denn die Tiere brauchen altes Holz als Brutgelegenheit – diese in der aufgeräumten modernen Welt zu finden, sei nicht immer einfach. Mit dem Insektenhotel will der Nabu-Ortsverein deshalb auch dem Insektensterben entgegenwirken. Laut einer neuen Studie habe es in den vergangenen 27 Jahren allein in Schutzgebieten einen Rückgang von 75 Prozent bei den Insekten gegeben, so Miller.

Von Celina Aniol