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Neuruppin Prignitz-Express: Deshalb fällt der RE6 so oft aus
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Prignitz-Express: Deshalb fällt der RE6 so oft aus
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00:21 09.06.2018
Immer wieder müssen die Triebwagen in die Werkstatt, weil wichtige Teile ausfallen – viel öfter als erwartet. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Die Probleme beim Prignitz-Express nehmen kein Ende. Fahrgäste können sich inzwischen nicht mehr darauf verlassen, dass die Züge überhaupt fahren. In den vergangenen Wochen haben sich Verspätungen und Zugausfälle immer mehr gehäuft. Bahn und Verkehrsverbund (VBB) hatten schon vor Monaten Verbesserungen angekündigt. Bisher ist nichts spürbar. Der Frust der Pendler, die auf die Züge angewiesen sind, steigt.

Allein von Freitag bis Montag sind zwölf Züge des RE 6 ganz ausgefallen oder nur auf einem Teil der Strecke gefahren. Mal musste die Strecke gesperrt werden, weil ein Zug mit kaputter Bremse stehen blieb, mal fiel die Sicherungs- und Leittechnik aus, mal haben sich Zugführer kurzfristig krank gemeldet und die Bahn konnte so schnell keinen Ersatz finden ...

Und selbst wenn Züge fahren, sind sie oft verspätet oder die Passagiere müssen sich drängeln, weil statt der geplanten zwei nur ein Triebwagen zur Verfügung steht.

Die Probleme auf dieser Strecke sind nicht neu, sie nehmen in den vergangenen Wochen aber noch einmal deutlich zu. Und auch wenn die Bahn es versucht – eine Lösung wird es wohl frühestens im August oder September geben.

Die Bahn entschuldigt sich für die vielen Pannen

Bernd Schniering gibt sich durchaus zerknirscht ob der Lage. Als Leiter der Produktion bei der DB Nordost ist er für den Einsatz der Triebwagen verantwortlich. Ihm sei sehr wohl bewusst, wie anstrengend die Situation für die Fahrgäste ist, sagt Schniering: „Das tut uns sehr leid. Wir können uns gar nicht oft genug dafür entschuldigen.“

Schniering und seine Kollegen in der Bahnwerkstatt in Neuruppin hatten gehofft, die Probleme viel früher in den Griff zu bekommen. Aber die technischen Schwierigkeiten sind offenbar viel größer als erwartet.

Hauptärgernis sind die Triebwagen der Baureihe 648, die die Bahn seit 2017 beim Prignitz-Express und bei der RB 55 zwischen Hennigsdorf und Kremmen einsetzt. Die neuen Triebwagen ersetzen die sogenannten GTW die seit 1997 auf der Strecke rollten.

Das Land hat andere Triebwagen für die Strecke gefordert

Bei der erneuten Ausschreibung der Strecken ab 2016 hatte das Land auf Zügen bestanden, die mehr Sitzplätze haben, vor allem aber mehr Platz für Radfahrer. Das haben die neue Triebwagen zwar – allerdings haben sie auch jede Menge Macken.

In der Neuruppiner Werkstatt der Deutschen Bahn werden alle Triebwagen für die Strecken des RE 6 und der RB 55 gewartet und repariert. Für die neuen Triebwagen wurde die Werkstatt extra aufwändig umgebaut Quelle: Peter Geisler

Die Ausfälle begannen schon, kurz nachdem die ersten Züge zwischen Berlin und Neuruppin fuhren. „Anfangs hatten wir gehofft, dass sich die Probleme auf bestimmte Komponenten eingrenzen lassen“, sagt Schniering. So wurden 2017 bei allen Triebwagen sämtliche Kühlwasserschläuche ersetzt. Doch das hat nur bedingt geholfen.

Immer wieder gehen andere Teile kaputt

Inzwischen sei klar: Die technischen Probleme ziehen sich durch alle Teile. Mal sind Motor oder Getriebe betroffen, mal die Bremsen, die Türen, die Elektronik, mal reißen die Scheiben wegen der Hitze. In jedem Führerhaus liegen inzwischen alubeschichtete Matten, wie man sie auf die Autoscheibe legen kann. Sie sollen die Elektronik vor der Sonne schützen.

14 Triebwagen soll die Bahn laut Vertrag mit dem Land auf der Strecke einsetzen. Darin sind zehn Prozent Reserve eingerechnet. Für Schniering ist klar: „Zehn Prozent Reserve sind nicht ausreichend.“ Seit Monaten versucht die Bahn, einen 15. Wagen als zusätzlichen Reserve zu bekommen. Doch als nach langer Suche endlich einer in Aussicht stand, war der kaputt.

Bernd Schniering ist Leiter der Produktion bei der DB Regio Nordost Quelle: Peter Geisler

Viele Fahrgäste wünschen sich inzwischen die alten Triebwagen zurück. „Ich kann das durchaus verstehen“, räumt Bernd Schniering ein. Doch die, die jetzt fahren, sind bestellt – und sie sollen weiter fahren, bis der Vertrag 2027 endet.

Für die RB 55 sollen bald wieder die alten Triebwagen fahren

Immerhin verspricht die Bahn ab August oder September mehr Sicherheit. Zurzeit verhandelt das Unternehmen mit dem Land, für die RB 55 von Kremmen bis Hennigsdorf wieder alte GTW einsetzen zu dürfen.

Die beiden VT 648, die dort derzeit fahren, stünden dann zusätzlich für den Prignitz-Express bereit. Diese Reserve sollte ausreichen, um auch die längeren und häufigeren Werkstattaufenthalte der Triebwagen auszugleichen, hofft Schniering. Die Kosten für diese beiden zusätzlichen Triebwagen zahlt die Bahn, sagt er.

Von Reyk Grunow

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