Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Neuruppin Busfahrer soll Kind bei Minusgraden vor die Tür gesetzt haben
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Busfahrer soll Kind bei Minusgraden vor die Tür gesetzt haben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 26.01.2019
Von der Flüchtlingsunterkunft fährt der Bus der Stadtlinie bis nach Fehrbellin weiter – mit neuen Schildern.
Von der Flüchtlingsunterkunft fährt der Bus der Stadtlinie bis nach Fehrbellin weiter – mit neuen Schildern. Quelle: Christian Schmettow
Anzeige
Neuruppin

Ein Busfahrer der Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft soll am Dienstagabend einen Neunjährigen an der Treskower Flüchtlingsunterkunft vor die Tür gesetzt haben. So schildert es zumindest der wütende Vater. Bei Minusgraden habe sein Sohn anschließend durch die Dunkelheit laufen müssen. „Das macht mich fassungslos“, sagt Franco Poock.

In der Erich-Dieckhoff-Straße war sein Sohn in die Stadtlinie eingestiegen. Wie an anderen Tagen auch wollte er mit dem Bus, der an der Flüchtlingsunterkunft neue Schilder bekommt, nach Fehrbellin weiter fahren. An der Flüchtlingsunterkunft endete die Fahrt für den Neunjährigen jedoch.

Ausgekühlt und unter Tränen

Jemand habe den Knopf gedrückt, um dort auszusteigen, sagt Poock. Als der Busfahrer niemanden habe aussteigen sehen und sein Sohn sitzen geblieben sei, habe sich der Fahrer provoziert gefühlt. Der Neunjährige musste den Bus nach Angaben Poocks verlassen. „Ausgekühlt und unter Tränen lief er zurück.“

Poock ist selber Busfahrer. „Man setzt doch kein Kind vor die Tür“, sagt er. „Das wird jedem Fahrer in Schulungen eingebläut.“ Am Tag nach dem Vorfall habe sein Sohn Angst gehabt, wieder in den Bus zu steigen.

Busgesellschaft: Kein Rauswurf

Für die Busgesellschaft stellt sich der Fall nach ersten Recherchen ganz anders da. „Der Fahrer hat keinen des Busses verwiesen“, sagt der Neuruppiner ORP-Niederlassungsleiter Henri Kmoschek. Nachdem der Aussteige-Knopf gedrückt worden und der Junge und ein Freund sitzengeblieben seien, habe der Fahrer lediglich die Türen geöffnet. „Wer drückt, will bestimmt auch aussteigen“, soll er dazu gesagt haben. Die Jungen verließen daraufhin den Bus.

Kmoschek will jetzt prüfen, ob der Bus mit einer Kamera ausgestattet war. Sollte es Videoaufzeichnungen geben, ließen sich die Minuten, in denen der Bus vor der Flüchtlingsunterkunft hielt, noch weiter untersuchen. „Wir gehen dem auf jeden Fall nach“, kündigt Kmoschek an.

Alle drei Monate Schulungen

Die Fahrer der ORP nehmen alle drei Monate an Schulungen teil. Darin würden die Fahrer auch im Umgang mit Fahrgästen unterrichtet, sagt Kmoschek. Zwar dürfen Fahrer Gäste prinzipiell des Busses verweisen. Ohne Absprache dürfen sie diese Entscheidung jedoch nicht fällen. „Bevor ich jemanden des Busses verweise, muss ich immer erst die Einsatzleitung informieren.“

Franco Poocks Sohn kam am Dienstagabend im Auto seiner Eltern zurück nach Hause. Nachdem er den Bus verlassen hatte, war der Neunjährige zurück in die Einrichtung gelaufen, die er besucht. Von dort rief jemand die Eltern an und bat sie den Jungen abzuholen. „Nicht auszudenken, wenn dort niemand mehr gewesen wäre“, sagt Poock. Dann wäre sein Sohn allein durch die Dunkelheit geirrt.

 

Von Frauke Herweg

Neuruppin Studieren an der MHB Theodor Fontane - Wie es sich als Student in Neuruppin lebt
26.01.2019
26.01.2019