Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Neuruppin Artenvielfalt: Nabu fordert naturverträgliche Energiewende im Ruppiner Land
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Artenvielfalt: Nabu fordert naturverträgliche Energiewende im Ruppiner Land
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:05 07.12.2019
Wildgänse fliegen vor den sich drehenden Rotorblättern eines Windrades vorbei – ein großes Risiko, das tödlich enden kann. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Neuruppin

Das Land Brandenburg war bisher führend beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Nun hat es seinen Spitzenplatz eingebüßt. Aus der jüngst veröffentlichten Bundesländer-Vergleichsstudie 2019 geht hervor, dass Brandenburg in das Mittelfeld abgerutscht ist und nur noch auf Platz sechs steht.

Die Zahl der genehmigten Windkraftanlagen ging in den vergangenen Jahren zurück – auch auf Grund von Bürgerprotesten. Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss also auch in der Bevölkerung auf Akzeptanz stoßen. Die Meinungen sind allerdings geteilt.

Vogelexkursion mit Bernd Ewert (l.) im Gutspark Netzeband. Quelle: Cornelia Felsch

Der Naturschutzbund (Nabu) appelliert an die Entscheidungsträger, den Klimaschutz nicht auf Kosten von Arten und Lebensräumen voran zu treiben. „Der Energiebedarf der Zukunft kann nicht in Gänze mit Windkraft- und Solaranlagen befriedigt werden“, meint der Vorsitzende des Nabu-Kreisverbands Neuruppin, Bernd Ewert.

„Sensible Standorte oft nicht ausreichend bewertet“

„Oberstes Ziel muss sein, den Energiebedarf zu senken und Ressourcen zu schonen.“ Der Naturschutzbund befürwortet durchaus den Ausbau der Windkraft – sowohl an Land, als auch auf dem Meer. Allerdings müsse dies naturverträglich geschehen. Eine vernünftige Risikoabschätzung ist nach Ansicht der Naturschützer unbedingt erforderlich. So sollten Windkraftanlagen an Seen, Feuchtgebieten und Wäldern möglichst vermieden werden.

Schon bevor die Anlagen in Betrieb gehen, werden dort Bodenflächen durch Versorgungstrassen für die Baustellen in Mitleidenschaft gezogen. „Ganz zu schweigen von riesigen Betonfundamenten, die nach Ablauf der Betriebsdauer niemand mehr aus dem Boden holt“, sagt Bernd Ewert. „Leider werden sensible Standorte oftmals nicht ausreichend bewertet – trotz der guten Arbeit der Regionalen Planungsgemeinschaften. Einmal erstellte Bescheide lassen sich dann oft nur noch kräftezehrend auf juristischem Wege korrigieren.“

Vor allem bedrohte Arten sind betroffen

Brutstätten, Nahrungs- und Rastgebiete sowie Zugkorridore müssen bei der Planung ausreichend berücksichtigt werden. Das „Neue Helgoländer Papier“ spiegelt den neuesten Stand der Forschung zur Gefährdung von Vögeln durch Windkraftanlagen wider. Es enthält die aktualisierte Version der Abstandsempfehlungen.

Betroffen sind vor allem Arten, deren Bestände akut bedroht sind, wie Rotmilan und Schreiadler. „Schon der Verlust weniger Individuen wirkt sich spürbar auf die Bestandsentwicklung aus“, sagt Bernd Ewert. Der Verlust an kleineren Vögeln ist oft nicht mehr nachweisbar.

Lesen Sie auch: Mehr als 63.000 Brandenburger unterschreiben für mehr Artenvielfalt

Der Vogelwelt geht es insgesamt schlecht

Doch auch unabhängig von den Windrädern geht es der Masse der Vogelwelt nicht sehr gut. Der Artenrückgang findet schleichend, aber stetig statt – von vielen Menschen leider kaum wahrgenommen. Ehemals verbreitete Arten, wie Schwalben, Lerchen, Ammern, Bekassine und Kiebitz werden immer seltener, auf den Feldern ist es still geworden.

Ihr Verschwinden führt der Vogelexperte auf verschiedene Ursachen zurück, doch fast immer ist es die Lebensweise des Menschen, die den Tieren zu schaffen macht: Verkehr, Zersiedelung und der enorme Landschaftsverbrauch steigen unaufhörlich. Ausgeräumte Landschaften, Pestizide und der Rückgang von Nahrung schwächen die Populationen. Aber auch freilaufende Katzen und in jüngster Zeit eingewanderte Neozoen sind zur Gefahr geworden.

Abstandsregelungen zu Windkraftanlagen

Das „Neue Helgoländer Papier“ berücksichtigt aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse von Experten der deutschen Vogelwarten und Vogelschutzwarten. Bereits 2007 wurden Abstandsregelungen zu Windkraftanlagen veröffentlicht („Helgoländer Papier“), die 2014 auf Grund steigender Anlagen-Zahlen nochmals aktualisiert werden mussten.

Darin sind Abständezu bedeutenden Vogel-Lebensräumen aber auch empfohlene Mindestabstände zu Brutplätzen sensibler Vogelarten aufgeführt: Für den Schreiadler werden 6000 Meter angegeben, für den Seeadler 3000 Meter und für den Rotmilan 1500 Meter.

In Deutschlandgibt es drei Vogelwarten – auf Hiddensee, Helgoland und in Radolfzell – sowie staatliche Vogelschutzwarten auf Länderebene. Im Land Brandenburg befindet sich die staatliche Vogelschutzwarte in Nennhausen, Ortsteil Buckow.

Die staatliche Vogelschutzwartein Brandenburg führt seit 2002 die zentrale Funddatei über Anflugopfer an Windkraftanlagen (Schlagopferdatei).

„Die schleichende Entwicklung nehmen viele Menschen nicht wahr – deren Ergebnis tritt aber immer deutlicher zu Tage“, sagt Bernd Ewert. Eines der besten Beispiele sind die „Gärten des Grauens“, die in Deutschland immer beliebter werden, während junge Menschen auf der Straße für eine bessere Umwelt demonstrieren.

Lesen Sie auch: Vogelexperte fürchtet um Artenvielfalt in der Region Teltow-Fläming

Die Gärten, die wenige oder gar keine Pflanzen enthalten, sind gekennzeichnet durch viele Steine und wenig Leben. „Mit artenarmen, naturfernen und monotonen Garten- und Hausgrundstücken tragen die Menschen ebenfalls zum Artenrückgang bei“, sagt der Naturschützer. Das Buch von Rachel Carson, „Der stumme Frühling“, sei leider aktueller denn je.

Von Cornelia Felsch

Bei Landwirten Förstern und Jägern ist jetzt höchste Aufmerksamkeit geboten. Gefundene Wildschweine müssen möglichst schnell gemeldet und beprobt werden, um den Ausbruch der Krankheit in Brandenburg zu verhindern.

07.12.2019

Bei Landwirten Förstern und Jägern ist jetzt höchste Aufmerksamkeit geboten. Gefundene Wildschweine müssen möglichst schnell gemeldet und beprobt werden, um den Ausbruch der Krankheit in Brandenburg zu verhindern.

07.12.2019

Obwohl seit Jahren gefordert, gibt es in Ostprignitz-Ruppin immer noch keinen Ombudsmann, der bei Streitfällen zwischen Jobcenter und Betroffenen vermitteln könnte. Beim Kreistag sollte so ein Streitschlichter ernannt werden, doch es kam anders.

06.12.2019