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Neuruppin Gentzschule: Auch Billigbau wäre teuer
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Gentzschule: Auch Billigbau wäre teuer
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00:26 04.04.2019
2014 hatte Neuruppin den aufwändig umgebauten Schulhof der Gentzschule eröffnet. Der Schulhof ist seitdem barrierefrei, das Schulhaus ist es bis heute nicht.
2014 hatte Neuruppin den aufwändig umgebauten Schulhof der Gentzschule eröffnet. Der Schulhof ist seitdem barrierefrei, das Schulhaus ist es bis heute nicht. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Zum geplanten Umbau der Neuruppiner Wilhelm-Gentz-Schule ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Am Dienstag berät der Sozialausschuss der Stadt, ob er das Vorhaben in dieser Form weiter vorantreiben will. Die Stadtverwaltung hat den Entwurf eines Nachtragshaushaltes vorgelegt. Demnach müssten für den Umbau der Schule etliche andere Projekte gestrichen oder verschoben werden.

Vor einem halben Jahr hatte das Bauamt den barrierefreien Umbau des DDR-Typenbaus an der B 167 auf rund acht Millionen Euro geschätzt. Inzwischen ist von voraussichtlichen Kosten um 14 Millionen Euro die Rede.

Der Stadtverordnete Siegfried Wittkopf (Die Linke) geht davon aus, dass auch diese Summe nicht ausreichen wird. „Uns gegenüber hat die Stadtverwaltung schon von 14,7 Millionen Euro gesprochen“, sagt er.

Wittkopf: Konzept ist völlig überzogen und zu teuer

Dass die Stadt nun auch ihre Tochterfirmen NWG und Stadtwerke zur Finanzierung heranziehen will, kann Siegfried Wittkopf nicht nachvollziehen: „Niemand zwingt uns zu so einem Prachtbau und architektonischen Meisterleistungen, die die Kommune nicht bezahlen kann.“

In einem Architektenwettbewerb hat die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr mehrere Ideen für den Umbau der Schule gesammelt. Sieger wurde ein Büro aus Berlin mit einem aufsehenerregenden Entwurf.

Der Entwurf für den Umbau der Wilhelm-Gentz-Grundschule in Neuruppin. Quelle: Clarke und Kuhn Architektengesellschaft

Er sieht einen kompletten Umbau des Schulhauses samt Anbau vor und – wie von Neuruppin gefordert – den Abriss der maroden Turnhalle mit anschließendem Neubau.

Neubau an anderer Stelle kommt nicht infrage

Dass das Vorhaben nicht billig werden wird, war von Anfang an klar. Manche Stadtverordnete hatten sich deshalb auch gefragt, ob ein völliger Neubau nicht günstiger wäre.

Ein Neubau an anderer Stelle wurde geprüft, aber verworfen, sagt die Rathaussprecherin Michaela Ott: „Der Schulstandort ist sowohl von der Erreichbarkeit als auch der Einbindung in die städtische Infrastruktur optimal gelegen.“

Zudem hatte die Stadt vor fünf Jahren bereits den Schulhof aufwändig sanieren lassen. 1,5 Millionen Euro hat das gekostet, ein Großteil Fördermittel. Würde die Schule jetzt aufgegeben, dann müsste andernorts ein neuer barrierefreier Schulhof entstehen – und die Stadt müsste die Fördermittel von 2014 zurückzahlen.

Einfache Sanierung würde 10 Millionen kosten

Das Bauamt hat auch geprüft, ob das jetzige Haus billiger saniert werden könnte, ohne Anbau. Doch dann müsste die Gentzschule ihr Konzept aufgeben – den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung und Lernproblemen. „Eine günstigere Variante ist bei diesen Rahmenbedingungen nicht möglich“, sagt Michaela Ott.

Laut Stadtverwaltung würde selbst eine Billigsanierung des Schulhauses rund sieben Millionen Euro kosten, eine neue Turnhalle weitere drei Millionen. Zusammen wären das zehn Millionen Euro. Und weil die sanierte Schule dann nicht einmal barrierefrei ist, müsste Neuruppin auf Millionen Euro Fördermittel verzichten.

Steineke: Kosten nicht völlig unrealistisch

Für den CDU-Abgeordneten Sebastian Steineke führt an der Sanierung wohl kein Weg vorbei. Dass die jetzt vorhergesagten Kosten nicht völlig unrealistisch sind, könne man an anderen Schulbauten sehen, sagt er und verweist auf den Umbau der Prinz-von-Homburg-Schule in Neustadt (Dosse). Dort werden die Kosten auf fast zwölf Millionen Euro geschätzt.

Auch Steineke rechnet aber damit, dass der Umbau in Neuruppin noch teurer werden könnte. „Wir sehen überall, wie die Baupreise steigen“, sagt er: „Billiger wird’s sicher nicht.“

Was wird aus den Schülern während des Umbaus?

Mit verschiedenen Maßnahmen versucht die Stadt, die Kosten zu drücken. So sollen die Schüler offenbar während der Bauzeit doch nicht in angemieteten Containern unterrichtet werden. Stattdessen könnten die Klassen auf andere Schulen aufgeteilt werden, hat die CDU aus dem Rathaus erfahren.

Das will die Fraktion von CDU und FDP in jedem Fall verhindern. Für Fraktionschef Heinz Stawitzky ist das „nicht akzeptabel“. Die Schüler der Gentzschule müssten auf jeden Fall auch während des Umbaus zusammenbleiben.

Der Sozialausschuss berät darüber am Dienstag, 2. April, ab 18.30 Uhr in der Fontaneschule an der Artur-Becker-Straße.

Von Reyk Grunow