Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Neuruppin Bauern zeigen Billiglebensmittelpreisen die Rote Karte
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Bauern zeigen Billiglebensmittelpreisen die Rote Karte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
18:54 09.02.2020
Fleisch liegt in der Auslage in einem Supermarkt. Niedrige Preise locken die Käuferschaft trotz Tierwohldebatten. Quelle: Armin Weigel/dpa
Anzeige
Neuruppin

Neuruppin hat einen Preis verdient: den niedrigsten“, so heißt es auf dem großen Plakat vor einem Edeka-Markt in Neuruppin. Die Werbekampagne des Unternehmens zum 100. Geburtstag erzürnte bereits viele Landwirte im Westen Deutschlands. Im Januar protestierten 25 Landwirte vor einem Edeka-Plakat im havelländischen Berge bei Nauen und zeigten dem Unternehmen symbolisch die Rote Karte.

Die Landwirte sind empört darüber, dass das Unternehmen Lebensmittel verramsche, in einer Zeit, in der die Bauern massiv für die Wertschätzung ihrer Erzeugnisse auf die Straße gehen; in der die Grüne Woche entsprechend dem Konsumtrend mit Agrar-Direktvermarktern, Nachhaltigkeit und einem steigenden Trend zum kontrolliert biologischen Anbau wirbt.

Handel soll stärker in die Pflicht genommen werden

Für Ulrich Böhm vom Landesbauernverband Brandenburg ist das Werbeplakat ein Zeichen fehlender Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln. „Es gibt vieles womit man werben kann“, sagt er. „Zum Beispiel mit gentechnikfreien Produkten oder Regionalität. Doch jetzt – nach den Demonstrationen um faire Preise – mit diesem Plakat zu werben, das passt nicht zusammen.“ Die Brandenburger Landwirte sind nach Meinung des Landesbauernverbandes zu Recht massiv empört.

Edeka wirbt mit niedrigen Preisen Quelle: Cornelia Felsch

Und das sieht wohl mittlerweile auch die Kanzlerin so. Angela Merkel hatte in der vergangenen Woche den Einzelhandel und die Ernährungsindustrie zu einem Gespräch eingeladen. Der Handel soll nun stärker in die Pflicht genommen werden. Bundeskanzlerin Merkel sprach sich gegen staatlich festgesetzte Mindestpreise für Lebensmittel aus, aber für faire Beziehungen zwischen den Akteuren bei der Produktion von Lebensmitteln. Ein schwieriges Unterfangen, zumal die Einzelhandelsketten ihre Preisgestaltung verteidigen – mit dem Argument, dass sie auch für ärmere Menschen in Zukunft die Ernährung sicherstellen wollen.

„Für mich gibt es nur eine Richtung“, sagt der Wulkower Landwirt Sven Deter, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ostprignitz-Ruppin. „Man muss Produkten, die nicht nach den bei uns geforderten Standards produziert werden, den Zugang zum deutschen Markt verwehren. Tiere, die nicht so gehalten werden, wie es bei uns vorgeschrieben ist, sollten auch nicht nach Brandenburg eingeführt werden.“

Landwirte fordern faire Preise

Für die Landwirte sind hohe nationale und europäische Standards für Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung durchaus berechtigt, doch mit den Billigprodukten in den Regalen der Supermarktketten können es deutsche Produzenten nicht aufnehmen, da sie wesentlich höhere Kosten aufwenden müssen.

„Und hier sollen hochwertige Lebensmittel verschleudert werden, die mit viel Herzblut und unter hohen Standards produziert wurden“, sagt Lars Schmidt, Milchbauer im Nauener Ortsteil Lietzow und Vorstandsmitglied des Landesbauernverband angesichts der Edeka-Werbung. „Wir sind wütend darüber, dass Edeka zu seinem Jubiläum nicht mit der Qualität und dem Wert der Lebensmittel, sondern mit nichts als dem niedrigen Preis wirbt“. Zu der kleinen Demonstration hatte er auch Vertreter des Edeka-Unternehmens eingeladen. „Wir haben allerdings keine Reaktion bekommen.“

Die Brandenburger Bauern sind durchaus in der Lage, die Region und Berlin mit frischen Lebensmitteln und Bio-Produkten zu versorgen – da ist sich Sven Deter sicher. „Allerdings nur, wenn sie auch faire Preise bekommen“, sagt er. „Wer heute investiert, muss mindestens für 20 Jahre Planungssicherheit haben. Wenn nicht, wird sich kein Landwirt trauen, zu investieren.“

Anzahl der Milchkühe und Milchbauern ist rückläufig

Die Tatsache, dass immer mehr Tierhalter in Brandenburg aufgeben, anstatt zu investieren, bestätigt die Aussage des Rinderzüchters. Die Zahl der in Deutschland gehaltenen Rinder hat im vergangenen Jahr einen neuen historischen Tiefpunkt erreicht. In Brandenburg gab es den geringsten Bestand seit 1990. Auch die Anzahl der Milchkühe und Milchbauern ist rückläufig.

Die meisten Milchviehhalter gaben im Osten auf. Über einhundert Milchbauern haben in den vergangenen Jahren in Brandenburg das Handtuch geworfen. Die fallenden Milchpreise sorgten dafür, dass viele Agrarbetriebe rote Zahlen schrieben und die Reißleine ziehen mussten. Billige Milchprodukte in den Supermarktregalen sorgten dafür, dass Betriebe, die seit Jahrzehnten stolz waren auf ihre Milchkühe, die Tiere schließlich zum Schlachthof führten. Bei Milchpreisen von 32 bis 35 Cent kann kein Milchbauer kostendeckend produzieren.

Bauern haben kein Vertrauen in die Politik

Seit die Bauern nun zu Tausenden auf die Straße gehen, um dafür zu protestieren, dass ihre Arbeit mehr Wertschätzung erfährt, sind die Lebensmittelpreise zum Thema der Politiker geworden.

Doch das richtige Vertrauen scheint bei den Bauern noch nicht vorhanden zu sein. „Das, was auf der politischen Ebene passiert, ist doch nur ,Symbolpolitik’, sagt Lars Schmidt. Für ihn ist klar, dass die Bauern jetzt nach den vielen Demonstrationen handeln müssen und zwar gemeinsam mit anderen Interessensgruppen. „Jetzt fängt die harte Arbeit an“, sagt er. „Landesbauernverband und Initiativen wie „Land schafft Verbindung“ müssen zusammenarbeiten, schließlich sind wir nur ein kleiner Haufen in Brandenburg.“

Von Cornelia Felsch

Das Sturmtief Sabine hat bereits Auswirkungen auf Ostprignitz-Ruppin. So hat der Verkehrslandeplatz Kyritz den Flugbetrieb eingestellt. Die Feuerwehren und die Personennahverkehrsgesellschaft sind ebenfalls auf den Sturm eingestellt.

09.02.2020

Ein Motorradfahrer soll in Neuruppin versucht haben, einen Autofahrer kurz hintereinander zwei Mal auszubremsen. Beim zweiten Mal kam es zum Zusammenstoß. Der Motorradfahrer war offenbar sauer darüber, dass er Wischwasser abbekommen hatte.

09.02.2020

Vehement Widerstand leistete ein 41-jähriger Ruhestörer in Buskow bei Neuruppin. Sieben Polizisten waren nötig, um den Mann zu Boden zu bringen und in Gewahrsam zu nehmen.

09.02.2020