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Neuruppin Brexit: Hoffen auf die Übergangsfristen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Brexit: Hoffen auf die Übergangsfristen
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17:13 15.01.2020
Die Kartzfehn Putenfarm bezieht das Gros ihrer Bruteier von einem Lieferanten aus England, der inzwischen mehr Farmen auf dem Festland hat. Quelle: Fotos (2): Geisler
Neuruppin/Heiligengrabe

Beinahe wäre die Putenfarm Kartzfehn, die zwölf Standorte mit mehr als 220 Mitarbeitern in Ostprignitz-Ruppin hat, an den britischen Branchenriesen Aviagen Turkeys gegangen. Doch nahezu in letzter Minute scheiterte der Verkauf, obwohl ein Vertrag schon unterzeichnet war. Das ist knapp zwei Jahre her.

Das Gros der Bruteier kommt aus England

Dass sich Kartzfehn dennoch weiter intensiv mit den Beziehungen zur britischen Insel beschäftigt, liegt vor allem am Brexit, der wohl nun nach monatelangem Hin und Her mit der Regierung von Boris Johnson Ende des Monats über die Bühne gehen wird. Für Kartzfehn ist das insofern von größerem Interesse, weil das 1922 in Bösel in Niedersachsen gegründete Unternehmen, das 1991 den Märkischen Putenbetrieb Neuglienicke übernahm, das Gros seiner Bruteier aus England erhält. Diese Zusammenarbeit gibt es bereits seit mehr als 50 Jahren.

„Wir sind relativ gut auf den Brexit vorbereitet“, sagt Unternehmenssprecher Thorsten Mahlstedt. So habe der Lieferant der Bruteier inzwischen mehr Farmen als früher auf dem europäischen Festland. Damit wäre Kartzfehn, der sich als größter unabhängiger Putenvermehrer in Europa versteht, kaum von den Zollbestimmungen betroffen, die nach dem offiziellen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) in Kraft treten.

Der Aufwand wird größer

Zudem erwartet Mahlstedt, dass Kartzfehn die bereits zwischen der EU und Großbritannien vereinbarten Übergangsfristen nutzen kann, da beim Zoll bis Anfang Februar sicher noch nicht die notwendigen Kapazitäten aufgebaut sein werden, um die dann vorgeschriebenen Kontrollen der Waren auch umsetzen zu können. Kartzfehn wird derzeit im Schnitt alle drei bis vier Wochen mit Bruteiern beliefert. Die Übergangsfristen sollen nach jetzigem Stand bis Ende Dezember 2020 gelten.

„Der Aufwand, mit den Briten Geschäfte zu machen, wird größer“, sagt auch Hendrik Hecht, der Geschäftsführer von Swiss Krono in Heiligengrabe. Das ärgert Hecht deshalb, weil das 1897 bei Salzburg in Österreich gegründete Unternehmen, das seit 1992 ein Werk in Heiligengrabe hat und dort mit inzwischen rund 800 Mitarbeitern Laminatfußböden, Faser- und sogenannte OSB-Platten produziert, seit Längerem recht gut mit der Baumarktbranche in Großbritannien arbeitet. „Das ist schon substantiell“, so Hecht. Deshalb gebe es auch einen „internen Plan“, wie das Unternehmen den Brexit möglichst ohne große Einschnitte meistern kann. „Wir werden vielleicht ein, zwei Tage mit Lieferungen aussetzen, um keine Zollbestimmungen zu verletzen“, so Hecht.

Gebaut wird weiterhin

Ansonsten rechnet der Geschäftsführer mit keinen großen Auswirkungen. „Wir haben eh schon viele Vertragspartner außerhalb der Europäischen Union.“ Dort gelten andere Zollbestimmungen als innerhalb der EU.

„Gebaut wird weiterhin“, sagt ebenfalls Stefanie Bullinger, Geschäftsführerin der Holzwerke Bullinger. Das 1913 in Baden-Württemberg gegründete Unternehmen hat 1993 das damalige Häuserwerk in Werder vor den Toren Neuruppins übernommen und produziert dort seitdem Brettschicht- und Konstruktionsholz.

Kein neuer Käufer für Putenfarm

„Unsere Kunden sind jetzt schon lange auf den Brexit vorbereitet und haben sich darauf eingestellt“, sagt Bullinger. Die Geschäftsfrau geht deshalb davon aus, dass „die Wirtschaft längst viel weiter ist als die Politik“. Probleme erwartet Bullinger höchstens für eine kurze Zeit nach dem eigentlichen Brexit im Februar. Aber auch das beunruhigt die Geschäftsführerin nicht sonderlich – vermutlich weil das Unternehmen auf dem internationalen Markt breit genug aufgestellt ist und die Baubranche derzeit nahezu überall boomt.

Völlig offen ist hingegen, ob die Putenfarm Kartzfehn nach dem Abbruch der Verkaufsgespräche mit Aviagen Turkey nach einem neuen Käufer für das Unternehmen sucht. Dazu gebe es keinen neuen Stand, sagte am Mittwoch eine Sprecherin.

Von Andreas Vogel

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