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Neuruppin Aktion „Kunst gucken, Kunst machen“ im Test
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Aktion „Kunst gucken, Kunst machen“ im Test
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00:22 08.10.2018
Matthias Zágon Hohl-Stein (l.) hilft Heidi Behrens und Hartmut Bumann bei der Aktion „Kunst gucken, Kunst machen“ in seiner Werkstatt in Karwe beim eigenen Holzschnitt. Quelle: Regine Buddeke
Karwe

 Schlag für Schlag treibt der Hammer den Stechbeitel ins weiche Holz. Heidi Behrens schaut kurz auf, schiebt sich eine Strähne hinters Ohr und hebt erneut den Hammer. Span um Span. Mit jedem schält sich ein Stückchen mehr die Form aus der Holzplatte. Man sieht die beiden Türme der Klosterkirche, die „Skyline“ von Neuruppin erhebt sich plastisch nach und nach aus der Vorlage. Eine Arbeit, die Zeit braucht. Heidi Behrens macht sie gewissenhaft und mit Lust zugleich. Schließlich will sie am Ende des Tages ihren eigenen Holzschnitt mit nach Hause nehmen.

„Kunst gucken, Kunst machen“ ist ein in Tagesausflug für alle Sinne: Die schöne Natur der Region, gepaart mit netten kunstinteressierten Leuten und Künstlern, viel zu schauen, Lust am Experiment und guter Kost.

„Es ist eine leicht zugängliche Technik“, erklärt Behrens. „Macht Spaß und ist ein toller Einstieg in die Kunst.“ Heidi Behrens ist im wirklichen Leben keine Kunstschaffende. Die Journalistin ist Test-Teilnehmerin bei „Kunst gucken, Kunst machen“ – ein Aktion, die die beiden Neuruppiner Kulturmanagerinnen Uta Bartsch und Cornelia Lambriev-Soost ersonnen haben und in der Testphase Stück für Stück so weit verfeinern, dass am Ende ein rundum gelungenes Tagesprogramm für die zukünftige Ausflugs-Reihe entsteht. Beim allerersten „Testballon mit Versuchskaninchen“ ging es zum Künstlerpaar Marina Schreiber und Michael Hischer in Betzin sowie zur Schmuckgestalterin Rima Chammaa nach Brunne.

2019 soll die Aktion „Kunst gucken, Kunst machen“ starten

Heidi Behrens und ihr Berufskollege Hartmut Bumann, die Tester am „Tag 2“, fertigen ihre Holzschnitte im Atelier des Karwer Künstlers Matthias Zágon Hohl-Stein. Bereits am Vormittag gewährte ihnen der Hausherr einen umfangreichen Blick in sein Reich – der Skulpturen-Garten, die hohe Werkstatt-Scheune, randvoll mit Kunst, und die kleine Galerie inmitten der grünen Kunstoase.

„Es war wunderbar – wir sind mit Kunst überflutet worden“, schwärmt Heidi Behrens. Dann gab es Mittagessen – die beiden Reiseleiterinnen haben für eine köstliche Quiche gesorgt – bevor dann am frühen Nachmittag die aktive Phase angesagt war. Die Aktion „Kunst gucken“ beschränkt sich nicht nur auf Input – sie beinhaltet auch Kunst selber machen.

Hohl-Stein hat „da mal was vorbereitet“. Die Holz-Platten sind für die Teilnehmer bereits mit einem Motiv bemalt. Eine Art Negativ. Alles was nicht weiß markiert ist, muss mit dem Stechbeitel weggeklopft werden. Am Ende steht das Motiv erhaben und kann gedruckt werden. „Wenn man bei Null anfängt, dauert es zwei Stunden bis zum fertigen Druckstock“, erklärt Uta Bartsch. „Aber für die Teilnehmer ist es ein tolles Erlebnis, am Ende den fertigen Druck mit nach Hause nehmen zu können.“

Das Angebot richtet sich an Kleingruppen

Während die Gruppe noch Kaffee trinkt, bereitet der Künstler den Druck vor, walzt einen Schluck Farbe auf der Platte zu einem gleichmäßigen Film, schneidet das Papier auf Format. Später zeigt er den Teilnehmern, wie sie die Farbe am besten aufs Holz bekommen, danach vorsichtig das Papier auflegen und mit einem Löffel Zentimeter für Zentimeter abreiben, auf dass es sich gleichmäßig mit Farbe vollsaugen kann.

„Wir haben einen sehr informativer Anleiter“, lobt Heidi Behrens. Auch der Lehrmeister ist am Ende zufrieden: „Eine runde Sache“, sagt er. „Die Leute sind interessiert und haben viel Fragen gestellt.“ Holzschnitt sei ja eine sehr expressive Technik. „Man hat relativ schnell beeindruckende Ergebnisse, so Hohl-Stein.

„Die Technik funktioniert auch für Kunst-Laien gut. Ich hatte mehr Erfolge als jemals im Werkunterricht“, ergänzt Tester Hartmut Bumann und lobt: „Diese Kopplung aus Kunstvermittlung und Selbermachen ist genial. Und auf hohem Niveau.“ Genau das wollen die Initiatorinnen erreichen. „Es soll ein kulturtouristisches Angebot werden“, erzählt Cornelia Lambriev-Soost. „Wir haben ja viele tolle Künstler hier in der Region, die gerne zeigen, was sie machen.“

Der Tag des offenen Ateliers stand ein bisschen Pate für die Idee von „Kunst gucken“. „Das ist ein schöner Anfang. Aber da haben die Leute meist viel zu wenig Zeit, weil sie von Atelier zu Atelier eilen“, erklärt Uta Bartsch, die sich schon lange mit der Idee herumtrug, einen runden Kunst-Tagesausflug zu gestalten. Immer wieder hätten Besucher, die auf Fontanes Spuren unterwegs waren, gefragt, was man hier sonst noch so machen könne. „Wir testen jetzt, was geht“, sagt sie.

Die Tagestour geht in jeweils ein Künstleratelier in der Region

Was ebenfalls eine wichtige Rolle bei „Kunst gucken“ spielt, sind die Kunstbänke – von denen es nun schon so einige im Ruppiner Land gibt. Die unikaten Kunstbänke verweisen auf geschichtlich, landschaftlich oder kulturell interessante Plätze. „Die in der Nähe stehen, bauen wir natürlich in den Tag ein“, so Lambriev-Soost. Am ersten Testtag waren das die Bänke in Hakenberg, Fehrbellin und Brunne – von Lothar Seruset, Anna Arnskötter und Rima Chammaa. Am zweiten Tag natürlich die von Hohl-Stein auf dem Karwer Knesebeck-Anwesen.

„Es soll eine runde Tour für alle Sinne werden“, erklären die Macherinnen ihr Projekt, das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg gefördert wird. Im ESF-Förderprogramm geht es um die Kompetenzentwicklung in Unternehmen der Kultur und der Kreativwirtschaft im Land Brandenburg.„Ein sehr individuelles Angebot. Und eines für gutes Wetter“, sagt Uta Bartsch. Für die kalte Jahreszeit sei man noch am Tüfteln.

Derzeit ist das Projekt in der Testphase, für den Feinschliff

Für die beteiligten Künstler sei es überdies eine gute Werbung, sagt sie und kann sich „Kunst gucken, Kunst machen“ auch gut als teambildende Maßnahme für Firmen vorstellen. Parallel zu den Testläufen entsteht die Website fürs Projekt, deswegen wieselt um die beiden Testteilnehmer auch ein Kameramann. „Er macht Videos für einen Werbefilm“, erklärt Cornelia Lambriev-Soost, die 2019 mit den Touren richtig starten möchte – eine lange Liste mit Künstlern steht bereits.

„Wir planen für Kleingruppen von bis zu sechs Personen“, so Bartsch. Ein dritter Testlauf ist noch angesetzt: Es geht nach Dagow zu Jürgen und Elli Graetz – er Fotograf, sie Malerin und Grafikerin. Dort können die Teilnehmer sich dann an der Collage-Technik ausprobieren.

 

Von Regine Buddeke

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