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Neuruppin Zu wenig Platz für führerscheinfreies Bootsfahren im Ruppiner Seenland
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Zu wenig Platz für führerscheinfreies Bootsfahren im Ruppiner Seenland
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00:19 26.03.2019
„Das Gebiet ist einfach zu klein“: Bootsvermieter Christoph Wulschke und Frank Kindt (r.)
„Das Gebiet ist einfach zu klein“: Bootsvermieter Christoph Wulschke und Frank Kindt (r.) Quelle: Frauke Herweg
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Neuruppin/Lindow

Neuruppiner Stadtansicht, romantische Ufer – das Charterscheinrevier zwischen Altfriesack und Lindow ist wunderschön. Vermieter von Booten, die ohne Führerschein gefahren werden dürfen, beklagen dennoch zu geringe Buchungszahlen.

„Das Gebiet ist einfach zu klein“, sagt Frank Kindt, der in Neuruppin führerscheinfreie Yachten verchartert. An nur einem Tag kann man das Revier durchfahren. Für Freizeitkapitäne ist das uninteressant.

Charterer fühlen sich benachteiligt

„Das ist eine berufliche Benachteiligung“, sagt Kindt. Seit Langem schon bemüht er sich darum, dass das Revier bis nach Oranienburg erweitert wird. Kunden hätten dann noch ein weiteres attraktives Ziel – das Oranienburger Schloss. Bislang jedoch sind seine Bemühungen erfolglos.

Für Kindt könnte das dramatische Folgen haben. Das französische Unternehmen Nicols, in dessen Auftrag Kindt die Boote verchartert, will eine der fünf in Neuruppin stationierten Yachten im April nach Holland überführen. Die Buchungszahlen waren einfach zu schlecht.

Vermieter fürchtet die Schließung der Neuruppiner Basis

Kindt befürchtet, dass die Franzosen die Neuruppiner Basis ganz schließen könnten. „Um uns wettbewerbsfähig zu halten, brauchen wir einfach ein größeres Revier.“

Der Geschäftsführer des Lindower Yachthafens Christoph Wulschke sieht das ähnlich. Zwar sind diejenigen, die ein Floss bei Wulschke mieten, mit dem Revier durchaus zufrieden. Wer eine längere Tour mit Charterschein machen möchte, bucht jedoch oft woanders. „Für die sind wir einfach nicht attraktiv.“

An der Schleuse Altfriesack. Quelle: ZB

Warum Charterboote, die sich auch ohne Führerschein fahren lassen, nicht auf den Gewässern zwischen Altfriesack und Oranienburg unterwegs sein dürfen, ist schwer zu ergründen.

„Die genauen Entscheidungsgründe können hier so schnell nicht mehr nachvollzogen werden“, teilt der Sprecher des Infrastrukturministeriums Steffen Streu mit. Weitere Auskünfte gibt auch das Landesamt für Bauen und Verkehr nicht.

Wunsch: Führerscheinfrei Boot fahren bis Oranienburg

Aus Sicht der Bootsvermieter spricht nichts gegen die Vergrößerung des Reviers. Zwar haben sie von Behördenseite gehört, dass zunächst der Ruppiner Kanal saniert werden müsse, um diesen Streckenabschnitt in Richtung Oranienburg für Hobbykapitäne ohne Führerschein freizugeben.

Doch wollen sie dieses Argument nicht gelten lassen. Gesperrt ist der Kanal schließlich nicht. „Meine Boote haben einen Tiefgang von nur 65 Zentimetern“, sagt Kindt. Sie könnten ohne Probleme den Kanal passieren.

Der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Ruppiner Seenland Peter Krause findet deshalb klare Worte für die Begrenzung des Reviers. „Das ist unnötiges Drangsalieren von Unternehmen“, sagt er. „Mir fallen keine Argumente ein, dieses Revier nicht zu erweitern.“

Tourismusverband will Erweiterung des Reviers

Als ehrenamtlicher Geschäftsführer des Landestourismusverbandes hat sich Krause bei den Landesbehörden um eine Erweiterung des Reviers bemüht. Erfolglos. Derzeit sei das Revier nur für Urlauber, die kürzere Touren machten, interessant.

Für Anbieter von führerscheinfreien Charteryachten sei das Revier jedoch deutlich zu klein. „Damit werden Investitionen ausgebremst“, sagt er. „Für Neuinvestitionen ist das Revier nicht interessant.“

Auch die Wasserinitiative Nordbrandenburg fordert Erweiterung

Die Wassertourismus Initiative Nordbrandenburg (Win), die führerscheinfreies Fahren auf einem Wasserstraßennetz von 345 Kilometern ermöglichen will, fordert auch ein größeres Revier. Bis zur Saison 2021 soll der Neubau der bei Oranienburg gelegenen Schleuse Friedenthal abgeschlossen sein.

Spätestens bis zu diesem wichtigen Anschluss des Ruppiner Kanals ans Oranienburger Zentrum müsse es eine Erweiterung geben, sagt die Leiterin des Hennigsdorfer Win-Büros Julia Pollok. „Das ist das absolut fehlende Puzzleteil.“

Pollok hat wenig Hoffnung, dass sich eine Erweiterung des Reviers schnell – schon in dieser Saison – durchsetzen lässt. Für den Neuruppiner Bootsvermieter Kindt drängt jedoch die Zeit. Der französische Eigentümer seiner Boote soll sich schon nach anderen interessanten Basen umgeschaut haben.

Von Frauke Herweg