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Neuruppin Effi Briest als musikalische Lesung begeistert bei Aequinox
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15:23 24.03.2019
Die Lautten Compagney untermalte musikalisch den berühmten Ehebruch der „Effi Briest“. Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Es ist einer der berühmtesten Ehebrüche in der deutschen Literatur: „Effi Briest“. Das Werk von Theodor Fontane ist ein Klassiker und dürfte im Fontanejahr eine neue Renaissance erleben. Auch die 10. Aequinox Musiktage zollen im Fontanejahr dem großen Dichter ihren Tribut und haben sich die traurige Geschichte der Effi angenommen. Geht das musikalisch?

Wie kann man Fontanes „Effi Briest“ in Musik gießen? Ganz einfach: Die Sprecher Eva Mattes und Christian Filips lasen die Effi-Essenz – die passende Musik kam von der Lautten Compagney, dem Calmus Ensemble, der Sopranistin Aurora Pena und dem Bläserquintett der Kreismusikschule. Es wurde ein umjubelter, unvergesslicher Abend.

Es geht – und wie. Die Neuruppiner Kulturkirche ist am Samstagabend rappelvoll – gut 600 Gäste lauschen dem knapp vierstündigen Programm – eine Länge wie eine Wagner-Oper – und bemerken gar nicht, wie die Zeit verrinnt. So wunderbar verwoben sind hier Text und Musik.

Christian Filips schreibt uns immer die Texte fürs Festival“, erzählt Wolfgang Katschner von der Lautten Compagney Berlin – der quasi „Festival-Residenzkapelle“ – der Jahr für Jahr nicht nur die Laute spielt sondern auch für die Auswahl von Künstlern und Programm zeichnet. Filips habe es geschafft, die Effi „auf drei Seiten zusammen zu kürzen“, so Katschner, „und sich überdies bereit erklärt, den Baron von Innstetten zu lesen.“

Für die Effi konnte Schauspielerin Eva Mattes gewonnen werden, die – nur mal nebenbei – in Rainer Werner Fassbinders Effi-Film von 1974 zwar nicht die Effi, wohl aber die Hulda mimte.

Eva Mattes leiht der Effi ihre Stimme

Als musikalische Begleiter hat Katschner das in Neuruppin inzwischen bekannte Calmus-Ensemble ins Boot geholt – auch sie sind der Alten Musik verfallen wie die Lautten Compagney – verarbeiten aber auch andere Musikstile wie Pop, Volkslied oder Chansons und Schlager für ihre Zwecke – fein arrangiert und pointiert präsentiert. Es ist immer wieder eine Freude, dem A-cappella-Quintett zu lauschen.

Auch Katschner geht es so – und weil das Ensemble bereits beim ersten Festival im Jahr 2010 dabei war, stand bereits im Vorfeld für ihn fest: „Dieser Abend muss mit Calmus stattfinden – und wird es auch“, erzählt er dem Publikum.

Calmus Ensemble mit feinen Arrangements unterschiedlichster Stile

„Sie erfüllt den Part der Operndiva“, kündigt Katschner als Solistin die Sopranistin Aurora Pena an. Und last not least: Traditionell trägt auch die Kreismusikschule ihr Quäntchen zum Aequinox-Festival bei – an diesem Abend hat sich das Blechbläserquintett auf der Empore postiert und eröffnet den musikalisch-literarischen Reigen, bei dem die Musik die ausgewählten Texte emotional untermalt.

„Baron Innstetten hält um Effis Hand an“, lesen Eva Mattes und Christian Filips – und wenig später „Das junge Brautpaar“. Wobei – jung ist da nur Effi, wie man weiß. “Was macht man musikalisch mit der Effi“, fragt Katschner rhetorisch und erklärt: „Zwei abgefahrene schräge Madrigale von Gesualdo.“ Der Komponist ist eine der schillerndsten Figuren der Musikgeschichte bekannt – nicht nur wegen seiner Musik, sondern weil er in persona in einen Eifersuchts-Doppelmord um seine Frau verwickelt war. Was würde besser zu Effi Briest passen?

Lautten Compagney ist „Aequinox-Residenz-Kapelle“

Text um Text vergeht wie im Fluge – die Sopranistin singt passend zum Ehestreit im Hause Innstetten eine Händel-Arie aus „Alcina“ – eine Liebende und darin Verlorene.

Ein Glanzstück ist „Der Auftritt der Trippelli“ – Eva Mattes lässt die Operndiva sprachlich schillern wie einen Pfau – eine Freude, ihr zu lauschen in all ihrer zwitschernden Gespreiztheit.

Zum „Ehebruch mit Crampass“ gibt es Purcell: „Hush no more“ ist schön, noch betörender dagegen „If Love’s a sweet passion“ – sahnig-süß und zum Schmelzen schön. Als Kontrast ein frech-badisches Volkslied rund um den Seitensprung. Immer wieder verzaubern auch die Musiker der Lautten Compagney mit historischen Schmelz.

Auch Sopranistin Aurora Pena erhielt viele Bravorufe

Es geht, wie es gehen muss: Die Entdeckung der Briefe, das Duell, Scheidung, Verstoßung. Die Sprecher lassen Fontanes Welt plastisch werden. Zwei triefend ironische Kreisler-Chansons entzücken ob ihrer nadelspitzen Bosheit. Vivaldi geht unter die Haut und Effis Ende wird von Sting untermalt. „Ein weites Feld“, hat Effis Vater das letzte Wort. Der Applaus ist riesig, immer wieder gibt es Bravorufe.

„Dass den Machern immer wieder etwas Neues einfällt – wunderbar. Die Verbindung zwischen Musik und Text war gekonnt gelöst“, schwärmt Zuhörerin und Fontane-Kennerin Uta Land, die die Trippelli-Szene „einfach köstlich“ fand.

Von Regine Buddeke

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