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Neuruppin Fontanes Frust über Richard Wagner
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Fontanes Frust über Richard Wagner
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14:35 29.09.2019
Dirigent Peter Gülke bringt sein Orchester einfühlsam zur Hochform. Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Mit einem Sinfoniekonzert ging am Freitagabend in der Kulturkirche die spannende Woche zu Ende, in der die Brandenburger Symphoniker Neuruppin mit diversen Konzerten beglückten. Unter dem Projekt-Motto „Reach“ – erreichen – touren die Musiker durch ländliche Regionen, um den Menschen dort die Möglichkeit zu geben, hochwertige Musikangebote zu erleben.

Für Neuruppin als Kulturstadt sind Hochkaräter-Konzerte an und für sich keine Seltenheit – bei den Sinfoniekonzerten des Musikvereins ist der Saal stets voll. Umso überraschender – und auch ein Stück weit beschämend für eine Kulturstadt – ist die Tatsache, dass am Freitag, obschon bekannte Komponisten auf dem Programm standen, weit weniger Klassikfans als sonst im Konzert waren. Die jedoch bekamen etwas ganz Besonderes zu hören.

Fontane hatte mit Musik nichts am Hut

Dirigent Peter Gülke eröffnet mit Worten: Am Ende einer schönen Woche, sagt er, komme man in eine kleine Verlegenheit: „Wie kann man ein Gastspiel im Fontanejahr in der Fontanestadt geben, ohne einen Bezug zu Fontane?“ Nun sei ja allgemein bekannt, dass der ansonsten vielseitig interessierte Dichter mit der Musik rein gar nix am Hut hatte.

Dirigent Peter Gülke liest aus Fontane-Briefen über Richard Wagner. Quelle: Regine Buddeke

Aber: Er war ein einziges Mal in Bayreuth. Darüber liest Gülke aus Fontanes Briefwechsel. Fontane habe, so erfährt man, nach der Parsifal-Ouvertüre das Festspielhaus verlassen, noch bevor die eigentliche Handlung beginnt und überhaupt ein Wort gesungen war.

„Und dann geht ein Tubablasen los, als wären es die Posaunen des letzten Gerichts. Mir wird immer sonderbarer und als die Ouvertüre zu Ende geht, fühle ich deutlich, ‘noch 3 Minuten und Du fällst ohnmächtig oder todt vom Sitz!’ Also wieder ’raus. ... Ich war halb ohnmächtig, aber ich that so, als ob ich’ s ganz wäre, denn die Sache genirte mich aufs äußerste. Gott sei Dank, wurde mir auf mein Pochen die Thüre geöffnet und als ich draußen war, erfüllte mich Preis und Dank.“ So schrieb Fontane.

Großartiger Klangkörper

Wagner war ihm suspekt: „Überall zappeln ... allerniedrigste Triebe, die dadurch so widerwärtig wirken, dass man Richard Wagner immer persönlich mitzappeln sieht“, schrieb er nach eingehender und ratloser Lektüre der Wagnerschen Libretti und beklagt „furchtbare Mengen an Quasselei“ und „totaler Mangel an Witz und Humor“.

Damit ist der Bogen geschlagen zum ersten Stück: Wagners „Siegfried-Idyll“. „Ein lyrisches Stück, das Fontane womöglich mit Wagner versöhnt hätte“, sagt Peter Gülke und hebt den Taktstock. Die großartige Musik – lyrisch-getragen und dennoch in wagnerianischer Wucht – ergießt sich wie ein Meer in den Saal.

Die Brandenburger Symphoniker spielen ein Sinfoniekonzert mit Wagner, Bach und Tschaikowski in der Kulturkirche von Neuruppin. Quelle: Regine Buddeke

Feinsinnig dirigiert Gülke die grandiosen Musiker, die mit unverwechselbarem Klang weltweit unterwegs sind. Nicht umsonst gehört das bereits 1810 gegründete Orchester zu den prägenden kulturellen Einrichtungen des Landes.

Es folgt Bachs Doppelkonzert für Oboe und Violine. Raguel Ott und Andreas Preißer verstricken sich in einem wunderbaren Wechselspiel, das Orchester malt mal zart, mal stark dazu – ein Stück, das keine Wünsche offen lässt – außer vielleicht dem, dass es noch mehr Sätze hätte.

Bachs Doppelkonzert für Oboe und Violine: Andreas Preißer, Peter Gülke, Raguel Ott (v.l.) Quelle: Regine Buddeke

„Es war eine tolle Woche – wir haben uns hier total wohlgefühlt, haben viele nette, offene Neuruppiner getroffen, die in unseren Konzerten glücklich waren.“, sagt Projektkoordinatorin Jacqueline Sahm. „Schön, dass wir zum Abschluss in dieser wunderbaren Kirche spielen dürfen.“ „War ne superschöne Woche“, sagt auch Trompeter Andreas Weltzer. „Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr den Saal vollbekommen.“

Nach der Pause das große Finale: Tschaikowskis h-Moll-Sinfonie „Pathétique“ steht Wagners Wucht in nichts nach. Es ist das letzte Werk des großen Russen, er dirigierte die Uraufführung selbst – neun Tage vor seinem Tod. Ein düsteres Adagio – mit viel Fagott und tiefen Blechbläsern – lässt die Seele schauern, Erregung kommt auf, Pauken und Kontrabässe wummern mahnend – eine Totenmesse wird zitiert, ein Choral.

Die Brandenburger Symphoniker wurden bereits 1810 gegründet. Quelle: Regine Buddeke

Der zweite Satz lässt aufatmen und entspannen, bevor der dritte als Marsch immer mehr Fahrt aufnimmt bis zum energisch-furiosen Rausch, der sich in einer Wucht entlädt, der den Atem stocken lässt. Kaum zu glauben, dass danach noch ein vierter Satz folgt. Und sehr ungewöhnlich, nach solch fulminanten Klängen noch einen langsamen Satz nachzuschieben: ein choralartiges, tiefes Motiv in Moll, das an ein Requiem erinnert. Der Saal ist ergriffen – am Ende gibt es stehenden Applaus für diese absolut überwältigende Darbietung.

Tolles Ambiente: Die Brandenburger Symphoniker in der Kulturkirche Neuruppin. Quelle: Regine Buddeke

Von Regine Buddeke

Mais la musique ist das Motto des Konzerts mit dem Bläserquintett der Brandenburger Symphoniker: Mit Ravel, Taffanel, Milhaud und Bizet frönten die Musiker schwelgerisch-virtuos in französischer Musik.

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