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Neuruppin Mit Flammenstößen attackiert
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Mit Flammenstößen attackiert
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16:46 23.01.2019
Ein 28-Jähriger aus Wittenberge wurde nun vom Landgericht Neuruppin zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Quelle: Helge Treichel
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Neuruppin

Brutal, grausam und menschenverachtend nannte Richter Udo Lechtermann die Tat, für die die erste Große Strafkammer des Landgerichts Neuruppin einen 28-Jährigen nun verurteilte.

Fünf Jahre Gefängnis zu wenig für diese Tat

Für sechs Jahre und zehn Monate schickte das Gericht den Wittenberger ins Gefängnis. Fünf Jahre wäre die Mindeststrafe gewesen, zu wenig aus Sicht des Gerichts für das, was dem jungen Mann vorgeworfen wurde.

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Wie so oft hatte er sich mit anderen Kumpels im Herbst 2017 in der Wohnung des späteren Opfers in Wittenberge getroffen. Es wurde zusammen Alkohol getrunken – viel Alkohol. Auch Drogen spielten eine Rolle. Aber es ging auch darum, sich auf Kosten Schwächerer zu amüsieren, so Lechtermann. Und da war der Wohnungsinhaber ein „gefundenes Fressen“. Der 32-Jährige hatte sich vor Gericht als jahrelanger Alkoholiker beschrieben, der auch immer mal Zielscheibe von Gewalttätigkeiten war.

Angeklagter suchte sich ein Opfer

Bei dem zur Rede stehenden Vorfall floss wieder viel Alkohol und der Gastgeber war vom Angeklagten als Opfer erkoren worden. „Es ging letztlich darum, dem Mann die Pin aus der Nase zu ziehen. Allen Anwesenden war klar, dass er kein Millionär war“, sagte der Richter. Um ihn zur Herausgabe der Nummer zu bewegen, griff der Angeklagte zu einer Methode, die Gericht und Verteidigung als Folter bezeichneten. Er entzündete mit einem Feuerzeug eine Sprühdose und hielt die so entstandenen Flammen gegen Kopf und Oberkörper des entkleideten Mannes.

Opfer war verängstigt

„Man konnte sehen, dass der Mann große Angst hatte“, sagte Lechtermann. Das war auf dem Video zu erkennen, das Anwesende gefilmt hatten, um sich „daran im Nachhinein zu ergötzen“, so das Gericht. Die Geschichte des Angeklagten, es habe sich um ein vorbereitetes Video gehandelt, mit dem alle, auch das spätere Opfer, einverstanden gewesen wären, nahmen die Richter ihm nicht ab.

„Es war alles nur Spaß“

Der 28-Jährige hatte über seine Verteidigerin erklären lassen, dass sie öfter Videos drehen würden nach Youtube-Mustern wie „Karl, der Brecher“, wo lauter Chaoten zu sehen seien, die sie nachmachten. Der Trinkkumpan tue immer so als wäre er Dagobert Duck. Deshalb hätten sie die Bankkarte haben wollen, um nachsehen zu können, wie viel Geld er denn nun auf dem Konto hatte. „Es war alles nur Spaß“, so der Angeklagte.

Das Gericht ging nicht davon aus, dass der Angeklagte durch Alkohol und Drogen erheblich in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt war, enthemmt ja, „nicht mehr und nicht weniger“.

„Es ist der Eindruck geblieben, da sitzt ein verängstigter Mann, der keine Chance hatte, sich zu entziehen. Er war umringt von den Kumpeln des Angeklagten“, sagte Lechtermann. Für das Gericht kam in der Tatausführung die „menschenverachtende Gesinnung des Angeklagten, einen Schwächeren zu malträtieren, zum Ausdruck.

Von Dagmar Simons

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