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Neuruppin Corinna Harfouch liest über „Fontanes wundersame Frauen“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Corinna Harfouch liest über „Fontanes wundersame Frauen“
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14:32 19.08.2019
Schauspielerin Corinna Harfouch (r.) liest mit den Autoren Robert Rauh und Gabriele Radecke in der vollen Neuruppiner Kulturkirche aus „Fontanes wundersame Frauen“ Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

„Darf ich den behalten?“ zwitschert Corinna Harfouch und schmiegt den kleinen güldenen Fontane zärtlich an ihre Wange. Nein, darf sie nicht. Robert Rauh lässt sich da nicht erweichen. Er hat die kleine Hörl-Skulptur nur mitgebracht, damit der Dichter dabei ist, wenn ihm auf den Kopf zugesagt wird, er habe seine „Wanderungen“ nur für die Männerwelt geschrieben. Und Rauh und seine Co-Autorin Gabriele Radecke wollen diese steile These auch beweisen.

Womit? Anhand der wenigen Frauen, die es dem Dichter wert waren, in den Wanderungen erwähnt zu werden. Elf sind es, die die beiden Fontaneforscher und Fontanekenner aus allen vier Wanderungen-Bänden herausextrahiert haben – man hat den Fontane-Originaltexten, die von der Harfouch gelesen werden, jeweils ein erklärendes Vorwort zur Seite gestellt und ebenso vor Ort recherchiert, was eigentlich heute noch übrig ist vom Schauplatz des Originalkapitels.

Jetzt und Heute der Fontaneorte

Robert Rauhs topographischer Ansatz, vor Ort das Jetzt und Heute der Fontaneorte zu erkunden, hat in der Vergangenheit schon für viel Interesse und Amüsement gesorgt – „Fontanes wundersame Frauen“ ist nach „Fontanes Schlösser“, „Fontanes Frauen“ und „Fontanes Ruppiner Land“ bereits das vierte Buch aus seiner Feder, die er vor und im Fontanejahr auf den Markt brachte. Und nein, es ist kein „Beifang“ aus den ersten dreien – auch wenn Fontane selbst durchaus so zu arbeiten pflegte und sein gesammeltes Recherche-Material wenn nicht hier, dann anderswo „verbriet“.

Das alte Dampfmaschinenhaus auf der Pfaueninsel, in dem Frau Friedrich ihr Kaffeehaus betrieb. Quelle: Robert Rauh

Tatsächlich bekam Gabriele Radecke bereits vor langer Zeit die Anfrage des Manesse-Verlages, etwas fürs Fontanejahr zu publizieren. Sie holte sich schlussendlich Robert Rauh ins Boot, als sie mit ihm gemeinsam über den Fontanenotizbüchern brütete, die Radecke als Leiterin der Fontanearbeitsstelle Tübingen editierte.

Bereits die vierte Buchpremiere

„Wir sind stolz, dass Robert Rauh bereits seine vierte Buchpremiere bei uns veranstaltet“, freut sich Jana Kolar-Voigt. Die Leiterin der Fontanebuchhandlung musste angesichts der prominenten Leserin der Premiere sogar ihrem Motto „Immer 18. bei uns!“ untreu werden und die Kulturkirche anmieten – bei 300 Besuchern, die am Sonntag kamen, wäre die Buchhandlung aus allen Nähten geplatzt. Sie sei glücklich, sagt sie, die Schauspielerin endlich einmal live zu erleben.

Fontane mag ein Frauenkenner und selbst ernannter Frauenschwärmer gewesen sein, wie seine späteren Romane es beweisen. In den „Wanderungen“ jedoch mit all ihren Adeligen und Militär- und Schlachtenbeschreibungen habe er wohl eher die männlichen Leseinteressen bedient, stellt Rauh die These vorweg. Als Land der „tüchtigen Kerle“ habe Theodor Fontane die Mark bezeichnet und empfahl, den Kutscher zu befragen, wenn man Klatsch und Wissenswertes zu erfahren wünschte, zitiert Rauh.

Fontane war auch nur ein Kind seiner Zeit

Gleichwohl habe er aber auch die Frauen gesehen und erwähnt, wenngleich meist als „die Ehefrau von ...“, „die Geliebte von ...“ Selten war ihm die Frau wichtig und erzählenswert genug, um nicht hinter dem Mann versteckt zu werden. Andererseits – Fontane war auch nur ein Kind seiner Zeit. Somit kann man ihm auch nicht ernstlich vorwerfen, kein Frauenrechtler gewesen zu sein. Zumal man den Zwiespalt seiner Romanheldinnen a la Effi in ihrer engen Welt immerhin als feministischen Ansatz deklarieren kann.

Die Autoren Gabriele Radecke und Robert Rauh mit der Statuette der Rachel Felix hinter der Schlossruine auf der Pfaueninsel. Quelle: Robert Rauh

Es sind drei der elf Frauenfiguren des Buches, die Gabriele Radecke, Robert Rauh und Corinna Harfouch am Sonntag ins Scheinwerferlicht setzen. Frauen, die unterschiedlicher kaum sein können: Julie von Voß, die Mätresse des Königs Friedrich Ludwig II., ferner die Schauspielerin Rachel Félix und last not least „Frau Friedrich“ – die Inselwirtin von der Pfaueninsel. In seinen Notizen, so wird gezeigt, schrieb Fontane noch über die Familie Friedrich – der Mann war der Maschinenwart der Insel. Sein Kapitel jedoch nannte Fontane dann jedoch „Frau Friedrich“ – bezeichnenderweise, wie man in der Lesung erfährt.

Schilderungen Fontanes mit all ihrem subtilen Witz

Corinna Harfouch erweckt die detaillierten Schilderungen Fontanes mit all ihrem subtilen Witz zum Leben – immer wieder wird im Publikum gelacht. Sie lässt die raserische Leidenschaft und den langen stummen Widerstand der Julie von Voß erstehen – alles aus den Tagebucheinträgen von Julies Tante, die Anbahnung und Fortgang dieser Liaison dokumentierte und für Fontane später zum gefundenen Fressen und literarischer Vorlage wurden. Köstlich, wie die Harfouch den teils altjüngferlichen, teils besorgt-mitleidigen, teils bigotten Ton der alten Dame trifft.

Julie von Voß Quelle: Regine Buddeke

Auch Robert Rauhs Schilderungen, wie er mit dem Forschergeist eines Sherlock Holmes auf Spurensuche ging, vermag aufs Äußerste zu amüsieren. Während Gabriele Radecke, so plaudert er aus dem Nähkästchen, noch im Wegeplan der Pfaueninsel nach einem legalen Umweg zum Maschinenhaus der Friedrichs suchte – der eigentliche Weg war mit einer Kette abgesperrt – stieg Rauh kurzerhand darüber, erzählt er und kichert selbst angesichts solcherlei Anarchie.

Tücken der Suche nach dem Grabmal von Julie von Voß

Zumindest habe er so Frau Friedrich 2.0 kennengelernt, die Frau des letzten Maschinenwarts der Pfaueninsel. Da fand sich auch die Rachel-Félix-Gedenkstatue – die Diva trat einst vor dem König und dessen Gast, dem russischen Kaiser Nikolaus auf der Pfaueninsel auf.

Rachel Félix Quelle: Regine Buddeke

Rauh schildert die Tücken der Suche nach dem Grabmal von Julie von Voß – und spart auch das Glück des Erfolgs nicht aus. Er wolle erreichen – so das erklärte Ziel – dass das zerstörte Denkmal mit dem anderswo eingelagerten Relief, das er über Umwege und viel Recherche gefunden hat, wieder an seinen einstigen Platz zurückkomme.

Relief vom verschwundenen Denkmal für Julie von Voß im Schlosspark Buch. Quelle: Robert Rauh

Nach der Pause lässt Corinna Harfouch Fontanes Bild von „Frau Friedrichs Gnaden“ aufleben – augenscheinlich eine respektierte und gefürchtete Instanz. Das ist so genüsslich-gut, dass man ihr dafür glatt den kleinen goldenen Fontane schenken möchte.

Von Regine Buddeke

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