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Neuruppin Die bisher größte Klima-Demo in Neuruppin
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08:53 21.09.2019
Die bisher größte Klima-Demo in Neuruppin startete am Freitag vor der Fontaneschule im Neubaugebiet. Quelle: Andreas Vogel
Neuruppin

„Ich bin das Herz. Ich bin die Lunge. Ihr denkt, es brennen nur Bäume, dabei brennt ihr!“ Drastische Worte findet Corvin Drößler (20) am Freitag auf dem Neuruppiner Schulplatz. Dort haben sich statt der 120 erwarteten Menschen nahezu 1000 eingefunden, um bei der bislang größten Fridays-for-Future-Demo in der Fontanestadt eine bessere Klimapolitik zu fordern.

Corvin Drößler liest aus einem „Brief an die Menschheit“, der auch dem Wald ein Mitspracherecht gibt und verweist sowohl auf die verheerenden Brände im südamerikanischen Regenwald als auch auf die in der sibirischen Taiga.

„Entweder wir handeln oder es ist vorbei“

Die Rede wird lautstark bejubelt. Auffällig: Dieses Mal nehmen zahlreiche Erwachsene an dem Klimaprotest teil. „Unser Ziel ist es, Erwachsene zu vernetzen, sodass auch sie sich engagieren“, sagt Uwe Drößler (49), Gründungsmitglied von „Parents for Future“ in Neuruppin. Ute Erfurth (72) ist gekommen, um die Jugend zu unterstützen – weil es auch ihre Kinder und Enkelkinder betreffe, wenn der Klimawandel nicht aufgehalten werde.

„Es gibt keine Zwischenlösung mehr, entweder wir handeln oder es ist vorbei“, mahnt die Studentin Lea Rosenau (23). Es sei nur noch auf radikalem Wege möglich, etwas zu bewirken.

Das scheint die Meinung vieler Demonstranten zu sein: Bereitwillig folgen sie dem Aufruf zu einer besonderen Aktion auf dem Schulplatz: Sie legen sich aufs Pflaster und stellen sich zwei Minuten lang tot. Mit diesem „Die in“ soll auf das „lebensbedrohliche“ Verhalten der Politiker hingewiesen werden, die aus Sicht der Demonstranten viel zu wenig für den Schutz der Umwelt unternehmen.

Schüler wollen Bäume pflanzen

Auch diesmal waren Neuruppins Schulen mit mehreren Lehrern vertreten. „Ich habe Respekt vor allen Organisatoren und Teilnehmern“, sagt Christine Schippers, Leiterin des Schinkelgymnasiums. Neben den Demonstrationen sei es wichtig für die Schüler, praktisch zu handeln. Am Schinkel ist es geplant, dass die Siebtklässler Bäume ziehen, die sie als Neuntklässler auspflanzen, so die Schülerin Lena Kernchen (16).

Viele der Schüler haben selbstgemachte Plakate zur Demo mitgebracht. „Politiker macht eure Hausaufgaben, dann machen wir unsere“, heißt es beispielsweise. „Wir wollen uns nicht von irgendwelchen besserwisserischen Politikern unterkriegen lassen“, sagt auch Rosalie Brennicke (15). Es sei wichtig, auf die Straße zu gehen. Sonst werde es schwierig, in der Zukunft zu rechtfertigen, nichts gegen den Klimawandel unternommen zu haben.

Lieder zum Klimawandel umgeschrieben

Doch es werden nicht nur Reden gehalten. Sowohl der Evangelische Kammerchor als auch der Märkische Jugendchor des Schinkelgymnasiums haben Lieder aus ihrem Repertoire passend zum Thema Klimawandel umgeschrieben und tragen sie vor. Gemeinsam erklingt über dem Schulplatz „Ja, die Zukunft, die ist in Gefahr“.

Auch eine Fraueninitiative, die sich erst vor wenigen Wochen gegründet hat, meldete sich musikalisch zu Wort.

Gestartet war der Protestzug, der von der Polizei begleitet wurde, um 11.57 Uhr vor der Neuruppiner Fontaneschule. Für die richtige Stimmung sorgte eine Trommelgruppe aus dem Café Hinterhof in Neuruppin.

Die nächste Demo soll am 25. Oktober, dieses Mal in Rheinsberg stattfinden.

Von Anna Jette Kuhn

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