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Neuruppin Carmen Maja Antoni und Robert Rauh stellen in Neuruppin „Fontanes Ruppiner Land“ vor
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Carmen Maja Antoni und Robert Rauh stellen in Neuruppin „Fontanes Ruppiner Land“ vor
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00:20 22.04.2019
Unter dem Auge des Wanderers: Robert Rauh und Carmen Maja Antoni Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Er ist weg! Vom Sockel gestiegen, samt Stock und Hut. Fontane hat sein Denkmal verlassen, zumindest auf der Fotomontage – oder besser Demontage – die in der Neuruppiner Kulturkirche zu Beginn der Lesung auf die Leinwand gestrahlt wird. Kein Wunder: Der freundlich-augenzwinkernden Einladung von Robert Rauh zum erneuten Entdecken des Ruppiner Landes – rund 150 Jahre später – konnte der große märkische Wanderer scheinbar nicht widerstehen.

Zuerst „Fontanes fünf Schlösser“, dann „Fontanes Frauen“. Nun hat Robert Rauh „Fontanes Ruppiner Land“ vorgestellt – in dem er zu 22 Orten reiste, die der Dichter einst in den Wanderungen beschrieb.

„Sind Sie alle solche Fontane-Fans, dass Sie so zahlreich reserviert haben?“, fragt Buchhändlerin Jana Kolar-Voigt. „An der zauberhaften Vorleserin Carmen Maja Antoni? Oder an dem, zumindest für mich, beliebtesten Fontane-Forscher?“ „Immer 18. bei uns“ heißt das Motto der Lesereihe, mit der die Neuruppiner Fontanebuchhandlung seit Jahren spannende Autoren und viele interessierte Leser anlockt. „Auch wenn das ’Bei uns’ diesmal erstmalig nicht zutrifft“, erklärt Kolar-Voigt den 220 Zuhörern in der Neuruppiner Kulturkirche. Man habe auf die größere Lokation ausweichen müssen – angesichts der vielen Vorbestellungen.

„Es ist bereits Robert Rauhs dritte Buchpremiere bei uns“, freut sich Kolar-Voigt. Und die zweite, bei der der Autor von der namhaften Schauspielerin Carmen Maja Antoni unterstützt wird, die bereits bei „Fontanes Frauen“ mit im Boot war. Das und „Fontanes fünf Schlösser“ liefen in der Buchhandlung als Brandenburg-Premiere. Für das neueste Werk Rauhs – „Fontanes Ruppiner Land“ – wurde Neuruppin gar zum Ort der Deutschland-Premiere. Im Fontanejahr und angesichts des Sujets kein Wunder. Geht es doch ausschließlich um die alte Grafschaft Ruppin. Besser gesagt um die neue.

Dritte Buchpremiere Rauhs in Neuruppin

„Ich habe 22 Orte bereist, die Fontane in seinen Wanderungen durch Ruppin bereist hat. Oder auch nicht“, sagt Rauh mit einem Augenzwinkern und verrät, dass nach seinen Recherchen Fontane offenbar nicht an allen Orten selbst gewesen ist, die er erwähnt und beschreibt.

Bevor er auf Details eingeht, obliegt es Carmen Maja Antoni, das Vorwort vorzutragen: „Sehr geehrter Herr Fontane“, heißt es da. „Darf ich fragen, wo Sie sind?“ In Neuruppin herrsche helle Aufregung, nachdem eine besorgte Bürgerin die verwaiste Bank der Polizei gemeldet habe, auf der Fontane seit mehr als 100 Jahren gesessen habe. Ein schöner Einstieg, bildlich untermalt.

Robert Rauh wird immer vertraulicher, schildert seinem großen Vor-Wanderer, was gerade los ist in Neuruppin, das gerade Fontane.200 feiert. „Neuruppin sieht ohne Sie ziemlich leer aus“, schreibt er und unterbreitet das Angebot der „Ruppin-Reise 2.0“. Das Internet und Co würde er ihm schon erklären – ohnehin halte er Fontane für den geborenen Blogger. Er, Fontane, würde vieles wiederfinden von einst – aber natürlich auch viel Neues.

22 bereiste Orte – und viele Menschen

„Das Beste aber, dem du begegnen wirst, werden die Menschen sein“, zitiert Rauh Fontane und erklärt, warum dem immer noch so ist. Auch er habe auf seinen Wanderungen – per Auto und Navi, statt mit Kutsche und Karte – prachtvolle Menschen im Ruppinischen getroffen: Museumsleiter und Schrotthändler, Vereinskümmerer und Stadtführer, Bürgermeister und Kulturschaffende, Künstler und Historiker.

Menschen, die sich für Fontanes Orte interessieren und sich darum kümmern. Und sogar einen echten Adeligen, der heute im Pferdestall derer von und zu lebt, die Fontane einst auch schon besuchte. Viele von ihnen tauchen in seinem Buch auf. Und viele von ihnen sind auch zur Lesung gekommen, ihr Buch unterm Arm, das sie später signieren lassen.

Gentzrode – Träume und Schäume

Gentzrode – der Ort im „märkischen Nirgendwo“, bei dem Rauh das Navi nicht weiterhalf, es zu finden. Rauh schildert die Historie des ehemals Gentz’schen Kleinods, das immer mehr verfällt und das die Natur sich Stück für Stück zurückerobert. Er zeigt eine Skizze des Herrenhauses, die Fontane einst in sein Notizbuch kritzelte und erklärt, warum das nicht das Herrenhaus sein kann. „Es wurde erst drei Jahre später gebaut – was Fontane hier gezeichnet hat, ist der Kornspeicher.“

Gentz wurde inhaftiert, bevor das ambitionierte Gebäudeensemble fertig wurde. „Aus Geldmangel und weil er die Insolvenz verschleppte“, erklärt Rauh. „Ist ja wie heute“, sagt Antoni trocken. „Und dann passierte das, womit Gentzrode schon Erfahrung hat: Nichts“, liest Rauh über das weitere Schicksal des Schlosses und das Publikum lacht einmal mehr über den feinen Witz des Buches. Und immer wieder über die trocken-augenzwinkernde Vortragsart der Schauspielerin, die den Humor aus Rauhs Buch auf außerordentlich erfrischende Weise zutage bringt.

220 Gäste lauschten gebannt

Gehts auch eine Nummer kleiner? Klotzen statt Kleckern – das sei schon immer Devise in Gentzrode gewesen – damals und heute, sagt Rauh und berichtet vom Gespräch mit dem Planungsbüro-Chef, der für türkische Investoren das weltweit größte Golf-Resort erbauen will. Staunen angesichts des hochglanzpolierten Planer-Vorschlags. „Zu schön, um wahr zu sein“, schließt er. Und der Saal seufzt.

Antoni gelingt es, mir den Autor nahe zu bringen. Seine Schreibe gefällt mir“, lobt Carsten Thies aus Lindow und beschließt, das Buch zu kaufen. „So viele Gäste, ich bin überrascht. Da geht Fontane nicht verloren“, freut sich Anne Glase aus Wustrau, die mit Rauh gewandert ist. „Wie ein Krimi – ich habe alles stehen und liegen gelassen, um zu lesen“, schwärmt auch Ingrid Röseler aus Lindow, die ebenfalls im Buch vorkommt.

Publikum wählt zwischen Langen, Brunn und Protzen-Kapitel

Dann darf das Publikum wählen, ob es das Kapitel über Langen, Brunn oder Protzen hören will. Gewinner ist Protzen und die Geschichte über eine unerwartetes Treffen wird gelesen. Robert Rauh hat das Date nach mehr als 70 Jahren eingefädelt, basierend auf einem alten Foto von 1946, auf dem notiert war: „Wer ist das kleine Mädchen?“

Rauh fand es und auch den Buben, der einst in Protzen blieb, als seine Familie in den Westen floh. Eine berührende Geschichte, bevor Robert Rauh mit einer fiktionalen Träumerei die Lesung beendet, in der die Löwen-Apotheke zum Literaturhaus wird, in der das „Wurfzimmer“ – O-Ton der Hausbesitzerin für Besucher geöffnet wird.

Von Regine Buddeke

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