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Neuruppin Fast 3350 Eichen werden in Ostprignitz-Ruppin mit Gift besprüht
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Fast 3350 Eichen werden in Ostprignitz-Ruppin mit Gift besprüht

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19:00 26.04.2021
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Neuruppin

Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin sollen bis Ende Mai fast 3350 Eichen gegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners mit dem Biozid Forey Es besprüht werden – mit Hochleistungssprühgeräten vom Boden aus. Allerdings ist noch unklar, wann der Gifteinsatz beginnt. „Wir stimmen uns dazu mit der Landesforst ab“, sagte am Montag Britta Avantario von der Kreisverwaltung in Neuruppin. Demnach könne es noch zwei Wochen dauern, bis die Eichenblätter ausgetrieben sind und behandelt werden können.

Die für die Aktion ausgewählten Bäume stehen auf einer Gesamtfläche von etwa 40 Hektar, und zwar vor allem im Amt Neustadt, in der Gemeinde Heiligengrabe und der Stadt Wittstock. Darüber hinaus sollen Eichen an sechs Kreisstraßen, im Bereich des Oberstufenzentrums in Neuruppin sowie auf dem Evangelischen Friedhof in Neuruppin besprüht werden.

Behandelte Flächen dürfen durch Dritte frühestens nach dem Abtrocknen des Spritzbelages betreten oder befahren werden. Der Kontakt mit den Brennhaaren der Raupe kann Haut- und Augenentzündungen sowie Atemwegsbeschwerden verursachen. Im vergangenen Jahr hatten sich deshalb mehr als 100 Menschen in Ostprignitz-Ruppin in ärztliche Behandlung begeben müssen, teilte der Landkreis mit. Ähnlich viele waren es 2019.

Die Behörde spricht deshalb von einer gesundheitlichen Gefährdung der Bevölkerung – und geht gegen die Raupen des Spinners seit Jahren mit sogenannten Bioziden vor, zunächst auch aus der Luft. Doch dies hat sich nicht als so effizient erwiesen – denn für das Besprühen der Eichen aus der Luft soll es weder regnen noch zu windig sein.

Das Biozid, das auf den Blättern haften soll, enthält ein Bakterium, welches bei den Raupen nach dem Fraß der benetzten Eichenblätter zum Tod führt. Weil das Mittel auch negative Auswirkungen auf andere Schmetterlingsarten haben kann, plädieren Naturschutzorganisationen wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) dafür, auf den gezielten Gifteinsatz zu verzichten und stattdessen die befallenen Bäume abzusaugen oder mit heißem Wasser zu besprühen. Das Absaugen der Raupen von den Eichen ist aber teurer als das Besprühen.

Der Landkreis rechnet in diesem Jahr wieder mit Kosten von etwa 25.000 Euro. So teuer war die Sprühaktion auch 2020.

Zum Schutz des Wassers in den Seen, Flüssen und Gräben müssen die Sprühkanonen einen Abstand von 25 Metern einhalten. Zudem darf das Biozid nicht in ausgewiesenen Naturschutzgebieten sowie an den Horststandorten von Fischadlern, Schwarzstörchen, Rotmilan und Wanderfalken eingesetzt werden. 

Von Andreas Vogel