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Neuruppin Schlägerei in der Silvesternacht in Rheinsberg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Schlägerei in der Silvesternacht in Rheinsberg
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16:40 04.04.2019
Drei Männer aus Rheinsberg müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Neuruppiner Amtsgericht verantworten.
Drei Männer aus Rheinsberg müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Neuruppiner Amtsgericht verantworten. Quelle: dpa
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Rheinsberg

Das Jahr 2017 begann für drei Männer aus Rheinsberg nicht gut. Die zwischen 33 und 40 Jahre alten Männer waren in der Silvesternacht in eine Schlägerei verwickelt. Ungewollt, wie sie übereinstimmend sagten. Am Ende wurde der mutmaßliche Angreifer mit einem Messerstich lebensgefährlich verletzt.

Das mutmaßliche Opfer begann dieAuseinandersetzung

Nun müssen sich die drei Männer wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor dem Neuruppiner Amtsgericht verurteilen.

Alle drei schilderten bereitwillig ihre Sicht der Dinge auf das, was sich in jener Nacht ereignet haben soll. Der 40-jährige K. war demnach bester Stimmung, als er sich kurz vor Mitternacht von seiner Schwester und seiner Nichte verabschiedete, um zu sehen, was so in Rheinsberg los war und wen er treffen würde. Er hatte schon so einiges getrunken. Ein Atemalkoholtest ergab später 1,72 Promille.

Wechselseitige Pöbeleien

Auf der Schloßstraße sei ihm eine Gruppe Jugendlicher entgegen gekommen, die ihn angepöbelt habe. Er habe zurück gepöbelt, gab er zu. Ja, er habe gesagt: „Was willst du Kanake von mir?“ Das gehöre aber sonst nicht zu seinem Wortschatz.

Er sei dann weiter gegangen. Plötzlich sei er von hinten angesprungen worden und habe einen Tritt gegen die Schläfe bekommen, woraufhin er zu Boden gegangen sei. „Ich hatte Kopfschmerzen. Mir war schwindelig und ich war nur froh, dass meine Brille heil geblieben ist“, sagte der 40-Jährige.

Er wollte nur noch nach Hause. Da traf er die beiden Mitangeklagten, denen er von dem gerade Geschehenen berichtete. Die drei sahen die Gruppe wieder. „Ich wollte den Schläger zur Rede stellen. Körperliche Gewalt geht nicht“, sagte der Angeklagte.

Aus Mund und Nase geblutet

Doch sein Angreifer sei gleich wieder aggressiv geworden, habe sich von seinen Begleitern losgerissen und dem 33-jährigen Angeklagten J. einen derartigen Tritt ins Gesicht verpasst, dass dieser taumelte und zu Boden ging.

Unten liegend habe er, so J., eine Meute um sich herum stehen sehen und sei noch einmal getreten worden. Er habe sich dann aufrappeln können und gemerkt, dass er aus Mund und Nase blutete. Noch völlig benommen habe er das spätere Opfer auf sich zu rennen sehen.

J. schilderte weiter, dass er sein Schlüsselbund hervor geholt habe, an dem sich ein kleines Klappmesser befand. Das habe er aufgeklappt und vor sich gehalten mit den Worten: „Hau ab, verschwinde“. Doch sein Gegenüber habe sich nicht abhalten lassen, sei auf ihn mit ausgestrecktem Bein losgegangen, habe ihn aber nicht erwischt.

Mit dem Messer in Schach halten

Er habe den Angreifer dann mit beiden Händen – und dem Messer in der einen Hand – zurückgeschubst. „Dabei muss ich ihn getroffen haben“, sagte J. Er selbst habe von dessen Verletzung erst später erfahren. „Ich hatte furchtbare Angst und wollte den Angreifer mit dem Messer in Schach halten.“

Es sei alles so schnell gegangen. Gekannt habe er den Angreifer nicht, habe erst im nachhinein erfahren, dass dieser seit Jahren Kickboxen betreibe und schon einiges auf dem Kerbholz haben soll.

Am nächsten Morgen sei er in seiner Wohnung aufgewacht, noch völlig bekleidet und voller Blut, so J. Abends habe er von seinem Kumpel einen Anruf erhalten mit der Nachricht, dass jemand mit einem Messer verletzt wurde.

Laut Anklage soll es durch den Stich, der in den Oberbauch traf, zu einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung gekommen sein. Zehn Tage musste der Verletzte im Krankenhaus bleiben. Das ganze sei aus dem Ruder gelaufen und die Verletzungen bedauere er sehr, ließ J. über seinen Verteidiger mitteilen.

Der mitangeklagte K. wusste weder, dass J. ein Messer bei sich hatte noch, dass er es eingesetzt hatte. Davon hatte auch der dritte im Bunde nichts mitbekommen, wie er vor Gericht sagte.

J. gab an, er sei völlig neben der Spur gewesen – alkoholbedingt und durch die beiden Tritte. „Ich war noch nie in meinem Leben gewalttätig“, beteuerte er.

Am 11. April soll das mutmaßliche Opfer gehört werden.

Von Dagmar Simons