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Neuruppin 28-Jähriger soll Trinkkumpan gequält haben
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin 28-Jähriger soll Trinkkumpan gequält haben
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17:24 08.01.2019
Ein 28-Jähriger aus Wittenberge muss sich derzeit vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Quelle: Helge Treichel
Neuruppin

Dass sich Gino W. derzeit wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Neuruppin verantworten muss, ist purer Zufall. Die Polizei ermittelte gegen den 28-Jährigen aus Wittenberge wegen eines Drogendeliktes und hatte deshalb sein Handy eingezogen. Darauf befand sich ein Video, das die im Gerichtssaal Anwesenden erschütterte.

Mit Flammenstößen malträtiert

Darauf zu sehen war, wie ein junger Mann, der mit unbekleidetem Oberkörper auf einer Couch saß, mit Flammenstößen attackiert wurde. Im Hintergrund war die Stimme des Angeklagten zu hören, der damit drohte, sein Gegenüber abzufackeln, wenn dieser nicht seine PinNummer für die Bankkarte preisgeben würde.

Die Polizei ermittelte den mutmaßlichen Täter und sein Opfer. Gino W. sitzt seit dem 3. November in Untersuchungshaft. Passiert sein soll das Ganze im September 2017 in Wittenberge in der Wohnung von Manuel H. in der Bahnstraße.

Planlos durchs Leben

Gino W. wollte nichts zu dem Vorwurf sagen, ließ sich aber bereitwillig zu seinem bisherigen Leben ein. Das verlief bis zur zwölften Klasse in einem Oberstufenzentrum gradlinig. Dann verließ er die Schule, war, wie er sagte, „eine Zeit lang so unterwegs“.

Im Klartext: Er hat nichts gemacht, sich nach eigenen Angaben rum getrieben und mit Kumpeln abgehangen. Kumpel, die wie er reichlich Alkohol tranken und Drogen nahmen. „Das hört sich nicht so nach einem richtigen Plan fürs Leben an“, meinte der Vorsitzende Richter.

Gedächtnisverlust durch Alkohol

Laut Anklage soll es bei einem dieser Treffen in der Wohnung von Manuel H. dann zu der Tat gekommen sein. Daran wollte oder konnte sich der 32-Jährige vor Gericht nicht erinnern.

Er führte die Gedächtnisausfälle auf seinen Alkoholismus zurück, was ihm das Gericht nicht abnahm. Erst als im Gerichtssaal das Video abgespielt wurde, gab er auf Nachfrage zu, dass es Gino W. gewesen sei, der ihn so misshandelt habe.

Wieso es dazu gekommen war, wusste er allerdings nicht mehr. Dass es um Geld ging, konnte er nicht sagen. Er habe nie damit geprahlt, welches zu haben. Denn eigentlich ist er arm wie eine Kirchenmaus, lebt von den wöchentlichen Überweisungen durch seinen Betreuer.

Es ging um Millionen

Auf dem Video dagegen ist immer wieder die Rede von Millionen, an die der Angeklagte mit der geforderten Pin-Nummer gelangen wollte. „Sag uns einfach die Scheißnummer und gut ist“, heißt es an einer Stelle. Dann wieder hört man: „Was ist Dir wichtiger, Leben oder brennen? Gönnst Du uns die Millionen nicht?“

Diese Drohungen wurden untermauert von Flammenstößen. Trotz sichtlicher Schmerzen und eindeutiger Verletzungen brach Manuel H. nicht sein Schweigen.

Patrick W. war ebenfalls bei dieser Aktion dabei, das war deutlich auf dem Video zu erkennen. Er wurde nicht weiter befragt, weil das Gericht ihn für hinreichend verdächtig hielt, Beihilfe geleistet zu haben.

Der Zeuge zeigte sich leicht verwundert über die Aufregung über das Video: „Das war doch alles nur gespielt, das kann man doch sehen.“

Opfer hatte sichtlich Angst

Sehen konnte man die Angst, die Manuel H. hatte. Die war auch dem ermittelnden Polizeibeamten aufgefallen, als er Manuel H. aufgesucht hatte. „Er wollte nichts dazu sagen. Ich habe ihm dann mit dem Video auf die Sprünge geholfen“, sagte der Beamte.

Daraufhin habe Manuel H. „heftig reagiert“. „Er war wie weggetreten, versuchte, die Stimme weg zu drücken. Er schien mir wie traumatisiert.“

Auch ein weiterer Zeuge, Jim R., der aus der Haft vorgeführt wurde, berief sich auf Erinnerungslücken. „Ich weiß davon nichts so richtig. Ich hatte damals eine Drogen- und Alkoholphase“, sagte der 23-Jährige.

Befragt dazu, ob er Manuel H. mal geschlagen und ihm die Nase gebrochen haben, wollte er sich nicht äußern. „Dazu sage ich nichts.“ Es könne sein, dass er das Video gedreht habe, sicher wisse er es nicht. Auch Michel H., der ebenfalls bei dem Treffen dabei war, kannte den Film, den Gino W. herumgezeigt habe. Wie es zu der Misshandlung gekommen sei und worum es dabei ging, wusste er auch nicht. „Keine Ahnung“, sagte der 24-Jährige.

Die Verhandlung wird am kommenden Montag fortgesetzt.

Von Dagmar Simons

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