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Neuruppin Fontane und die Stadt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Fontane und die Stadt
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16:57 25.09.2019
Kurator Matthias Frinken und Malerin Cornelia Felsch beim Aufbau der Ausstellung über Fontane in der Neuruppiner Galerie am Bollwerk. Quelle: Celina Aniol
Neuruppin

Die Leerstelle beschreiben. Das ist nicht leicht. Lange hat Matthias Frinken mit dem Thema „Fontane und die Stadt“ gerungen. Es von allen möglichen Seiten betrachtet.

Als Stadtplaner und Fontaneliebhaber. Als Berlinkenner und Geschichtsbeflissener. Hat mit Literaturwissenschaftlern und Museumsleuten gesprochen. Fontanes Romane, Briefe und Gedichte gewälzt.

„Es muss doch etwas zu finden sein“, habe er immer wieder gedacht. Es könne einfach nicht sein, dass der große deutsche Schriftsteller des 19. Jahrhunderts so gar nichts über das Stadtleben schreibt.

Die Recherche-Ausbeute: sehr mager

Der Autor, der in den Metropolen London und Berlin zu Hause war, die sich just zu diesem Zeitpunkt durch die Industrialisierung so enorm verändert haben. Derjenige, der als Journalist für Aufklärung hätte sorgen sollen.

Frinkens Ausbeute blieb dennoch mager. Sehr mager. Einige wenige Stellen kritischer Auseinandersetzung mit dem Großstadtleben der kleinen Leute gebe es in seinen literarischen Werken. Mehr nicht.

Die Stadt ist lediglich Kulisse

Arbeiten und Wohnen auf engsten Raum, soziale Ungleichheiten, Armut, Grundstücksspekulationen – all das lässt Neuruppins Sohn Fontane aus. Frinkens Fazit fällt deshalb entsprechend ernüchternd aus: „Die gebaute Stadt ist im Werk Fontanes Erlebnisraum und Bühne, nicht jedoch Forschungsgegenstand.“

Trotzdem peilt der Architekt und Stadtplaner, der in Hamburg lebt, aber eng mit der Fontanestadt verbunden ist, jetzt in einer Ausstellung in der Neuruppiner Galerie am Bollwerk genau diese Leerstelle an. Versucht sie als Kurator in Text, Bild und Karte einzukreisen.

Berlin-Bild von Cornelia Felsch, das die Malerin eigens für die Ausstellung angefertigt hat. Quelle: Celina Aniol

Große Pläne von London und Berlin aus dem 19. Jahrhundert hängen dort. Lebens- und Arbeitsorte Fontanes sind darauf vermerkt. Daneben Erläuterungen Frinkens zur Urbanisierung dieser Quartiere. Zu den Lebensumständen. Ergänzt werden sie durch Fotografien der Orte, die der Stadtplaner gemacht hat, und Aquarelle der Neuruppiner Malerin Cornelia Felsch.

Frinken versucht durch die Ausstellung aber auch, Diskussionen zu entfachen. Darüber, welche Stadt – Neuruppin oder doch Berlin – das Werk Fontanes stärker geprägt hat. Oder warum er letztlich das gesetzte bürgerliche Leben den Umbrüchen der Industrialisierung vorzieht, obwohl er die Errungenschaften des urbanen Wandels wie die Eisenbahn in den Himmel preist.

War Fontane so gar nicht am Proletariat interessiert, trotz seiner pointierten Kritik an rückwärtsgewandten Konventionen der Gutsituierten? Sind dafür allein die Prinzipien des poetischen Realismus schuld, die dem Autoren nur das Schöne zu vermitteln vorschreiben?

Kurator hofft auf weitere Erkenntnisse

Frinken hat eine Vermutung. Will aber gerne darüber auch noch mit den Galeriegästen weiter debattieren. Er versteht die Ausstellung gewissermaßen als ein Gedankenexperiment, das zu weiteren Erkenntnissen führen soll. Und nicht immer bierernst gemeint scheint.

So will Frinken die Besucher abstimmen lassen, ob Fontane eher Märker oder doch vielmehr Großstädter war. „Ich erwarte, dass alle Neuruppiner Märker sagen, und alle anderen Berliner“, sagt er und lächelt verschmitzt. Wie er es sieht: „Er war beides.“

Die Ausstellung wird am Donnerstag, 26. September, um 19 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 3. November mittwochs bis sonntags von 13 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

 

Von Celina Aniol

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