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Neuruppin Ein Leben auf dem Siedlerhof
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08:29 29.12.2018
Den DDR-Traktor aus Schönebeck, den Vater Walter anschaffte, gibt es nicht mehr. Neue Technik ersetzte ihn. Quelle: Privat
Neuruppin

Die Wiese vor dem Hofladen in der Nauener Straße ist verwaist. Enten und Gänse, die sich dort vor einigen Wochen noch das letzte Grün schmecken ließen, haben das Weihnachtsfest nicht überlebt. Im neuen Jahr kommen neue Küken, die dann wieder groß gezogen werden. Ein Kreislauf, den Eleonore Pangsy noch aus ihrer Kindheit kennt. Sie ist vor 69 Jahren auf dem Hof geboren. Auch damals gab es dort viel Federvieh, aber auch Schweine und Kühe, Hühner und Pferde.

1933 wurden die Häuser in der Nauener Straße für Landwirte errichtet, um ländliche Lebensformen zu fördern. Einen der Siedlerhöfe erhielten die Zielkes. Im vorderen Bereich befand sich der Wohnteil, dahinter schlossen sich Stall und Scheune an. Dazu gab es fünf Hektar Land. Großvater Karl Hermann August Zielke und seine Frau Marie Auguste Johanna bewirtschafteten den Hof, bis ihn 1947 Sohn Walter übernahm, der aus Stalingrad zurückgekehrt war und eigentlich gelernter Zimmermann war.

Doch das spielte in jener Zeit keine Rolle – junge Menschen, die mit anpacken konnten, wurden auf den Höfen gebraucht. Auf dem elterlichen Hof lernte Walter Zielke seine zukünftige Frau kennen. Sie hatte eigentlich nur Arbeit gesucht und half mit ihrer Schwester auf dem Hof aus. Gefunden hat sie dort auch den Partner fürs Leben.

Rund 30 Tiere zählt die Mutterkuhherde auf dem Treskower Hof. Hinzu gekommen sind auch in diesem Jahr viele Kälber. Quelle: Cornelia Felsch

Eine neue Verordnung über die Bodenreform in der Provinz Mark Brandenburg aus dem Jahr 1945 sollte die wirtschaftliche Grundlage eines neuen demokratischen Deutschlands bilden. „Der Grundbesitz soll sich in unserer neuen deutschen Heimat auf feste gesunde und produktive Bauernwirtschaften stützen, die Privateigentum ihres Besitzers sind“, heißt es in der Urkunde, die Walter Zielke zum Besitzer von einem Hektar Wald machte. „Mit dieser Besitzurkunde übernimmt der neue Besitzer die Verpflichtung, seine ganze Kraft der Sicherung der Ernährung des deutschen Volkes zu widmen“, heißt es in dem Schriftstück der Kreiskommission.

Walter Zielke mühte sich redlich, schaffte Pferde, Schweine, Hühner und weitere Milchkühe an. „Für die Schweine die zum Schlachthof kamen und das Getreide, das wir in der Annahmestelle ablieferten, bekamen wir Naturalien oder Lebensmittelmarken“, erinnert sich Eleonore Pangsy, deren Bruder Helmut Zielke auf dem Hof heute Landwirtschaft im Nebenerwerb betreibt.

„Auch als Kinder haben wir damals auf dem Feld geholfen“, erinnert sie sich. „Die Arbeit war sehr mühsam. Es wurde mit der Sense gemäht und das Korn mit dem Schlegel ausgedroschen. Die Garben kann ich heut noch binden.“ Da die Mutter meist auf dem Feld oder im Stall zu tun hatte, kümmerte sich Großmutter Marie um die Kinder.

Das Gras am Straßengraben wurde in mühseliger Handarbeit mit der Sense abgemäht. Quelle: privat

Spiele in freier Natur mit vielen Nachbarskindern, aber auch jede Menge Pflichten – so war das früher. Ein Fernsehgerät gab es nicht, die Kinder sahen sich Rollfilme an oder paddelten mit der Zinkwanne durch die Entengrütze im Tümpel. „Am Wochenende oder an Feiertagen hat mich meine Mutter mit dem Kuchen auf dem Blech zu Bäcker Henning geschickt, zum Abbacken. Auch bei den Hausschlachtungen sollten wir helfen. Aber das war nicht mein Ding. Wenn ich Blut rühren sollte, bin ich verschwunden.“ Das Fleisch wurde eingeweckt oder gepökelt, um es haltbar zu machen. Die Würste wurden geräuchert. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass eine unserer Stuben ausgeräumt wurden“, sagt Eleonore Pangsy. „Über die Stuhllehnen wurden Besenstiele gelegt, an denen die Würste aufgehängt wurden.“

Mit Lebensmitteln waren die Landwirte meist gut versorgt. „Butter und Quark haben wir selbst gemacht, im Garten wuchsen Gemüse und Obst. Um Südfrüchte zu bekommen, musste sich aber auch Mutter Erna im Russenmagazin anstellen. Dort gab es zu Weihnachten eine Orange pro Person. Die Schulbrote der Tochter waren immer gut mit Wurst belegt. „Ich habe oft meine Stullen getauscht, ich wollte lieber etwas Süßes“, sagt Eleonore Pangsy.

Das Heu war für die Kinder damals Spiel- aber auch Arbeitsplatz. Quelle: privat

Bruder Helmut musste nach der Schule oft auf dem Feld helfen. Der Vater hatte schon das Pferd angespannt – es blieb nur wenig Zeit, um schnell die Suppe zu löffeln. Dann wurde mit dem Schimmel gedrillt und geeggt. Das Leben war recht beschwerlich, fließendes Wasser aus der Leitung gab es nicht, im Garten stand die Pumpe und gekocht wurde auf dem Kohleherd. „Auch im Winter hat meine Mutter die Wäsche draußen im Zuber geschrubbt, sie hing dann steif gefroren an der Leine und musste am Kachelofen wieder aufgetaut werden.“ Walter Zielke war als Milchkönig bekannt. Er hatte die beste Milch in der Region und konnte besonders gut mit den Tieren umgehen. „Wenn mein Vater in den Stall kam, dann waren alle Tiere ruhig“, erinnert sich Eleonore Pangsy.

Heute führt Helmut Zielke den Hof in dritter Generation. Seine Schwester kümmert sich um den Hofladen. Milchkühe gibt es nicht mehr, dafür eine große Mutterkuhherde mit Nachwuchs. Außerdem gibt es Hühner, Schweine, Ziegen und Schafe. Seit August können die Kunden dort auch Broiler bestellen, die dort etwa 40 Tage dick und rund gefüttert werden, bevor sie dann frisch über die Ladentheke gehen.

Der Hof Zielke ist unter der Nummer 03391/50 43 15 zu erreichen. Der Laden ist dienstags bis samstags von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Cornelia Felsch

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