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Neuruppin Fontane-Balladen als Rocksongs im Kornspeicher
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Fontane-Balladen als Rocksongs im Kornspeicher
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12:53 31.03.2019
Wanderstöcke gab es reichlich zur Premiere – der Club der Toten Dichter vertonte in seinem neuen Programm Texte von Theodor Fontane. Quelle: Cornelia Felsch
Alt Ruppin

Vor acht Jahren haben sie sich angefreundet, der Musiker Reinhardt Repke und der Hausherr des Kornspeichers Neumühle, Manfred Neumann. Profitiert haben davon vor allem die Musikfans der Region, denn der „Club der Toten Dichter“ ist auf seinen Deutschlandtourneen regelmäßig auf der kleinen Bühne im Kornspeicher zu Gast. Hier haben sie ein gastfreundliches Refugium gefunden, in dem sie auch proben und sich auf die ihre Musik konzentrieren können.

Seit zwölf Jahren vertont Reinhardt Repke tote Dichter – und natürlich widmet sich der Club im Fontanejahr 2019 dem berühmten Sohn Neuruppins, dem Romancier und Dichter Theodor Fontane.

Nach Heine, Busch, Rilke, Schiller und Bukowski ist Fontane nun der sechste Dichter, dessen Texte die Premierenbesucher am Sonnabend neu erlebten.

Lyrische Ballade wird zum Rocksong

Gedichte wie „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“und Balladen wie „John Maynard“ und „Barbara Allen“ erschienen plötzlich in neuem Licht. Erinnerungen aus der Schulzeit wurden wach, und Texte, die einem als Schüler quälend auf der Seele lagen, weil sie einem unendlich lang erschienen, weckten an diesem Abend ganz neue Empfindungen.

Leise und poetisch startet die „Schwalbe“ im Erie-See nach Buffalo, bis schließlich Qualm aus der Kajüte dringt und Flammen lichterloh, – „und noch 20 Minuten bis Buffalo“. Auf der Bühne läutet die Schiffsglocke , die Trommelstöcke fliegen in den Händen von Katharina Franck und die lyrische Ballade entwickelt sich zum ekstatischen Rocksong.

Hochkarätige Musiker für Fontanesongs

Die Ballade hat Repke in drei Songs aufgeteilt – die Club-Mitglieder nennen sie die Maynard-Suite. „Früher konnte ich dieses Gedicht nie auswendig“, sagt Reinhardt Repke. „In der Schule habe ich dafür eine Fünf bekommen.“ Bei der Premiere klappte es mit dem Text und tosenden Beifall gab es außerdem.

Für die neue Produktion hat der Gitarrist und Sänger Musiker um sich versammelt, die Meister in ihrem Fach sind und ihre eigene unverwechselbare Musik realisieren. Neben dem Bassist Markus Runzheimer ist die Berliner Musikerin und Komponistin Cathrin Pfeifer mit ihrem Akkordeon dabei.

Neue Klangfarben im Club

„Ich habe überlegt, welches Instrument ich für eine neue Klangfarbe hinzu nehmen könnte und da fiel mir Cathrin mit ihrem Akkordeon ein“, erzählt Reinhardt Repke. „Sie hat auch gleich Lust gehabt.“

Die Sängerin und Songwriterin Katharina Franck unterstützt den Club zum zweiten Mal. Sie war bereits mit ihrer unverwechselbaren Stimme bei der Rilke-Vertonung dabei. Für Repke gab es damals nur eine Sängerin, die Rilke singen konnte und diese überzeugende Stimme sollte es auch diesmal sein.

Man hat oder hat es nicht

Konzentriert mit geschlossenen Augen spricht sie den Text: „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland; ein Birnbaum in seinem Garten stand...“ Ihre überzeugende Stimme, die das ganze Kolorit des märkischen Gartens vor über 100 Jahren einfängt, ist frei von übertriebener Romantik, lässt aber dennoch magische Momente entstehen, die sie selbst sichtlich berühren.

„Nur als Furioso nichts erstreben und fechten, bis der Säbel bricht; es muss sich dir von selber geben – man hat es oder hat es nicht“, sagt Fontane in einem seiner Gedichte. Die vier Musiker überzeugten das Publikum mit ihrem Programm „So und nicht anders“ und der nicht enden wollende Beifall bewies es – sie haben es .

Von Cornelia Felsch

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