"Ein Pott" aus Silber und Gold fürs Museum
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Neuruppin „Ein Pott“ aus Silber und Gold fürs Museum
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin „Ein Pott“ aus Silber und Gold fürs Museum
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09:57 21.11.2019
Die Neugierde war groß. Auch Landrat Ralf Reinhardt (2. v. l.) und Kunstexperte Frank Druffner (l.) schauten sich das wertvolle Stück genau an. Quelle: Andreas Vogel
Neuruppin/Wittstock

Nur durch einen Zufall und die finanzielle Hilfe gleich mehrerer Stiftungen können Besucher der Kreismuseen Alte Bischofsburg in Wittstock ab heute einen besonderen Kulturschatz bewundern: eine aus Silber und Gold gefertigte Deckelterrine, die der Landrat des Ruppin’schen Kreises, Friedrich Wilhelm von Schenkendorff, 1860 als Dankeschön für seine 18-jährige Tätigkeit von Vertretern des Adels und des Bürgertums der Region erhalten hat.

In der besten Goldschmiedewerkstatt von Berlin gefertigt

Geschaffen wurde „das meisterhaft gestaltete“ Stück, das mit unzähligen Details aus der Region aufwartet, von der damals besten Goldschmiedewerkstatt in Berlin, sagte am Mittwoch Wittstocks Museumsleiterin Antje Zeiger, als sie den Kulturschatz gemeinsam mit Landrat Ralf Reinhardt (SPD) in Neuruppin präsentierte. Besonders aufmerksam schaute sich Alexander von Schenckendorff (66) die Deckelterrine an – weil sie bis vor einiger Zeit der Familie gehörte und er sich noch gut an sie erinnern kann, bis das von ihm „Pott“ genannte Prunkstück nach der Scheidung der Eltern verschwand. Vor zwei Jahren erfuhr von Schenckendorff, der in München lebt, zufällig, dass die wertvolle Deckelterrine übers Internet auf dem Kunstmarkt angeboten wird. Er schrieb die Galerie an und dachte auch kurz daran, das wertvolle Kunststück zu erwerben.

Auch eine Abbildung vom Rheinsberger Schloss enthält die Deckelterrine von 1860. Quelle: Antje Zeiger

Abgehalten haben ihn davon zwei Dinge: dass die verlangte Kaufsumme „unverschämt hoch“ gewesen sei und die Überzeugung, dass „der Pott in ein Schloss oder in ein Museum“ müsse.

Vier Gutachten prüften, ob die Terrine echt ist

Alexander von Schenkendorff suchte deshalb Kontakt zur Kreisverwaltung in Neuruppin und zu den Kreismuseen Alte Bischofsburg in Wittstock. Jedoch dauerte es noch zwei Jahre, bis die Deckelterrine am Mittwoch erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden konnte. Insgesamt vier Gutachten mussten klären, ob es sich um echte oder nachgemachte Kunst handelt und es keine sogenannte Raubkunst ist, die den Eigentümern während des Zweiten Weltkrieges zwischen 1933 und 1945 gestohlen wurde.

Die Karte des Ruppinschen Kreises ist auf dem Presentoir zu sehen. Quelle: Antje Zeiger

„Solche Gutachten holen wir immer ein, wenn wir uns an den Kosten für den Kauf beteiligen“, sagte Frank Druffner, stellvertretender Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder. Diese 1988 gegründete Stiftung half ebenso bei der Finanzierung wie das Potsdamer Kulturministerium und die Stiftungen des Landkreises und der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin. Musste doch eine fünfstellige Summe aufgebracht werden. Wer letztlich wie viel Geld beisteuerte und wie hoch der Preis war, wurde nicht verraten. „Jedes Kunstwerk hat seinen Preis, aber auch seinen Wert“, sagte Kunsthistoriker Druffner.

Wo stand 1860 das Kreishaus in Neuruppin?

Der Experte ist froh, dass die geschichtsträchtige Terrine vom Kunstmarkt geholt werden konnte, bevor sie, wie wohl geplant, ins Ausland verkauft wurde. Denn das „der Pott“ eine kultur- und kunsthistorische Bedeutung für die Region hat, das steht für Druffner außer Zweifel.

Hinzu kommt, dass nun wohl weitere Untersuchungen anstehen. Denn viele Details geben Rätsel auf, sagte Museumsleiterin Antje Zeiger. Dazu gehören die Abbildung eines Kreishauses in Neuruppin, das wohl ein Vorgängerbau des Landratsamtes war, sowie mehrere Jahreszahlen, die vermutlich auf die französische Okkupation und die Völkerschlachten bei Leipzig (1813) sowie bei Jena und Auerstedt (1806) verweisen. Aber was hatte der damalige Landrat damit zu tun, der auf Schloss Wulkow lebte? Das ist wohl eine andere Geschichte.

Alexander von Schenckendorff (r.) mit den Spendern und einem Bild seines Vorfahren, der sich nur ein Jahr über das wertvolle Geschenk freuen konnte. Er starb 1861. Quelle: Andreas Vogel

Von Andreas Vogel

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