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Neuruppin Erntefahrzeuge als Hindernisse
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Erntefahrzeuge als Hindernisse
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08:33 28.07.2018
Landwirte müssen darauf achten, dass ihre Ladung gut gesichert ist, damit andere Verkehrsteilnehmer nicht durch herabfallendes Erntegut gefährdet werden können. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

In Brandenburg ist die Ernte in vollem Gange, auf den Straßen brauchen die Autofahrer nun oft wieder etwas mehr Geduld. Das langsame Tempo der Erntefahrzeuge und ihre teilweise sehr großen Ausmaße führen oftmals zu Behinderungen.

Aufgrund der Zusammenlegung von Flächen hat sich in den letzten Jahrzehnten die technische Ausstattung der Landwirtschaftsbetriebe maßgeblich geändert. Selbst Mittelstandsbetriebe kommen nicht mehr ohne große Technik aus und diese ist oft so konzipiert, dass es nicht mehr ohne Ausnahmegenehmigungen geht, weil die Bau- und Ausrüstungsvorschriften der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) nicht eingehalten werden können.

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Diese Ausnahmegenehmigungen werden meist schon vom Fahrzeughersteller beantragt, während eine Streckenerlaubnis – die ebenfalls notwendig ist – beim Landesbetrieb Straßenwesen oder bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde beantragt werden muss. Die Genehmigungen sind zeitlich beschränkt und müssen in mehrjährigen Abständen erneuert werden. Sie sind an etliche Auflagen geknüpft.

Überlange und überbreite Erntefahrzeuge müssen Warntafeln haben

Zum Beispiel müssen überbreite und überlange Fahrzeuge mit rot-weiß schraffierten Warntafeln versehen werden. Auf Fahrzeugen, die breiter als drei Meter sind, muss zusätzlich eine Rundumleuchte installiert werden. „Werden diese Regelungen nicht beachtet, dann ahndet das die Verkehrspolizei rigoros mit einem Bußgeld“, sagt Thomas Dobkowicz von der Sonderüberwachungsgruppe für Schwerlastverkehr bei der Polizeidirektion Nord.

Fahren Landwirte mit Traktoren und Anhängern, brauchen sie für ihre Anhänger keine Zulassung, wenn diese für landwirtschaftliche Zwecke verwendet werden und nicht schneller als 25 Kilometer pro Stunde fahren Das muss aber durch ein zusätzliches Schild angezeigt werden. Wer das nicht berücksichtigt, macht sich strafbar.

Und das gilt sowohl für den Fahrer als auch für den Fahrzeughalter. Der Hänger muss mit einem Kennzeichen versehen sein, das für ein Zugfahrzeug des Halters ausgegeben wurde. „Fehlt das Wiederholungskennzeichen, dann ist das eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Punkt und einem Bußgeld geahndet wird“, erklärt Thomas Dobkowicz.

Auch die Ladung muss gut gesichert werden

Die Ladung muss natürlich auch gut gesichert sein. Damit Erntegut wie Maishäcksel oder Stroh nicht durch die Gegend fliegen und andere Verkehrsteilnehmer behindern, muss die Ladung abgedeckt werden. Das gilt auch für Kartoffeln oder Rüben, die von der Ladefläche rollen können. „Fehlende Ladungssicherung während der Erntezeit, sorgt immer für Gefahrensituationen“, warnt der Beamte. Gerade bei Bremsmanövern kann es gefährlich werden.

Wer einen Teil der Ladung verliert, ist verpflichtet, die Verschmutzung zu entfernen. Das gilt übrigens auch für Erdklumpen, die sich oft im groben Reifenprofil der Landwirtschaftsfahrzeuge absetzen und sich beim Befahren der Straße dann lösen. Der Verursacher hat dafür zu sorgen, dass die Verschmutzung beseitigt wird, ansonsten drohen ihm nicht nur Bußgelder.

Sollte es zu einem Verkehrsunfall kommen, bei dem ein kausaler Zusammenhang zur Verschmutzung festgestellt wird, dann kann das auch für den Verursacher teuer werden, denn ihm wird eine Mitschuld angerechnet. Doch nicht nur Landwirte müssen in der kritischen Zeit bestimmte Vorschriften berücksichtigen, auch jeder „normale“ Verkehrsteilnehmer sollte Vorsicht walten lassen. Überholen darf nur, wer übersehen kann, dass jede Behinderung des Gegenverkehrs ausgeschlossen ist.

Von Cornelia Felsch