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Neuruppin So schützen Sie sich vor fiesen Betrügern
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin So schützen Sie sich vor fiesen Betrügern
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00:18 25.12.2018
Die Betrugsexperten der Polizeidirektion Nord sitzen in Oranienburg, sind aber auch für Ostprignitz-Ruppin und die Prignitz zuständig.
Die Betrugsexperten der Polizeidirektion Nord sitzen in Oranienburg, sind aber auch für Ostprignitz-Ruppin und die Prignitz zuständig. Quelle: Christian Bark
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Neuruppin

Betrüger und Verbrecher haben in Zeiten moderner Kommunikationsmedien weitaus vielseitigere Möglichkeiten, andere Menschen zu schädigen. „Die technische Möglichkeiten sind heute viel größer als noch vor 20 Jahren“, sagt Karsten Tetz, Kriminalhauptkommissar bei der Polizeidirektion Nord in Oranienburg.

Mit seinem Kollegen Mario Menne kümmert er sich seit diesem Jahr um besondere Eigentumsdelikte. Erfahrungen auf dem Gebiet haben die beiden Kripobeamten schon seit 30 Jahren.

Entsprechend beobachten sie, wie die Betrügerbanden immer raffinierter handeln. „Bei Banden sprechen wir von mindestens drei dauerhaft agierenden Personen“, erklärt Mario Menne. Das Telefon dient schon seit Jahren als wichtigstes Mittel für ihre Betrugsmaschen. In Verbindung mit Internettelefonie ergeben sich zudem große Manipulationsmöglichkeiten bei folgenden Betrugsmaschen.

Ein Klassiker: Der Enkeltrick

Oma, bist Du das – rate mal, wer hier ist? – gerade Ältere werden oft am Telefon von Betrügern belästigt, die deren Verunsicherung ausnutzen. Quelle: dpa-tmn

Und so schützen Sie sich davor

Bei Sätzen wie „Rate mal, wer hier ist“, sollten Angerufene sofort stutzig werden. Bloß nicht zurückfragen: „Robert, bis Du das etwa, mein Junge?“ Besser stellt man sich komplett ahnungslos. Und stellt am besten Fragen, die nur der echte Enkel beantworten könnte.

Niemals Geld an Fremde übergeben – denn zum Enkeltrick gehört, dass der „Enkel“ ganz plötzlich verhindert ist, und deshalb einen ganz „lieben Bekannten“ vorbeischicken will. Alle Instruktionen laufen dann über das Telefon. Oft rufen die Täter im Zehn-Minuten-Takt an.

Oft fordern die Täter sehr hohe Summen. Wegen des angeblichen Kaufs eines neuen Autos oder Investitionsgeschäften verlangen die Täter häufig mehrere tausend Euro, die das Opfer in kürzester Zeit zur Verfügung stellen soll. „Wir sind auch überrascht, wie viel Bargeld die Leute teilweise zu Hause haben“, sagt Mario Menne.

Falsche Polizeibeamte am Telefon

Die echte Polizei ruft nie einfach so an und holt vor allem keine Wertgegenstände von Leuten ab. Quelle: dpa

Eine Masche sei dann die Behauptung, dass die Beamten bei einem festgenommenen Bandenmitglied einen Zettel mit der Adresse des Opfers gefunden hätten. „Haben Sie Wertsachen oder viel Bargeld zu Hause“, laute dann die Frage. Die „Polizei“ biete dann an, die Sachen abzuholen und sicher zu verwahren. Eine andere Methode sei das Vortäuschen eines Unfalls, in dem ein Bekannter der Familie verwickelt ist. Dann soll das Opfer für Reparatur oder ähnliches auslegen, wie jüngst in Oberhavel geschehen.

Und so schützen Sie sich davor

Immer misstrauisch sein – die echte Polizei ruft nicht einfach an. Niemals an Fremde Informationen weitergeben, ob und wieviel Bargeld oder Wertgegenstände man im Haus hat. Niemals an vermeintliche Beamte etwas aushändigen – so würde die echte Polizei nie vorgehen.

Gewinnversprechen

Nach wie vor gibt es die Gewinnversprechen, die über das Telefon erfolgen. So müssten Opfer für einen Millionengewinn lediglich eine geringe „Verwaltungsgebühr“ von 10 000 Euro zahlen. „Das Geld wird immer häufiger in Form von Gutscheincodes, zum Beispiel fürs Tanken, verlangt“, erklärt Mario Menne. Diese Betrugsmasche betreffe nicht nur ältere Mitbürger, auch zunehmend jüngere.

Und so schützen Sie sich davor

Nichts glauben! Bei seriösen Gewinnspielen werden grundsätzlich keine Gebühren verlangt, bevor der Gewinn ausgereicht wird. Gutscheincodes zu kaufen, ist generell keine gute Idee, die sind fast immer gefälscht.

Erpressersoftware verschlüsselt wichtige Daten

Die Fallen lauern immer öfter im Internet, denn dort können die Täter unerkannt bleiben. Quelle: Fotohansel

Zunächst müssen sich die Täter Zugang zum Computer oder mobilen Endgerät des Opfers verschaffen. Das kann laut Karsten Tetz der „Microsoft-Mitarbeiter“ sein, der telefonisch eine Wartung des Systems anbietet. Hat er erst Zugriff, spielt er heimlich Viren rauf und fordert Geld für die Wartung.

Noch schlimmer werde es bei der Installation einer Erpressersoftware. Die befinden sich oft im Anhang von E-Mails, die wie echte wirken. Zudem sei es heute möglich, tatsächlich existierende Mail-Adressen nachzuahmen. Ist die Schadsoftware einmal geöffnet, haben die Täter Zugriff auf den Computer oder bei Unternehmen sogar auf ein ganzes Netzwerk.

Wittstocker Firma wurde schon Opfer

So geschehen in der vergangenen Woche in einem Unternehmen aus Wittstock, wo offenbar der Hauptserver verschlüsselt wurde. In der Mail forderte der Erpresser auf, einen Code mit Bitcoins im Wert von mehreren Tausend Euro zu erwerben. Die Firma zahlte nicht und beauftragte stattdessen eine Fachfirma, die den Server instand setzte. Durch den Ausfall des Rechners entstand dem Unternehmen Sachschaden in Höhe von mehreren Tausend Euro.

Dass Kryptowährungen wie Bitcoins gefordert werden, nehme in den Fällen immer mehr zu. „Wir raten den Betroffenen, nicht zu zahlen“, betont der Kriminalhauptkommissar. Zumal nicht sicher sei, ob die Täter die Verschlüsselung danach überhaupt rückgängig machen würden. Außerdem agieren die Täter oft aus dem Ausland, was eine Nachverfolgung schwierig bis unmöglich mache. Auch Spezialisten können in solchen Fällen die Daten nur schwer entschlüsseln.

Und so schützen Sie sich davor

Niemals auf unbekannte Links klicken – so öffnet man den Hackern oft Tür und Tor. E-Mail-Anhänge nie öffnen, wenn sie einem seltsam vorkommen. Am besten regelmäßig Backups vorzunehmen – also alle Daten vom Computer auf einer externen Festplatte oder einem anderen Speichermedium sichern. Dann läuft die Erpressung mit dem gesperrten PC ins Leere.

Hackerangriff auf digitale Konten

Passwörter sollten regelmäßig geändert werden. Quelle: Gina Sanders - Fotolia

„Wir beobachten tatsächlich einen Rückgang von Einbruchsdiebstählen, verzeichnen diese aber immer häufiger im digitalen Bereich“, sagt der Kriminalhauptkommissar.

Und so schützen Sie sich davor

Auch hier gilt: Niemals dem Link folgen – so kommen die Hacker erst auf den Rechner und können Schadsoftware aufspielen oder Daten erbeuten. Nicht für alle wichtigen Konten dasselbe Passwort verwenden. Passwörter nicht zu einfach machen, immer auch Zahlen, Großbuchstaben und Sonderzeichen verwenden. Das Passwort regelmäßig ändern.

Erpressung mit Nacktfotos

Beim Online-Chatten spontan verliebt? Wer’s glaubt,.... Quelle: dpa

Eine weitere Form der digitalen Erpressung trifft die Opfer weitaus persönlicher. Dann nehmen die Täter Kontakt in Sozialen Netzwerken oder Chats zu den Opfern auf.

Ist erst der Kontakt hergestellt, wir es rasch intimer. „Dann zieht sich die oder der Gegenüber vor der Webcam im Videochat aus und fordert das Opfer auf, zu masturbieren“, beschreibt Karsten Tetz eine der Betrugsmaschen. Danach werde dann gedroht, den Mitschnitt an sämtliche Facebookfreunde zu versenden, wenn nicht gezahlt wird

Und so schützen Sie sich davor

In sozialen Netzwerken gegenüber Unbekannten nichts zu Persönliches preisgeben. Auf Avancen oder Annäherungsversuche von Fremden nicht eingehen. Und wenn dann doch der Erpressungversuch kommt: Nicht zahlen, sondern zur Polizei gehen.

Von Christian Bark