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Neuruppin Als Kölner sein Herz im Ruppiner Land verloren
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17:18 25.11.2019
Klaus-Christoph Clavée, Präsident des Brandenburger Oberlandesgerichtes (r.) überreichte Egbert Simons am Montag vor gut 60 Gästen in der Neuruppiner Siechenhauskapelle seine Entlassungsurkunde zum 30. November. Quelle: Andreas Vogel
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Neuruppin

Für Egbert Simons, den Präsidenten des Landgerichts Neuruppin, hat sich am Montag in der Neuruppiner Siechenhauskapelle ein Kreis geschlossen: In der Kapelle wurde der 63-Jährige nach gut 15 Jahren als Chef des Landgerichts Neuruppin von Klaus-Christoph Clavée, dem Präsidenten des Brandenburger Oberlandesgerichtes, in den Ruhestand verabschiedet – in einem der zur Kapelle gehörenden Hotelzimmer hatte Simons auch zum ersten Mal in der Fontanestadt übernachtet.

Ein Bett für die Nacht gesucht

Das war im September 1993. Simons, in Köln geboren und mit sechs Geschwistern groß geworden, hatte gerade für gut zwei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe gearbeitet und gehörte dem kleinen Stab an, der in Neuruppin innerhalb von drei Monaten das Landgericht aufbauen sollte. Personal und Gebäude für die Justiz mussten in der Stadt ebenso erst gefunden werden, wie ein Bett für die Nacht.

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„Wir sind nicht viel zum Nachdenken gekommen“, sagt Simons. Schließlich sollte das Landgericht Neuruppin am 1. Dezember 1993 seine Arbeit aufnehmen. Das gelang, und Simons durfte Martin Lickfett als ersten Präsidenten des neuen Landgerichtes vereidigen. „Das war die spannendste Zeit in meinem Berufsleben.“

Fünf Jahre im Justizministerium

Gleichwohl verließ Simons, der Zivilrichter, verheiratet und Fan des 1. FC Köln ist, 1997 die Fontanestadt wieder und arbeitete als Referatsleiter in mehreren Bereichen beim Justizministerium in Potsdam. Dabei sorgte er unter anderem dafür, dass in Wulkow bei Neuruppin eine neue Haftanstalt mit über 150 Plätzen errichtet werden konnte.

2002 wurde der Vater zweier Kinder Vizepräsident des Landgerichtes in Potsdam. „Ich habe immer gehofft, nach Neuruppin zurückzukommen“, sagt Simons. Dieser Wunsch erfüllte sich zu seiner Überraschung schon wenig später: Am 1. April 2004 wurde der „herausragende Jurist“, so Oberlandesgerichtspräsident Clavée, Chef des Landgerichtes in der Stadt, die ihn seit 1993 nicht mehr losgelassen hat und in der er Vorsitzender des wohl ältestes Segelvereines in Brandenburg ist.

Golde: Er ist ein Neuruppiner

„Justiz darf kein Fremdkörper sein, sondern Teil der Stadtgesellschaft“, sagt Simons. Aus dieser Überzeugung heraus hatte der Privatmann Simons auch im Januar 2010, nach der Stadtwerke-Affäre und dem Freitod des einstigen Neuruppiner Stadtwerkechefs Dietmar Lenz zu einer Art Friedensgipfel aufgerufen, um die tief gespaltene Stadt wieder zu einen.

Dafür dankte Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) am Montag ausdrücklich. „Hier ist einer angekommen. Er ist ein Neuruppiner“, sagte Golde in Anlehnung an das berühmte Zitat von US-Präsident John F. Kennedy 1963 in Berlin und überreichte Simons nicht nur einen Aufkleber mit dem Spruch „Ich bin ein Neuruppiner“, sondern auch einen Beutel mit zwei frischen Knüppel-Brötchen von der Bäckerei Gröpler.

Mit Gröpler-Brötchen habe er im Frühjahr 1990 auch die ersten Westdeutschen begrüßt, die am Rande des Ruppiner Sees mit ihren Wohnmobilen übernachtet hatten. „Als Dank gab es damals Café und Kakao aus dem Westen“, so Golde.

Erbitterter Streit um eine Umbettung

Egbert Simons kümmerte sich indes auch am Landgericht um das Zivilrecht. „Streiten und Streitkultur sind mein Lebensthema geworden.“ Dabei ging es nicht allein um klassische Nachbarstreitereien zu den Grundstücksgrenzen oder der Art der Bepflanzung, sondern ebenfalls um Auseinandersetzungen unter Verwandten zu Darlehen und Mieten. „Das sind Fälle, bei denen Verzweiflung oft eine große Rolle spielt“ – wie etwa bei dem Streit um die Umbettung eines Leichnams. Der Mann, Anfang 40, hatte einen tödlichen Verkehrsunfall und sollte neben seiner Schwester im Ruppiner Land beerdigt werden. Doch am Tag vor der Bestattung fand die Lebensgefährtin des Mannes ein Testament. In diesem hatte er verfügt, dass er anonym bestattet werden wollte, um seiner in Potsdam lebenden Lebensgefährtin nach einem Todesfall nicht zur Last zu fallen.

Eine heikle Geschichte. Zwar wurde der Mann zunächst neben seiner Schwester bestattet, doch die einstige Lebensgefährtin klagte darauf, den Leichnam zu exhumieren und in Potsdam anonym zu beerdigen. „Für die Eltern des Mannes war das unvorstellbar“, sagt Simons. Der Rheinländer schlug einen Kompromiss vor: Die Lebensgefährtin habe zwar die „Totenfürsorge“, aber umgebettet werden sollte der Leichnam erst nach dem Tod der Eltern.

Zwei Boote und eine Wickelkommode

„Das war die Lösung, der ganze auf beiden Seiten angestaute Frust entwich“, sagt Simons: Die Eltern waren zufrieden, den Ort der Trauer behalten zu können; die Lebensgefährtin die Gewissheit, den Leichnam später nach Potsdam holen zu können.

„Sie haben eine innere Ausgeglichenheit, lassen sich von Problemen nicht erdrücken und stets Freude am Leben. Sie werden uns fehlen“, sagte Klaus-Christoph Clavée, Präsident des Oberlandesgerichtes.

Egbert Simons freut sich indes schon auf den Ruhestand – und die vielen Dinge, die er jetzt vorhat. So wartet auf den passionierten Motorradfahrer in der Garage seit vier Jahren ein Jollenkreuzer aus Mahagoni noch darauf, aufgearbeitet zu werden, und in einer anderen Halle ein fast 100 Jahre altes Boot. Doch als Erstes steht Simons vor einer ganz anderen Aufgabe: Er will eine Wickelkommode bauen, da er im Februar zum ersten Mal Opa wird.

Von Andreas Vogel

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