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Neuruppin Landtagskandidaten auf den Zahn gefühlt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Landtagskandidaten auf den Zahn gefühlt
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18:52 08.08.2019
Thomas Graupner vom Verein Haus und Grund moderierte die Kandidatenrunde: Ulrike Liedtke (SPD), Gabriele Schare-Ruf (FDP), Siegfried Wittkopf (BVB-Freie Wähler), Sven Deter (CDU), Ronny Kretschmer (Linke), Corvin Drößler (Die Partei), Wolfgang Freese (Grüne) und Dirk Harder (Piraten). Quelle: Andreas Vogel
Alt Ruppin

„Ich bin beim Aufmischen gern dabei, denn junge Menschen sind die Zukunft.“ Mit diesen Worten des Wulkower Landwirts Sven Deter endete am Mittwochabend der 21. Stammtisch des Eigentümervereins Haus und Grund. Es war ein besonderer Stammtisch. Hatte doch der Verein alle neun Direktkandidaten eingeladen, die bei der Wahl am 1. September im Wahlkreis 3, der den Altkreis Neuruppin umfasst, in den Potsdamer Landtag einziehen wollen.

Soldaten zu Polizisten umschulen?

Zwar hatte die Neuruppiner AfD-Frau Gabriele Köhler absagen müssen, weil sie aus unerfindlichen Gründen die Einladung erst einen Tag zuvor erhalten und bereits einen anderen Termin angenommen hatte. Gleichwohl gab es an diesem Nachmittag so manche Überraschung. Dafür sorgten nicht allein die anderen acht Direktkandidaten, vielmehr auch das ungewöhnliche Prozedere. So entschied das Los, welcher Kandidat sich zu einer von 13 Themenkomplexen äußern kann. Die Fragen reichten über Gesundheit, Klima, Windenergie und innere Sicherheit bis zu Bildung, Kultur, Wirtschaft und Politikverdrossenheit.

Für die erste Überraschung sorgte Corvin Drößler. Der Student aus Walsleben, der für die Partei „Die Partei“ antritt, sprach sich nicht allein für eine bessere Klimapolitik aus, sondern plädierte zudem dafür, mehr Personal für die Polizei einzustellen. Da die Armee sowieso schon auf einem „eher pazifistischen Weg“ sei, könnten doch viele Soldaten zu Polizisten umgeschult werden, sagte Drößler.

„Die Polizei ist zu wenig präsent“

Auf diesen Vorstoß ging aber keiner der anderen Direktkandidaten ein – obwohl sich kurz zuvor auch Ronny Kretschmer (Linke) für mehr Polizei auf dem Lande ausgesprochen hatte. „Die Polizei ist zu wenig präsent auf der Straße“, so Kretschmer. Allerdings sei die Kriminalitätsrate in Brandenburg zurückgegangen und die Aufklärungsquote gestiegen. Dennoch sei das Sicherheitsgefühl vieler Bürger ein anderes, sagte Kretschmer. Deshalb müsste die Polizei vor Ort wieder „erlebbar gemacht werden“ – aber ohne die Grundrechte der Bürger auszuhöhlen, indem ohne Weiteres Rechner durchsucht werden.

Der Neuruppiner Bündnisgrüne Wolfgang Freese verwies auf ein ganz anderes Thema. Demnach dürfte die Digitalisierung nicht allein privaten Firmen überlassen werden, da bei dieser Aufgabe auch der Staat in der Pflicht stehe. „Das Gros der Leute wohnt gern auf dem Land. Sie dürfen sich aber nicht abgehängt fühlen“, so Freese.

„Kleine Schulen sind ein Erfolgsmodell“

Gerade deshalb müsste das Land deutlich mehr Geld in die Sanierung der Landesstraßen stecken, stimmte Siegfried Wittkopf (BVB-Freie Wähler) zu. Zugleich sprach sich Wittkopf für „mehr Klarheit und Wahrheit“ aus, wenn es um die Kosten für die Aufnahme und die Integration von Flüchtlingen geht.

CDU-Mann Sven Deter forderte bessere Anbindungen von Bus und Bahn in der Region. Es müssten Linien angeboten werden, die auch zuverlässig genutzt werden können. Für Deter gehört dazu unbedingt ein 30-Minuten-Takt des Prignitz-Expresses RE 6 zwischen Neuruppin und Berlin. „Wenn das Land nicht jahrelang propagiert hätte, dass die Bevölkerung sinkt, könnte es diesen Takt schon geben“, vermutete Deter.

Auch Dirk Harder (51) von der Piratenpartei forderte bessere Buslinien. Der Systemingenieur, der aus Hamburg stammt und einige Zeit in Berlin lebte, bevor er nach Rheinsberg zog, will mehr kleine Schulen auf dem Land, damit Schüler maximal 30 Minuten mit dem Bus von zu Hause aus unterwegs sind. „Kleine Schule sind ein Erfolgsmodell“, sagte Harder.

„Die MHB ist ein Joker für die Region“

Die Rheinsberger SPD-Landtagsabgeordnete Ulrike Liedtke, die vor fünf Jahren das Direktmandat im Altkreis Neuruppin gewonnen hatte, verwies indes darauf, dass das Land in jüngster Vergangenheit schon viel Geld in die Bildung in Kitas und Schulen investiert habe. Um so schmerze es sie, dass der sogenannte Bildungscampus, der aus Grund- und Oberschule besteht, kein Fördergeld aus Potsdam erhalten habe. Die Schulen müssten so schnell wie möglich saniert werden.

FDP-Frau Gabriele Schare-Ruf machte sich für die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) stark, die vor fünf Jahren mit den Standorten in Neuruppin und der Stadt Brandenburg gegründet worden war. „Das ist ein Joker für die Region“, sagte die Ärztin, die in Düsseldorf groß wurde und seit 2011 in Rheinsberg lebt. Das Land müsse die Hochschule fördern, die die Zahl ihrer Medizinstudenten verdoppeln sollte. „Dem Wissen folgt das Geld“, und davon könne die Region profitieren, sagte die Liberale.

Derzeit werden an der MHB jedes Jahr 48 neue Medizinstudenten eingestellt. Jedoch gibt es bereits seit einiger Zeit Bestrebungen, mit Landeshilfe die Zahl auf 96 Medizinstudenten pro Jahr zu erhöhen. Allerdings ist unklar, wie sich das mit den Plänen des Landes verträgt, in der Lausitz mit Geld vom Bund, das er für den Ausstieg aus der Kohle zahlt, dort eine staatliche Medizinerausbildung aufzubauen.

 

 

Von Andreas Vogel

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