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Neuruppin Ama Consort wird die Rheinsberger Hofkapelle für 2019/2020
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Ama Consort wird die Rheinsberger Hofkapelle für 2019/2020
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00:24 05.05.2019
Ama Consort wird Rheinsberger Hofkapelle 2019/2020. Das Ensemble setzte sich gegen Accorda und Postillon im Konzert durch - von insgesamt 16 Bewerbern um den Titel. Quelle: Regine Buddeke
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Rheinsberg

Die Rheinsberger Hofkapelle schaut auf eine lange Tradition zurück. Der musikbegeisterte Kronprinz Friedrich gründete sie einst für seinen Musentempel im Schloss Rheinsberg, neben ihm selbst gehörten so berühmte Musiker dazu wie Johann Joachim Quantz, Franz Benda, die Brüder Johann Gottlieb und Carl Heinrich Graun, Christoph Schaffrath, Johann Gottlieb Janitsch oder Carl Philipp Emanuel Bach.

Die Rheinsberger Hofkapelle wird dieses Jahr Ama Consort. Erstmals wurde der Titel öffentlich ausgeschrieben: 16 Ensembles bewarben sich – drei stellten sich der Jury in einem Kurzkonzert. Ama Consort setzte sich gegen Accorda und Postillon durch.

Die Musikakademie Rheinsberg hat sich der schönen Tradition angenommen und vergibt seit der Wiedereröffnung des das Rheinsberger Schlosstheater 1999 jedes Jahr den Titel „Rheinsberger Hofkapelle“ an ein junges Ensemble, das sich der Alten Musik samt historischer Aufführungspraxis widmet. Erstmals jedoch wurde in diesem Jahr der Titel europaweit ausgeschrieben. Am Mittwoch fiel die Entscheidung – bei einem Konzert im Rheinsberger Schlosstheater.

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„Es haben sich 16 Ensembles um den Titel und das damit verbundene Förderprogramm beworben. Drei von ihnen haben wir eingeladen, damit sie zeigen, was sie können“, freut sich Musikakademie-Leiter Felix Görg über die große Resonanz. Damit das Ganze nicht allzu sehr einem Wettbewerb oder Casting gleiche, möge man die 20 Minuten, die jedes Ensemble spielen dürfe, bitte als Konzert betrachten, beschwört Görg die knapp 50 Zuhörer. Erst danach werde sich die Jury zusammensetzen und eine Entscheidung treffen.

Vier Juroren vor schwerer Entscheidung

Zur Jury gehören neben Felix Görg auch der künstlerische Leiter der Musikkultur Rheinsberg, Georg Quander, der Geschäftsführer Thomas Falk sowie Bernhard Forck, Konzertmeister der Akademie der Alten Musik Berlin. Das erste Quartett ist das Ama Consort – Studierende an der Schola Cantorum Basiliensis, dem Koninklijk Conservatorium Den Haag und der Musikhochschule Frankfurt. Seit 2017 musizieren sie zusammen, sind international aktive Musiker und mehrfache Preisträger verschiedener Wettbewerbe.

Die vier jungen Musiker haben Telemann, Graun und Carl Philipp Emanuel Bach im Programm. Der frische und lebendige Vortrag wird noch zusätzlich durch spannende Instrumentenwechsel belebt: So wechselt die Flötistin Lea Sobbe von der Blockflöte später zur meterlangen hölzernen Bassflöte, während der Barockcellist Martin Jantzen zur Diskant-Gambe greift – cello-ähnlich, aber kaum so groß wie eine Geige.

16 Bewerber – drei Finalisten

Das zweite Ensemble heißt Accorda, kommt aus München und ist begeistert von der Musik vor 1850. Die gefragte Kammermusikformation versuchen mit verschiedensten Aktionen, ihre Zuhörer in die Entstehungszeit dieser Musik zu entführen: Dazu gehören auch überraschend neue Formate wie Flashmobs und ungewöhnliche Konzertorte. Beim Konzert in Rheinsberg brillierten die vier jungen Musiker mit Musik von Janitsch und Telemann.

Das dritte Ensemble ist ein Quintett namens Postillon – zu Geige, Cello, Cembalo und Traversflöte gesellt sich hier noch eine Oboe. Postillon – auch sie haben sich Janitsch und Telemann ins Programm gesetzt – versuchen sich als einziges Ensemble auch an der Moderation. So erfährt man etwa, dass Hofkapellenmitglied Janitsch und Telemann so einiges gemeinsam hatten: Beide haben auf Wunsch der Eltern Jura studiert und während dieser Zeit Musik gemacht.

Erstmals Titel öffentlich ausgeschrieben

Und beide fanden es schön, gemeinsam zu musizieren und gründeten entsprechende Gemeinschaften: Telemann in Leipzig ein Collegium Musicum und Janitsch die Freitagsakademie, die revolutionär war, weil jeder kommen durfte: Adel und Bürger, Laien und Profis. Postillon verweist auf die Schwelle zu einer neuen musikalischen Zeit, vor der beide Komponisten standen: Die „Galante Musik“. Die stellen die fünf Musiker mit all ihren graziösen Verzierungen dem Publikum vor.

Die Wahl mag der Jury schwer gefallen sein. Die Entscheidung war indes einhellig: „Rheinsberger Hofkapelle 2019/2020 ist das Ama Consort. „Die vier Interpreten haben sehr lebendig zusammengespielt, mit sehr viel Mut zum eigenen musikalischen Ausdruck. Sehr souverän war auch der Wechsel zwischen den Instrumenten. Ihre große Freude am Musizieren war für alle spürbar“, begründet Bernhard Forck die Entscheidung.

Von Regine Buddeke

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