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Neuruppin Tankstellenbetreiber kritisiert Verkehrschaos
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Tankstellenbetreiber kritisiert Verkehrschaos
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02:15 25.03.2019
Tankstellenbetreiber Christoph Buhl klagt über heftige Umsatzeinbußen wegen der B 167-Baustelle vor seinem Geschäft in Neuruppin.
Tankstellenbetreiber Christoph Buhl klagt über heftige Umsatzeinbußen wegen der B 167-Baustelle vor seinem Geschäft in Neuruppin. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Christoph Buhl ist sauer. Wegen der vielen Absperrungen. Wegen der wenigen Informationen. Und weil die Verantwortlichen seine Probleme kaum zu interessieren scheinen. Dass die B 167 in Neuruppin erneuert werden muss, das ist für den Betreiber der Jet-Tankstelle keine Frage. Das durch die Arbeiten verursachte Verkehrschaos bringt ihn aber auf – und in Bedrängnis. Der Umsatz sei bei ihm seit dem Baustart um rund 50 Prozent eingebrochen, berichtete er Anfang der Woche. „Es geht langsam an die Substanz“, sagt er nun. „Zum Glück habe ich mit Jet einen Partner, der mich unterstützt und mit dem ich im ständigen Austausch bin."

Kunden bleiben wegen des Wirrwarrs weg

Das Grundproblem: Durch die weiträumige Umfahrung und teilweise Sperrung, die bereits vor dem Beginn der Arbeiten angeordnet wurde, finden seine Kunden kaum noch den Weg zu Buhls Zapfsäulen. Und die Lage verschärfe sich. Autofahrer, die immer genervter von den Umwegen sind, geben sich kaum noch Mühe, die Tankstelle im sich ständig änderndem Wirrwarr zu suchen. „Selbst meine treusten Kunden kommen nicht mehr vorbei.“

Buhl: „Es kam wie ein Schuss aus dem Hinterhalt“

Bereits 2018 hieß es, dass die Bundesstraße erneuert wird. Das Jahr verstrich, es passierte aber nichts. Vor wenigen Wochen erfuhr Buhl von den geplanten Arbeiten – aus der Presse. „Es kam wie ein Schuss aus dem Hinterhalt. Ich konnte mich nicht auf die Situation vorbereiten.“ Erst später flatterte ein Infoblatt bei ihm ein, mit wenig Aussagekraft und keiner Hilfestellung für seine besondere Problemlage. Dass ihn als Geschäftsmann, der von der Verkehrslage vor seiner Tür direkt abhängig ist, weder das Land noch die Stadt gesondert informiert haben, empfindet er als falsch.

Viele Behörden im Boot

Nach vielen Telefonaten hat er auch das Gefühl, dass ihm keiner richtig helfen will. Oder kann, weil bei den Abstimmungen zu der Verkehrsführung so viele Behörden im Boot sitzen. „Bei der Gewerbesteuer denkt die Stadt sofort an mich. Wenn ich Hilfe brauche, fühlt sich niemand zuständig“, kritisiert er. „Das passt für mich nicht zusammen.“ Schließlich müsste zumindest der Stadt an seinem Unternehmen gelegen sein, findet er. Alleine wegen der Steuer und der Arbeitsplätze. „Ich kann nur Löhne zahlen, wenn ich etwas verdiene.“

Aushilfen arbeiten im Moment nicht mehr

Buhl beschäftigt sieben Mitarbeiter. Normalerweise. Wegen der Baustelle hat er nun die Festangestellten in den Urlaub geschickt, die Aushilfen fordert er nicht mehr an. Auch wenn seine Tankstelle nach wie vor täglich von 6 bis 22 geöffnet hat. „Nur so kann ich einen Teil der Umsatzausfälle auffangen.“ In seiner Verzweiflung bot er sogar an, die Schilder eigenhändig an die Stellen der Straße zu tragen, an denen sie gebraucht werden, nur um die Zufahrt zu seiner Tankstelle für eine gewisse Zeit zu verbessern. „Ich würde das auch bezahlen.“ Von diesen Angeboten wollte aber keiner etwas wissen.

„Baustelle ist organisatorisch ein absoluter Witz“

Auch andere Nutzer der Straße sind erbost. Anwohner Joseph Kleinschnittger kritisiert, dass die Anlieger nicht informiert werden, wann es zu welchen Einschränkungen kommt. Mittlerweile hat er erfahren, dass nächste Woche die Straße vor seiner Haustür asphaltiert werden soll. „Aber ich weiß immer noch nicht genau, wann ich mit dem Auto vom Grundstück nicht wegkomme.“

In dieser Woche wurde die alte Fahrbahn der B 167 zwischen der Bahnhofstraße und dem Bahnübergang in Neuruppin abgefräst. Anfang nächster Woche soll der Abschnitt asphaltiert werden. Quelle: Peter Geisler

Auch im Internet macht sich der Frust breit. „Diese Baustelle ist organisatorisch ein absoluter Witz“, schreibt zum Beispiel eine Abonnentin der MAZ-Facebook-Seite. „Man weiß ja nie, wann man wo noch lang kommt.“ Dem stimmen in der Facebook-Diskussion auch andere zu.

Neuruppin versucht, die Lage „erträglich“ zu gestalten

Die Stadt habe alle Betroffenen informiert, sagt Sprecherin Michaela Ott – und verweist auf die Auskunft auf der städtischen Webseite und den Handzettel der Baufirma. Zudem habe es bereits einige Veränderungen gegeben, um die Beeinträchtigungen für Anlieger und Gewerbetreibende „erträglicher“ zu gestalten. Dank der von der Stadt durchgesetzten Einbahnstraßenregelung seien trotz der Arbeiten nun alle Straßenabschnitte jederzeit zu erreichen. Ursprünglich hatte das Land eine Vollsperrung angekündigt.

Stadt gegen Verkehr in zwei Richtungen

Die Kommune, die vom Land an den Überlegungen zur Verkehrsführung während der Bauzeit beteiligt wurde, habe sich zudem gemeinsam mit dem Landesbetrieb Straßenwesen, der Bauherr ist, der Vorschläge Buhls angenommen, versichert Ott. Und sich „leider“ gegen sie entschieden. Wenn die Fahrzeuge im Abschnitt Bahnhofstraße bis Wittstocker Allee in zwei Richtungen fahren dürften, hätte das zur Folge, „dass ein Großteil des aus nördlicher Richtung kommenden Verkehrs in die Innenstadt über das Nadelöhr Fontaneplatz fließen würde“. Das wollte die Stadt nicht.

Landesbetrieb verteidigt sich

Der Landesbetrieb äußert sich nur allgemein zu dem Fall. Die Anliegerinteressen haben bei diesen Arbeiten, die nach wenigen Wochen beendet sein sollen, „einen ganz anderen Stellenwert“, als wenn sie anderthalb Jahre dauern, so Sprecherin Cornelia Mitschka. „Bisher habe ich übrigens noch keine Baustelle erlebt, mit der die anliegenden Gewerbetreibenden restlos zufrieden waren und wo sie nicht Beschwerde führten, dass ihre Interessen nicht angemessen berücksichtigt wurden,“ ergänzt sie.

Kritik am Straßenbau in Neuruppin

„Die Baustelle hat mich eiskalt erwischt“, sagt Buhl. Für ihn ist klar: So wie die Arbeiten an der B 167 in Neuruppin diesmal laufen, genau so, sollte es beim Straßenbau niemals laufen.

Von Celina Aniol