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Neuruppin Was es mit den Aufklebern in der Innenstadt auf sich hat
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Was es mit den Aufklebern in der Innenstadt auf sich hat
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01:16 30.03.2019
In der Innenstadt sind Laternenmasten mit gelben Stickern beklebt. Nicht allen Neuruppinern gefällt das, obwohl sie mehrere Funktionen haben. Quelle: Kathrin Gottwald
Neuruppin

Sie sind gelb-schwarz, etwa so groß wie eine Handfläche, versehen mit Wörtern wie Klugschmuserei, Weltverbesserungsleidenschaft oder Menschheitsbeglückungsidee – und ärgern manche Menschen in Neuruppin.

Dabei sollen die gut 600 Aufkleber, die mittlerweile in der Innenstadt angebracht wurden, einen ganz anderen Zweck erfüllen: Sie sollen die Menschen vor allem auf neue Art und Weise neugierig auf Fontane und eine Leitausstellung machen, die am Samstag im Museum Neuruppin startet.

„Die Aufkleber sind Teil unserer Leitausstellung, mit der wir den 200. Geburtstag Fontanes auch im Stadtbild sichtbar machen wollen“, sagt Katharina J. Schneider, wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Aufkleber sind Teil eines künstlerischen Wegeleitsystems

Sie betreut die Ausstellung „fontane:200/Autor“, die seine vielfältigen Wortschöpfungen thematisiert. „Unsere Idee war es, Fontane zu seinem runden Geburtstag 200 Wörter zu schenken und darauf aufmerksam zu machen, welche besonderen Kombinationen er geschaffen hat.“

Dass dieses Geschenk nun Neuruppiner ärgert oder manche Bewohner die Aufkleber selbstständig entfernen, statt über sie nachzudenken und sich für Fontane zu öffnen, sei „einfach nur schade“, sagt Museumsleiterin Maja Peers.

„Die Sticker sollen die Menschen ebenso zu unserem Museum und der Ausstellung führen. Wir haben die Wege vom Rheinsberger Tor, Fontane-Denkmal und Ruppiner See in die August-Bebel-Straße bewusst beklebt, unser künstlerisches Wegeleitsystem umgesetzt.“

Etliche Aufkleber verschwunden

Ein Wegeleitsystem, das durch das Entfernen der Aufkleber nicht funktioniert. Etliche Aufkleber seien in der Nacht von Dienstag zu Mittwoch verschwunden.

Das kann vor allem Katharina J. Schneider nicht nachvollziehen, die am Dienstagnachmittag zusammen mit einer Studentin dreieinhalb Stunden die Aufkleber in der Innenstadt angebracht hat.

Auf den Stickern befinden sich unterschiedliche Wortschöpfungen Theodor Fontane, zum Beispiel Pfefferkuchengegend, Gespensterbedürfnis oder Blechblick. Quelle: Kathrin Gottwald

„Das waren verschenkte Arbeitszeit und herausgeworfene Materialkosten“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin. Jetzt müsse sie ein weiteres Mal aufbrechen, um neue Aufkleber anzubringen.

Stadt Neuruppin seit Frühjahr 2018 über Aufkleber informiert

Über 2000 gelb-schwarze Sticker hat die Brandenburgische Gesellschaft für Kulturgeschichte entwickeln lassen, die sich um die Kampagne „fontane 200“ kümmert und in mehreren Städten des Landes Brandenburg umsetzt.

Sie war es auch, die die Idee für die Aufkleber entwickelte und damit im Frühjahr 2018 an die Stadt Neuruppin herantrat, um diese unter besonderen Bedingungen anbringen zu dürfen.

„Von Mai bis September 2018 wurde getestet, auf welchen Untergründen wir die Aufkleber anbringen können“, sagt Katharina J. Schneider.

Aufkleber erfüllen besondere Bedingungen

Dabei sei wichtig gewesen, dass sie ausschließlich auf öffentliche Flächen kommen. Private Flächen und Sehenswürdigkeiten seien tabu.

Auch beim Material habe die Stadt Neuruppin darauf geachtet, dass die Aufkleber aus leicht ablösbaren und umweltfreundlichem Material bestehen.

Sie seien keineswegs aus Plastik, wie eine Neuruppinerin am 21. März auf Facebook behauptete. Dort wurde außerdem darüber diskutiert, ob es sich bei den Aufklebern nicht einerseits um Sachbeschädigung und andererseits um eine Verletzung der Werbesatzung handle.

Aufkleber weder Sachbeschädigung noch Werbung

Zwei Punkte, die Maja Peers ausschließen kann: „Es ist keine Werbung, sondern eine Kunstaktion, die mit dem Ende der Ausstellung am 30. Dezember 2019 ebenfalls endet“, sagt die Museumsleiterin.

Und weil die Aufkleber nur dort kleben, wo sie keine Spuren hinterlassen und leicht zu entfernen seien, liege auch kein Fall der Sachbeschädigung vor.

Auch an den Laternenmasten am Schulplatz hängen die gelb-schwarzen Aufkleber und sollen die Menschen den Weg in Richtung des Museums Neuruppin weisen. Quelle: Kathrin Gottwald

Dabei hoffen sowohl Maja Peers als auch Katharina J. Schneider auf besseres Wetter zum Start des Fontanejahres am Samstag. Das Material der Aufkleber ist derart objekt- und umweltfreundlich, dass der Sprühregen am Donnerstagmittag bereits dafür gesorgt hat, dass sich einige Aufkleber gelöst haben.

Auch hier bleibt ihnen nichts anderes übrig, als nachzukleben und das Wegeleitsystem wieder herzustellen. Es soll insgesamt neun Monate halten, bevor Katharina J. Schneider und ihr Team spätestens im ersten Quartal 2020 sämtliche Aufkleber wieder entfernen.

Von Fabian Lamster

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