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Neuruppin Wo Neuruppins berühmte Söhne zur Schule gingen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Wo Neuruppins berühmte Söhne zur Schule gingen
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05:59 24.12.2018
Das Alte Gymnasium mit der lateinischer Inschrift: „Den Bürgern der kommenden Zeiten“.
Das Alte Gymnasium mit der lateinischer Inschrift: „Den Bürgern der kommenden Zeiten“. Quelle: Foto: Peter Geisler
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Neuruppin

Jeden Tag öffnen wir im MAZ-Adventskalender ein Türchen und erzählen die Geschichte eines besonderen Gebäudes aus Prignitz und Ostprignitz-Ruppin. Zum Schluss hinter dem 24. Türchen: Das Alte Gymnasium Neuruppin.

Die berühmtesten Männer Neuruppins besuchten das Alte Gymnasium: unter anderen Theodor Fontane, Karl Friedrich Schinkel und Wilhelm Gentz. Die neue städtische Bürgerschule, das spätere Friedrich-Wilhelms-Gymnasium und heutige Kulturzentrum, die vier Jahre nach dem großen Stadtbrand 1787 eingeweiht wurde, war ein Neubau auf dem mittleren der drei großen Stadtplätze, dem heutigen Schulplatz.

Fontane ging aufs Ruppiner Gymnasium

Es war das erste neu errichtete öffentliche Gebäude nach dem Stadtbrand. Abgebrannt waren fünf alte und beengte Schulgebäude mit Lehrerwohnungen und Unterkünften für auswärtige Schüler. Nun entstand eine schlossartige dreiflügelige Anlage, die neben Unterrichtsräumen ein Auditorium, eine Bibliothek und Lehrerwohnungen enthielt.

In seinen Kindheitserinnerungen beschreibt Fontane seine Schulzeit von 1832 bis 1833 in Neuruppin. Damals lebte die Familie bereits in Swinemünde. Doch es wurde beschlossen, den Filius auf das Ruppiner Gymnasium zu geben. In Neuruppin hatten die Eltern gute Freunde, die auf den Sohn acht geben konnten. Der 13-Jährige wurde im Predigerwitwenhaus zur Pension einquartiert.

Der Rektor sah als wie vorm Schlaganfall

Es war April, ein „heller Sonnentag“, als Mutter und Sohn das Gymnasialgebäude betraten. Es ging die etwas ausgelaufene Treppe hinauf zum Direktor, dem „alten Thormeyer“, von dem Fontane schreibt, das er ausgesehen habe, als könne ihn auf der Stelle der Schlag treffen.

„Gedunsen und rot bis in die Stirn hinauf, die Augen blau unterlaufen, das Bild eines Apoplektikus“ (jemand, der zu Schlaganfällen neigt). Zehn Zeilen musste Fontane auf Geheiß des Direktors aus einem Buch vorlesen. Dann stand fest, dass der künftige Schüler reif für die Quarta war.

Gelernt hat Fontane eigenem Bekunden zufolge nicht viel in diesem einen Jahr. „Einige Lücken wurden wohl zugestopft, aber alles blieb zufällig und ungeordnet und das berühmte Wort vom Stückwerk traf auf Lebenszeit buchstäblich und in besonderer Hochgradigkeit bei mir zu“.

Trotz Fontanes Gemecker: Schule hatte ausgezeichneten Ruf

Gleichwohl: Die Schule genoss einen ausgezeichneten Ruf. Die Neuruppiner Bürgerschule hatte sich bereits zehn Jahre vor dem Brand zu einer pädagogischen Vorzeigeschule entwickelt. Der damalige erste Bürgermeister Daniel Heinrich Noeldechen hatte die damalige Lateinschule reformiert und dafür zwei junge Lehrer gewinnen können.

Noeldechen war es auch, der beim Neubau der Schule eine große Rolle spielte. Er führte mit dem preußischen Staatsminister Otto Carl Friedrich von Voss, einem der Motoren des Wiederaufbaus Neuruppin, einen Schriftwechsel, in dem es auch um eine passende Inschrift der Schule ging.

Den Bürgern der kommenden Zeiten

Voss bevorzugte vor allen anderen Entwürfen die, die noch heute dort steht: „Civibus Aevi Futuri“ (den Bürgern der kommenden Zeiten). Sie sei kurz und bezeichnete die Bestimmung der Anstalt richtig, so der Minister. Das fand Noeldechen auch.

Zwar wurde 1791 die Einweihung gefeiert, komplett fertiggestellt mit Glockenturm war das neue Schulgebäude jedoch erst im April 1792. Es entwickelte sich zum geistigen Zentrum der Region.

Von 2010 bis 2012 wurde das klassizistische Bauwerk umfassend saniert. Heute finden sich dort die Kreismusikschule, die Jugendkunstschule, Stadtbücherei, medizinische Hochschule und die Fontane-Gesellschaft.

Lesen Sie auch unsere anderen Geschichten zu den Adventskalender-Türchen:

1. Dezember: Der Paulinenauer Bahnhof in Neuruppin der die Eisenbahn brachte.

2. Dezember: Wie die Pritzwalker Tuchfabrik zum Symbol für die Industrialisierung wurde.

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4. Dezember: Einst Vorwerk, heute Kulturgutshaus – die Geschichte des Gutshauses in Köpernitz.

5. Dezember: Das Gaswerk in Neustadt – eine Industriegeschichte mit ganz viel Energie.

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7. Dezember: Der Tempelgarten mit Apollotempel in Neuruppin – Kronprinz Friedrichs Protestnote gegen den Soldatenkönig.

8. Das Herbstsche Haus in Wusterhausen – vom Kaufmannsladen zum Kulturzentrum

9. Dezember: Schloss Meyenburg ist noch immer in Mode

10. Dezember: Neuruppins Pfarrkirche ist Kulturort

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12. Dezember: Das Neustädter Landstallmeisterhaus vereint seit über 200 Jahren Architektur, Nutzwert und preußische Geschichte

13. Dezember: Das Schloss in Freyenstein hat eine bewegte Geschichte hinter sich und erstrahlt heute als ein sehenswertes Stück Vergangenheit

14. Dezember: Die Begegnungsstätte auf dem Perleberger Judenhof soll die Mitwirkung der Juden an der Gründungs- und Stadtgeschichte beleuchten.

15. Dezember: Die Sanierung der mittelalterlichen Neuruppiner Sankt-Georg-Kapelle ist fast abgeschlossen – bis auf die Orgel.

16. Höhen und Tiefen gehören für das heutige „Catharina-Dänicke-Haus“ zur Geschichte. Seit mehr als 300 Jahren steht das Fachwerkhaus in Wittstock.

17. Das Renaissanceschloss in Demerthin.

18. Wo die alten Märchen zum Leben erwachen: der Putlitzer Burgturm.

19. Nach mehr als 20 Jahren ist das Kircheninnere des Langener Gotteshauses fertig saniert. Das ganze Dorf hatte sich dafür eingesetzt.

20. Schloss Rheinsberg ist eine Touristenattraktion. Die einstige Residenz von Kronprinz Friedrich und Prinz Heinrich ist immer noch ein architektonisches Schmuckstück.

21. Das Kloster Stift zum Heiligengrabe – ein lebendiges Kloster, in dem es auch Raum für Einkehr gibt.

Von Dagmar Simons