Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Neuruppin THW: Die Helfer für den schwersten Fall
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin THW: Die Helfer für den schwersten Fall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
18:01 09.01.2019
Bei Einsätzen wie dem Hochwasser an der Elbe sind die THWler oft wochenlang unterwegs. Da ist Vorbereitung besonders wichtig, bevor die Helfer von ihrem Standort in Treskow ausrücken. Seit 2017 hat Maik Borchert (r.) die Verantwortung als Ortsbeauftragter. Quelle: Peter Geisler/Archiv
Anzeige
Neuruppin

An die große Gasexplosion kann sich Burkhard Pätzold noch gut erinnern. Karfreitag 1995 war es, als eine verheerende Druckwelle ein großes Wohnhaus an der Präsidentenstraße in Neuruppin nahezu zum Einsturz brachte. Mehrere Mieter wurden dabei sofort getötet, andere unter den Trümmern verschüttet. Am Ende wurden sieben Tote gezählt.

Hunderte Helfer aus der gesamten Region waren dort im Einsatz: Feuerwehr, Rotes Kreuz, Polizei, Rettungshundestaffeln. Für die Frauen und Männer vom Technischen Hilfswerk (THW) aus Neuruppin war es der erste große Einsatz. Und dann gleich so ein schwerer ...

Der Neuruppiner Ortsverband des THW hatte sich erst kurz vorher gegründet, im Dezember 1993. Die Gruppe war eine der ersten im Land Brandenburg, aber noch mitten im Entstehen, als sie zu dem Katastropheneinsatz gerufen wurde. Burkhard Pätzold war damals Ortsbeauftragter, also der Chef des THW in Neuruppin. Er hat den Ortsverband 1993 aus der Taufe gehoben und fast 23 Jahre lang geführt.

Der Anfang war nicht einfach

Das Technische Hilfswerk ist eine Einrichtung des Bundes. Anders als Rettungsdienst und Feuerwehr war das THW als Hilfsorganisation im Osten Deutschlands völlig neu. „Gerade in den ersten Jahren war es eine schwierige Aufbauarbeit“, erinnert sich Pätzold.

Eine Gasexplosion am 14. April 1995 hat ein Wohnhaus an der Präsidentenstraße fast völlig zerstört. Sieben Menschen wurden getötet. Für die THW-Einheit war es der erste große Einsatz. Quelle: Peter Geisler/Archiv

Das THW wurde 1950 in der Bundesrepublik gegründet und untersteht dem Bundesinnenministerium. Heute ist es eine Hilfsorganisation, die vor allem bei Katastrophen ausrückt: großen Explosionen wie der in Neuruppin, Hochwasserlagen, bei Unwettern. Im Auftrag der Vereinten Nationen hat das THW große Flüchtlingslager aufgebaut und versorgt. Die Frauen und Männer des THW sind immer dann gefordert, wenn die Feuerwehr oder andere Helfer vor Ort allein nicht weiterkommen.

In der DDR gab es die Zivilverteidigung: Große Betrieb waren überall verpflichtet, Einheiten für den Katastrophenfall bereitzuhalten. Bis zur Wende, dann war damit Schluss. An die Stelle der Zivilverteidigung musste Anfang der 90er Jahre etwas Neues treten. Aber was genau ist dieses THW eigentlich?

Zuerst wollte niemand mitmachen

Pätzold hat damals für den Bereich Katastrophenschutz beim Landkreis gearbeitet. Zusammen mit Kreisbrandmeister Karl-Heinz Köppen und anderen hat er überlegt, wie ein THW in der Region entstehen könnte. Köppen überredete ihn schließlich, die Initiative zu übernehmen.

„Das Schwierigste war, Leute zu gewinnen, die bereit waren mitzumachen“, erinnert er sich heute noch. Nach der Wende wollten sich viele nicht mehr ehrenamtlich engagieren. Schon gar nicht in einer Organisation, die keiner kannte. Erst nach mehreren vergeblichen Aufrufen gelang es, sieben Frauen und Männer an einen Tisch zu bekommen. Zusammen gründeten sie im Dezember 1993 den Ortsverband Neuruppin des Technischen Hilfswerkes.

Die Neuruppiner Helfer sind auf den Bau langer Wasserstrecken spezialisiert. Für die Ausrüstung sorgt der Bund. Quelle: Peter Geisler

Das THW ist überörtlich organisiert, pro Landkreis gibt es in der Regel nur einen Ortsverband. Die nächsten Einheiten um Neuruppin befinden sich in Wittenberge und Gransee. Die Helfer kommen aus der gesamten Region – und rücken zu Einsätzen in ganz Deutschland aus, teilweise auch ins Ausland.

Heute gehen die Einsätze bis ins Ausland

„Wir werden überall dort tätig, wo uns der Bund anfordert“, sagt Tobias Reinhold. Auch er hat das THW vor 25 Jahren in Neuruppin mit gegründet und ist bis heute dabei. Reinhold ist inzwischen stellvertretender Landessprecher für Brandenburg.

Das Oderhochwasser 1997 hat der Lindower mitgemacht und Dutzende andere Einsätze bei Hochwasserlagen an der Elbe oder in anderen Regionen Deutschlands. Im Sommer hat das Neuruppiner THW die Feuerwehren beim großen Waldbrand nahe Fichtenwalde unterstützt. Jede THW-Einheit hat besondere Aufgaben.

Die Neuruppiner haben sich auf den Bau großer Wasserstrecken spezialisiert. Bei Waldbränden sorgen sie mit Hochleistungspumpen und kilometerlangen Rohrleitungen dafür, dass Löschwasser auch von weit her für die Feuerwehren herangeholt werden kann. Das THW kann Wasser pumpen, wo die Feuerwehren mit ihrer Technik längst am Ende sind.

Meist Tage oder Wochen unterwegs

Die THWler rücken im Notfall nicht ganz so schnell aus wie die Feuerwehr. „Aber wenn wir im Einsatz sind, dann in der Regel über viele Tage oder Wochen“, sagt Reinhold. Beim letzten Hochwasser an der Elbe waren die Helfer sechs Wochen lang von Zuhause fort.

Für ehrenamtliche Helfer ist das eine besondere Herausforderung. Um so wichtiger ist es, immer neue Leute zu gewinnen. 48 Aktive hat das THW in Neuruppin zurzeit, dazu kommt eine große Jugendgruppe mit 28 Mädchen und Jungs. Mitmachen kann im Prinzip jeder.

Von Reyk Grunow

Der Seniorenbeirat von Neuruppin hatte für Mittwoch zu seinem Neujahrsempfang geladen – auch Stadtverordnete und Ortsvorsteher. Die haben seit Monaten über das Haus der Begegnung diskutiert.

12.01.2019

Kehlbisse, durchgebissene Knochen und gefressene Tiere: In Krangen hat es in einem Wildgehege drei Wolfsangriffe in einer Woche gegeben, die das Zusammenleben der Tiere dort komplett verändert haben. Eine Kamera dokumentierte die Attacke eines ganzen Rudels.

12.01.2019

So billig wie in Neuruppin ist Fernwärme für Mieter kaum irgendwo anders im Land, zeigt ein Preisvergleich unter großen Wohnungsunternehmen. Stadt und Stadtwerke fühlen sich in ihrem Konzept bestätigt.

08.01.2019