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Neuruppin Durch Schicksalsschläge zum Straftäter geworden
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Durch Schicksalsschläge zum Straftäter geworden
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16:03 27.11.2019
Quelle: Andreas Vogel
Neuruppin

„Dann fing es an mit Drogen, Alkohol und Klauen“, sagte der Angeklagte am Mittwoch vor dem Landgericht Neuruppin. Dort muss sich der 24-Jährige zurzeit wegen mehrerer Straftaten verantworten. Angeklagt ist der Neuruppiner unter anderem wegen schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung und Diebstahls.

Seit 2010 immer wieder strafrechtlich in Erscheinung getreten

Der gelernte Maurer ist zwar seit 2010 immer mal wieder mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Da handelte es sich aber um Straftaten wie Ladendiebstähle und Verkehrsdelikte. 2018 und 2019 wurde er zwei Mal im Stadtgebiet von Neuruppin betrunken auf dem Fahrrad angetroffen. Einmal mit 1,86 Promille auf der Fehrbelliner Straße, das andere Mal mit 2,2 Promille auf der Karl-Marx-Straße.

Der junge Mann sieht sich als alkoholabhängig. Wie es dazu kam, schilderte er vor Gericht. Bis 2015 verlief sein Leben glatt. Dann starben kurz hintereinander sein Großvater, bei dem er aufgewachsen war, und sein Stiefvater. Es kam zum Bruch mit seiner Mutter, die ihn vor die Tür setzte. Eine neue Ausbildung zum Forstwirt brach er nach anderthalb Jahren ab.

Auf die schiefe Bahn geraten

Um die Zeit herum geriet er auf die schiefe Bahn, wurde unter Alkohol gewalttätig, bestahl Bekannte und Fremde.

Bekanntschaft mit seinen Fäusten machte unter anderen ein 31 Jahre alter Mann aus Fehrbellin, der dort im August 2017 mit Bekannten an der Post saß, als der Angeklagte mit seinem Cousin hinzukam. Die beiden gerieten, so der Zeuge, in Streit. „Ich hatte überhaupt nichts damit zu tun.“ Dann sei wie aus dem Nichts eine Faust gekommen, die ihn traf und umhaute.

Eine unerfreuliche Begegnung mit dem Angeklagten hatte auch ein 38-Jähriger aus Neuruppin im August 2018. Er hatte, so schilderte er es vor Gericht, der Lebensgefährtin des Angeklagten eine Brotdose ihres Kindes zurückgeben wollen.

Er befand sich im Gehen, als der Angeklagte in der Tür gestanden und ihn sogleich attackiert habe. „Er hat mich gesehen. Ich war wohl wie ein rotes Tuch für ihn.“ Mit ihm zu reden, sei sinnlos gewesen. Gewehrt habe er sich nicht, weil da die Frau und ihr Kind gewesen seien.

Der 38 Jahre alte Mann trug eine Platzwunde am Auge und Rippenprellungen davon. „Das war sehr ärgerlich. Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Ich war wieder mal zur falschen Zeit am falschen Ort“, meinte er lakonisch.

Freundin steht Angeklagtem bei

Die Freundin des Angeklagten bestätigte am Mittwoch die Aussage ihres Freundes, wonach dieser den Besucher nur am Arm von der Couch gezogen und ihn vor die Tür gesetzt habe – weil er sich über ihn sehr geärgert habe.

Seine Freundin hat ihn im Februar angezeigt, wegen Körperverletzung. Davon rückte sie vor Gericht ab. „Wir streiten uns ziemlich oft. Dann schubst man sich auch mal.“ Das sei im Streit passiert, also im Eifer des Gefechts und nicht mit Absicht. Außerdem bekomme sie schnell blaue Flecken.

Zu einem Vorfall im Juli 2017 in Lindow konnte eine 25-Jährige noch einiges sagen. Da war ihr Ex-Freund nachts von dem Angeklagten und einem anderen in seiner eigenen Wohnung überfallen und krankenhausreif geschlagen worden.

Dass die beiden ihm allerdings, wie angeklagt, 180 Euro gestohlen haben sollen, konnte sich die junge Frau nicht vorstellen. „Der hatte doch nichts.“

Gericht braucht noch Zeit für ein Urteil

Das Gericht wollte eine Entscheidung nicht überstürzen. „Wir müssen vieles überlegen“, sagte der Vorsitzende Richter. Dass eine Geldstrafe bei den angeklagten Taten nicht in Frage komme, sei klar. Aber er sehe es nicht als seine vorrangigste Aufgabe als Strafrichter an, Leute wegzusperren. Dem Verteidiger schwebt wohl eine Bewährungsstrafe vor – wegen einer günstigen Sozialprognose.

Der Angeklagte hat zurzeit Arbeit, die ihm nach eigenen Angaben „Spaß ohne Ende“ macht. Zurzeit ist das noch ein Mini-Job, aber wohl mit Aussicht auf eine Festanstellung. „Aber ich denke, ich muss jetzt erst einmal woanders hin“, sagte er. Ob „Woanders“ ein Gefängnis ist, wird sich am 4. Dezember entscheiden.

Von Dagmar Simons

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