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Neuruppin Eine ganz besondere Ehrung für Dirigent Takao Ukigaya
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13:23 05.01.2020
Normalerweise schwingt Jens-Peter Golde (l.) den Taktstock im Rathaus. Zu Ehren Takao Ukigayas dirigiert er diesmal aber dessen Orchester. Quelle: Reyk Grunow
Neuruppin

Das hat man selten: Der Dirigent darf zusehen, wie ein anderer sein Orchester dirigiert. Für Takao Ukigaya, Dirigent des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt und Chef des Neuruppiner Musikvereins, war es quasi ein Geburtstagsständchen, das er am Abend von Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde erhielt – hielt er doch den zuvor überreichten Gold-Fontane als Geschenk der Stadt in der Hand. Den traditionell als letzte Zugabe gespielten Radetzky-Marsch dirigierte an seiner Stelle der Rathaus-Chef.

Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder) gibt unter Leitung von Takao Ukigaya am 4. Januar 2020 zwei ausverkaufte Neujahrskonzerte in Neuruppin. Ukigaya feiert an diesem Tag seinen 67. Geburtstag und hat genau 20 Jahre zuvor erstmals das Staatsorchester geleitet. Die letzte Zugabe an diesem Tag dirigiert für ihn Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde.

Zwei ausverkaufte Konzerte – eines am Nachmittag, eines am Abend – spielte Ukigayas Orchester am Samstag. Für Ukigaya ist es ein doppelter Freudentag: Hat er doch genau vor 20 Jahren zum allerersten Mal das Staatsorchester dirigiert.

Das traditionelle Neujahrskonzert des Musikvereins bewegt sich üblicherweise in der Welt der Operette – soll das neue Jahr doch heiter und schwungvoll beginnen. „Von Wien nach Berlin“ ist denn auch das Motto – bestehend aus Kompositionen von Johann Strauß und Franz Lehár, Johann Schrammel, Nikolaus von Reznicek, Paul Linke und Richard Eilenberg.

Das Publikum nahm alle Stücke dankbar auf. Quelle: Regine Buddeke

Ah und Oh-Rufe- ertönen, als Takao Ukigaya die Bühne betritt. Wohl noch nie hat man den Dirigenten im leuchtend roten Sakko erlebt. Er versprüht Energie, die auf die Musik abfärbt. Die geniale „Fledermaus“-Ouvertüre ist als Einstieg ohnehin nicht zu toppen – frisch-frech-fröhlich-feurig wird das Publikum in Sektlaune versetzt, die Luft prickelt. Schmiss weicht Heiterkeit, fedrig leicht nimmt die Tik-Tak-Polka den Faden auf.

Dirigent hat Geburtstag

Lehárs „Lustige Witwe“ ist wie die „Fledermaus“ ein Operetten-Highlight. Ein Glanzlicht auch der Auftritt von Amelie Petrich, die das Lied der Vilja singt. Ukigaya holt sie von backstage ab – in leuchtend rotem Abendkleid besteigt die Sängerin die Bühne und stimmt zuerst einmal ein „Happy birthday“ an – mit Blick auf den Dirigenten.

Der Groschen fällt: Nun wissen alle, dass Takao Ukigaya just an diesem Tag des Neujahrskonzerts Geburtstag hat. „Ich bin jetzt 67 – aber sehr gut erhalten“, ruft er fröhlich in den Saal und zupft an seinem Revers.

Amelie Petrich singt beim Konzert vier Arien. Quelle: Regine Buddeke

Amelie Petrich switcht zurück ins Programm und bezirzt mit ihrem betörenden Sopran Publikum, Orchester und Dirigent gleichermaßen. Laut Programm soll Schrammels Wien-bleibt-Wien-Marsch folgen. „Wir haben anders geprobt, als im Programm steht“, ruft Ukigaya in gespielter Verzweiflung.

„Aber Sie sind mehr als wir – also spielen wir die Reihenfolge, die im Programm steht. Ich denke dieses Stück, das Orchester denkt anderes Stück. Ich weiß nicht, was jetzt kommt.“ Das Publikum lacht – die Noten hat das Orchester ja immerhin dabei. Und nach dem Marsch bringt der Frühlingsstimmenwalzer noch einmal freudetrunkenen Schmelz in die Luft.

Bürgermeister dirigiert am Abend die letzte Zugabe

Nach der Pause die Donna-Diana-Ouvertüre, dann „Madame Pompadour“. „Heut könnt einer sein Glück bei mir machen“, trillert, flirtet und flötet Amelie Petrich. Dann geht es vom Luxemburg-Walzer weiter „Von Wien bis Berlin“, die Lysistrate-Ouvertüre entführt nach Griechenland und später zu Frau Lunas „Schlössern, die im Monde liegen“ – dafür gibt’s Bravorufe für die Sopranistin.

Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde dirigiert für Ukigaya. Quelle: Reyk Grunow

Mit der „Petersburger Schlittenfahrt“ wird der Winter wieder eingeläutet. Amelie Petrich muss eine Zugabe singen und zwitschert glockenklar die Koloraturarie „Je veux vivre“ aus Gounods „Romeo et Juliette“.

Donnernder Applaus – das Orchester spielt „Berliner Luft“, die ersten klatschen stehend. Und dann kommt, was immer kommt: Die letzte Zugabe des Konzerts ist stets der Radetzky-Marsch. Am Nachmittag hebt Takao Ukigaya selbst beim Dirigat fast vom Boden ab. Am Abend schaut er zu und lächelt, wie ein Geburtstagskind eben lächelt.

Von Regine Buddeke

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