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Neuruppin Edition Bodoni veröffentlicht Holzschnitte zu Fontane-Zitaten als edle Drucke
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08:14 29.06.2019
Verleger Marc Johne mit einem der Fontane-Drucke: Die Edition Bodoni in Buskow gibt eine Mappe mit Holzschnitten von Manfried Scheithauer heraus. Quelle: Regine Buddeke
Buskow

„Ich lasse mich gern treiben ... und warte, wo mich die Welle landet“ – die klaren, holzgeschnitzten Buchstaben bilden wellenförmige Bänder. Auf der obersten Welle sitzt zurückgelehnt – wie in einem Schaukelstuhl – der Verfasser jener Zeilen, mit dem Notizbuch auf dem Schoß und der Feder in der Hand: Theodor Fontane.

Ein schöner Druck: Gestaltet hat den Holzschnitt Manfried Scheithauer, gedruckt wurde auf den altertümlichen Druckmaschinen der Edition Bodoni in Buskow. Es ist nur ein Motiv von zwölfen – allesamt vom selben Grafiker.

Lochner mochte den grafischen Duktus Scheithauers

„Alles begann auf der Leipziger Buchmesse 2018, als Reinhard Lochner an meinen Stand kam“, erinnert sich Marc Johne, Typograf und Verleger, der selbst immer wieder gerne typografische Blätter gestaltet, in Bleilettern setzt und in seiner Druckerei aufs Blatt bannt. „Er zeigte mir Holzschnitte von Manfried Scheithauer zu seinen Texten.“

Scheithauer, Jahrgang 1936 und ehemaliger Leiter der Gertrudenkapelle der Güstrower Barlach-Gedenkstätte, fand offensichtlich die Lochner‘schen Aphorismen gut; Lochner mochte den grafischen Duktus Scheithauers. Man fand zusammen, die Arbeit ging gut voran. Am Ende stand nur die Frage: Wer druckt’s?

Er macht das voller Idealismus

Hier nun kommt Marc Johne ins Spiel, der mit seinem Anspruch, Buchkunst auf die alte Art zu machen, immer wieder das Risiko von Kleinauflagen eingeht. Er tut das voller Idealismus, fühlt er sich doch dem typografischen Anspruch des großen italienischen Schriftschneiders Giambattista Bodoni verpflichtet, nach dem er seinen Verlag benannt hat.

Das heißt nicht, dass er sich in seinen Heine-Blättern und all den Büchern, die er so verlegt, ausschließlich auf die Bodoni-Type beschränkt. Es gibt so viele schöne Schriften.

Verlagslektorin Christa Kouschil mit einem der Original-Druckstöcke. Quelle: Regine Buddeke

Kurz – das Buch von Scheithauer und Lochner ist im März diesen Jahres erschienen. Marc Johne war das indes nicht genug. Auch er hat sich natürlich Gedanken gemacht, was man im Fontane-Jahr so anstellen kann. Ein neues Heine-Druckblatt gibt es erst im Dezember wieder – aber schließlich ist Heine nicht der einzige deutsche Dichter.

Fontane-Zitate sind auch eine schöne Sache, sagte sich Johne und auch ihm gefielen die Grafiken Scheithauers. Er fragte an – jener sagte zu. „Er war Feuer und Flamme“, beschreibt es Johne.

Die fertig gedruckten Blätter gibt es im Vielseithof

Er ist ebenfalls begeistert von dem Grafiker. „Wir sind ein Verlag, der sich durchaus der Kunst verpflichtet sieht“, erklärt der Bodoni-Editeur. Scheithauer sei unglaublich konstruktiv – jede Idee habe er sofort aufgenommen und perfekt umgesetzt. „Mit einem tiefen humanistischen Ethos – den findet man ja auch in Fontanes Texten.“

Nun ruht er nicht, auch andere dafür zu begeistern. „Was uns vorschwebt, ist eine Mappe mit allen Drucken.“ Aber auch einzeln kann man die bereits fertig gedruckten Blätter – teils ein-, teils aufwändig mehrfarbig – in seinem Vielseithof erwerben, wenn gerade eine Veranstaltung ansteht. Aber auch in Grafik-Galerien und Buchhandlungen möchte er sie anbieten.

Mit historischer Technik entstand der Druck. Quelle: Regine Buddeke

Marc Johne hat im Zuge dieser Grafik-Blätter noch ein weiteres Projekt entwickelt. Er möchte Kinder nicht nur an Fontanes Texte heranführen sondern auch an Schrift als solche. In einem Zeitalter, wo Dank digitaler Bildschirm-Texte sowohl individuelle Handschrift, als auch die hohe Kunst der Kalligrafie und Typografie vom Aussterben bedroht sind, möchte er in einem Schulprojekt mit Schülern der Montessorischule gern vermitteln, wie man Texte in Bilder umsetzen kann, Schrift als Gestaltungsmittel einsetzt. Fünf Texte will er dafür aussuchen, die Fontanes Schaffenskosmos spiegeln: als Romancier verschiedenster Frauengestalten, Fontane als Naturbeobachter, Kriegsberichterstatter, Theaterkritiker und natürlich Wanderer.“

Workshop im September geplant

In fünf Gruppen sollen dann fünf verschiedene großformatige Blätter entstehen. Kein Holzschnitt, das wäre zu gefährlich, sondern als Lithographie – das älteste Flachdruckverfahren, das im 19. Jahrhundert zu den am meisten angewendeten Drucktechniken für farbige Drucksachen gehörte. Gedruckt wird in Buskow - parallel dazu entstehen zu denselben Zitaten Lithographien im Museum Neuruppin. Der Workshop findet im September statt.

Am 2. Oktober werden die Arbeiten im Bodoni-Museum, Dorfstraße 22 in Buskow, präsentiert, die Vernissage beginnt um 17 Uhr – bei freiem Eintritt.

Von Regine Buddeke

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