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Neuruppin Sicherheit und Klimaschutz im Radverkehr stehen im Fokus
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Sicherheit und Klimaschutz im Radverkehr stehen im Fokus
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07:25 01.06.2019
Perlebergs Bürgermeisterin und AG-Vorsitzende Annett Jura (vorne links) geht mit gutem Beispiel voran. Bei der Tour de Prignitz 2019 saß sie wieder im Sattel. Quelle: Jens Wegner
Perleberg/Neuruppin

Die Wahlen am vergangenen Sonntag haben es gezeigt: Das Thema Umwelt dominiert, die Deutschen sorgen sich darum. Viele, gerade die Jüngeren, haben den Grünen ihre Stimme gegeben.

Das Rad anstelle des Autos zu nehmen, würde den Klimaschutz weiter fördern: Fünf Kilometer Radfahren spart 0,92 Kilogramm Kohlenstoffdioxid und 1,80 Euro Fahrtkosten. Errechnet bei einem Verbrauch von 7,9 Liter Benzin je 100 Kilometer.

„Es gibt zuviel motorisierten Verkehr in der Stadt. Wir wollen mehr Bürger dazu motivieren, vom Auto aufs Rad umzusteigen“, sagt Annett Jura, Bürgermeisterin von Perleberg. „Gerade unsere Stadt ist eine Stadt der kurzen Wege.“

Verkehr hat sich beruhigt

Zudem ist der mittelalterliche Kern eine 30er-Zone. „Bei uns sind Einbahnstraßen für Radfahrer freigegeben. Da ist jedoch gegenseitige Rücksichtnahme wichtig zwischen Auto- und Radfahrern. Insgesamt hat sich der Verkehr in den letzten Jahren bei uns beruhigt.“

Doch Jura macht sich nicht nur in der Rolandstadt stark für den Radverkehr, sondern im ganzen Bundesland. Seit Anfang des Jahres hat sie den Vorsitz der brandenburgischen Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen, kurz AGFK, von Stephan Loge, Landrat in Dahme-Spreewald, übernommen. 18 Mitglieder zählt der Zusammenschluss.

Ziel: Mehr Mitglieder

Ihm gehören an: die Landkreise Dahme-Spreewald, Märkisch-Oderland, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming, die Städte Brandenburg an der Havel, Eberswalde, Frankfurt (Oder), Luckenwalde, Oranienburg, Potsdam, Treuenbrietzen, Königs Wusterhausen, Ludwigsfelde, Hohen Neuendorf, Trebbin, Teltow, Perleberg und Neuruppin. „In meiner Amtszeit, die die nächsten drei Jahre andauert, möchte ich mehr Mitglieder gewinnen“, so Annett Jura.

Wir wollen beteiligt werden

Gegründet wurde die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen auf dem bundesweiten Fahrradkongress 2015, erklärt die Vorsitzende: „In anderen Bundesländern gab es diese bereits. Zusammen mit anderen Kommunen, die im Radverkehr aktiv sind, haben wir sie für Brandenburg aus der Taufe gehoben.“

Im Land Brandenburg spiele Radtourismus eine große Rolle. Die Vermarktung klappe aber nur, wenn der Radverkehr eine gleichberechtigte Position zu anderen Angeboten bekäme. „Wir wollen beteiligt werden, wenn auf Landesebene Richtlinien erlassen werden. Uns geht es um Freizeit-, Alltags- und Touristikradverkehr.“ Jura und ihre Mitstreiter tauschen sich darüber aus, was und wie es in den jeweiligen Kommunen funktioniert hat, erarbeiten gemeinsam Radverkehrskonzepte.

Stadtradeln für ein gutes Klima

„Gerade sitzen wir an einem Forderungskatalog, den wir der Landesregierung geben wollen. Es geht um Schnellwege.“ Sternförmig führten diese Radwege raus aus Berlin, müssten aber stärker und schneller ausgebaut werden, nicht nur in den stadtnahen Randgebieten.

Eines der zentralen Themen der AGFK sei der Klimaschutz, sagt Vorsitzende Jura: „Daher beteiligen sich die Mitglieder auch beim bundesweiten Stadtradeln.“ Letztes Jahr hatten deutschlandweit 886 Kommunen mitgemacht.

Drei Wochen sollen Bürger kräftig in die Pedale treten

Drei Wochen lang sind Bürger aufgerufen, kräftig in die Pedale zu treten. „Die gefahrenen Kilometer werden in CO2-Ersparnis umgerechnet“, erklärt Annett Jura. „Nächste Woche geht es los in Perleberg. Vom 5. bis 26. Juni findet das Stadtradeln bei uns statt.“

Es wird eine Auftakt-Veranstaltung geben und drei organisierte Touren. „Dabei bringen wir Wirtschaft und Klimaschutz zusammen. Was machen Unternehmen für ein gutes Klima? Eine Tour führt zur Agrargenossenschaft nach Quitzow.“

Ob Tour de Prignitz, Anradeln oder Stadtradeln – Perlebergs Bürgermeisterin Annett Jura (r.) macht bei jeder Fahrrad-Aktion in der Rolandstadt mit. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Annett Jura ist Vorbild und steigt selber oft aufs Fahrrad. „Unter der Woche schaffe ich es wegen der vielen Termine nicht. Ich bin Freizeit- und Urlaubsradlerin und habe ein ganz normales Cityrad, das schon in die Jahre gekommen ist. Ich werde mir in Kürze ein neues kaufen.“

Mit ihrem Cityrad war sie dieses Jahr auch wieder beim Anradeln dabei. „Das organisiert der Tourismusverband, um die Radsaison zu eröffnen. Bei zwei Grad sind wir diesmal dick angezogen losgefahren nach Bad Wilsnack.“ Die Freizeitradler trifft Jura danach stets bei der Tour de Prignitz Mitte Mai.

Abstand halten, ist das wichtigste

Die AGFK ist jedoch nicht nur bei den Radaktionen involviert, sondern stellt auch eigene Projekte auf die Beine. Auf eines ist Annett Jura besonders stolz: „Die Kampagne zur Verkehrssicherheit. Letztes Jahr hingen die Plakate an 150 Standorten und waren auf Bussen zu sehen.“

Die plakativen Tafel-Kreide-Motive mit knalligen Schlagworten deuten auf zwei Problematiken hin. „Autofahrer halten oft nicht genug Abstand, was die häufigste Unfallursache ist. 1,50 Meter sollten es sein. Die meisten Autofahrer überholen aber nach Gefühl.“ Dabei sei der große Abstand wichtig. „Radfahrer ziehen meist nach links, wenn sie an einer offenen Autotür vorbei müssen oder einem Gullideckel ausweichen.“

Dieses Jahr geht die Verkehrssicherheits-Kampagne weiter. „Wir wollen die Motive vermehrt auf Busse bringen“, so Jura. Auch Neuruppin macht mit, sagt Jan Juraschek, Sachgebietsleiter für Stadtplanung im Amt für Stadtentwicklung: „Wir sind bestrebt, in der Fontanestadt die Kampagne fortzusetzen. Die Motive sollen an Bussen und Dienstfahrzeugen zu sehen sein.“

Wandel auf der Straße

Zudem möchte er, dass die Plakatmotive an allen vier Ausfallstraßen hängen. „Und ich wünsche mir Postwurfsendungen. Die Karten sollen an den Autos verteilt werden, damit Bürger sie wahrnehmen.“

AGFK-Vorsitzende Annett Jura merkt einen Wandel auf der Straße, was die Räder selber betrifft. Elektroräder hätten zugenommen, sogenannte E-Bikes, meint sie: „Wir haben nun für diese in Perleberg eine Tankstelle nahe des Rathauses aufgestellt.“

Auch Neuruppin hat aufgerüstet. „Für E-Bikes betreiben wir sechs Fahrradboxen mit Lademöglichkeit, drei Stück am Bahnhof West und drei Stück am Bahnhof Rheinsberger Tor. Zielgruppe seien Berufspendler“, erklärt Guido Gerlach von den Stadtwerken.

Lademöglichkeiten für e-Bikes

E-Bikes von Fahrradtouristen wiederum würden eher an touristischen Hotspots wie Hotels oder Gaststätten geladen. „Das funktioniert dort an jeder 230 Volt-Steckdose. Zudem ist die Reichweite bei guten E-Bikes mit bis zu 120 Kilometern sehr auskömmlich.“

Öfter mal was Neues und mit der Zeit gehen: Mehr Radabstellflächen hat Annett Jura innerhalb der nächsten zwei Jahre für Perleberg geplant, vor allem an Standorten mit Pendlerverkehr. „Dafür frage ich in anderen Mitgliederkommunen nach deren Erfahrungen.“ Zum Beispiel bei AGFK-Kollege Jan Juraschek, der erst kürzlich die Radabstellanlage am Bahnhof Neuruppin-West erneuert hat. Die Arbeitsgemeinschaft kümmert sich eben um jeglich Art von Schutz im Radverkehr.

Von Anja Reinbothe

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