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Neuruppin Der Schlüssel zum Glück
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18:27 16.05.2013
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NEURUPPIN

. Vor einigen Wochen erst hatte Oliver Leonhardt das Gebäude im Auftrag des Vereins ersteigert. Und jetzt – ist er schon mittendrin.

Obwohl der Kaufpreis noch nicht überwiesen ist, haben die bisherigen Eigentümer dem Verein den Schlüssel überlassen. „Das war viel Telefoniererei“, sagt Leonhardt. „Aber wir haben es mit vielen freundlichen Menschen zu tun.“ Das Kredit- und Spendenbarometer für den Kauf des Bahnhofs stand gestern bei 73 Prozent der insgesamt benötigten Summe.

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Von ihrem Hausrecht für einen Teil des Gebäudes haben die Mittendrinler schon reichlich Gebrauch gemacht. Gegen den Mief im Haus, das lange leerstand, friemeln sie sie im Team Tapeten von den Wänden, lüften und lassen die Sonne rein. Oliver Leonhardt strahlt mit ihr um die Wette. Stolz und glücklich führt er durch die Räume, die so schnell wie möglich bewohnbar sein sollen. „Das machen wir als Erstes, damit wir Einnahmen haben und den Kredit zurückzahlen können“, sagt Leonhardt.

Die Etagen in diesem Flügel des Bahnhofs sind besser in Schuss, als man nach Jahren des Leerstands erwarten würde. In einigen, früher von Bahnbediensteten genutzten Zimmern liegt Teppich, viele haben bereits neue Doppelglasfenster; Toiletten, Waschbecken und Duschen müssen zumeist sogar lediglich geputzt werden. In zunächst drei Wohneinheiten wollen die Mittendrinler Dielen abschleifen und Küchen einrichten. Viele Sympathisanten des Vereins haben Unterstützung angeboten. Die Mitglieder feilen bereits an Arbeitseinsatz-Plänen, organisieren vegane Vollverpflegung und Schlafplätze für die Helfer. In der Luft liegt Aufbruchstimmung: Vor vielen Mittendrinlern liegt mit diesem Haus der Sommer ihres Lebens.

Bis 2015 wollen sie dort Stück für Stück ihre Träume verwirklichen. Der Bahnhof soll zu einem soziokulturellen Zentrum werden und eine Anlaufstelle für alle sein, die Gemeinschaft, Solidarität und Hilfe suchen. „Wir machen das Schritt für Schritt“, sagt Oliver Leonhardt. Er hält Kontakt zu einem Berliner Architekten, koordiniert Termine mit Bauaufsicht und Denkmalschutzbehörde, hält die Fäden in der Hand. Auch beim Danke sagen. „Wir sind gut vernetzt und haben gehofft, dass uns viele Menschen unterstützen“, sagt er. „Und es hat sich bestätigt.“ Von der Spendenbereitschaft ist Leonhardt überwältigt. Gerade kamen 10 000 Euro von der Martin-Niemöller-Stiftung, dazu viele kleine und große Privatspenden. Es gelingt dem Verein kaum noch, jeden einzelnen Unterstützer des Projekts zu nennen. Fest steht: Alle bekommen demnächst kleine Geschenke.

Das Mittendrin ist auch nach dem Kauf auf Hilfe angewiesen. Das Bahnhofsdach muss repariert, vielleicht sogar neu gedeckt werden. In der früheren Gaststätte im Erdgeschoss soll ein großer Raum für Konzerte, Lesungen und Treffen entstehen. Bei allen Umbauplänen setzen die Macher auf ihre Solidargemeinschaft. Auch auf ihre neuen Nachbarn wollen die Mittendrinler so bald wie möglich zugehen – damit Vorurteile gar nicht erst entstehen und praktische Fragen geklärt sind. Mit dem Bahnhof hat der Verein auch den Vorplatz gekauft. Dort parken viele ihre Autos. „Wir laden alle ein“, sagt Oliver Leonhardt. „Vielleicht können wir uns ja alle zusammen einen schöneren Parkplatz bauen.“

Auch mit dem letzten und bislang einzigen Mieter des Bahnhofes haben die Mittendrinler das Gespräch gesucht. Als ehemaliger Bahnbediensteter in leitender Funktion hätte der 73-Jährige Wohnrecht auf Lebenszeit. Das Mittendrin hatte ihm angeboten, zu bleiben. Doch inzwischen hat er für sich und seine Frau eine neue Wohnung gesucht. „Das ist mir zu viel Trubel“, sagt er und winkt ab. Seit 24 Jahren lebt er im Bahnhof. Den Hausmeister-Job überlässt er nun der Jugend. (Von Juliane Becker)

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