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Neuruppin Neuer Blick auf einen bekannten Autor
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Neuer Blick auf einen bekannten Autor
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17:02 29.03.2019
„Man kann Wörter wie Luftballons anfassen“: Kuratorin Heike Gfrereis. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Wie zeigt man einen Text, den jeder zu kennen glaubt? Vielleicht aus der Ferne, mit den Mitteln des „distant reading“. Für „fontane.200/Autor“ – der großen Leitausstellung zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane – haben die Ausstellungsmacher die häufigsten und die seltenen Wörter aus Fontanes Roman „Effi Briest“ mit einem Computerprogramm auszählen lassen. Am Ende entstand ein Wörterteppich, über den die Ausstellungsbesucher wandeln können. Besonders häufige Wörter wie „Zeit“ und „Zimmer“ sind unter ihren Füßen groß geschrieben. Die seltene „Zärtlichkeit“ dagegen versteckt sich klein in einer Teppichecke.

Irritation des Vertrauten

Mit der Eröffnung der Leitausstellungfontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin beginnt am Sonnabend das neunmonatige Festprogramm zum 200. Geburtstag Fontanes. Bis zu seinem eigentlichen Geburtstag am 30. Dezember soll es in der Region zahlreiche Veranstaltungen geben – Filmreihen, Lesungen, Jugendprojekte oder gar eine Pflanzenschau.

Die Neuruppiner Leitausstellung soll dabei einen frischen, neuen Zugang zu Fontane ermöglichen. „Wir wollen ihn unvertraut machen“, kündigte Friederike Tappe-Hornbostel von der Kulturstiftung des Bundes vor der Eröffnung der Ausstellung an.

Allesnotierer und Vielkorrigierer

Klar, dass die Ausstellungsmacher sich gegen eine brave Schau entschieden, die das Leben des bekanntesten Brandenburger Dichters nacherzählt. Die Museumsbesucher sollen vielmehr erfahren, wie Fontane, der Allesnotierer und Vielkorrigierer, gearbeitet hat. Drei Ausstellungskapitel führen in das „Schreiben“, „Texten“ und „Mixen“ ein. „Wir wollen zeigen, wie Fontane sich organisiert hat, um möglichst schnell und viel zu produzieren“, sagt Kuratorin Heike Gfrereis.

Fontane dachte auf dem Papier mit dem Stift in der Hand – das machen die ausgestellten Notizbücher sichtbar. Der Autor notierte ungeordnet Orte, Namen, Gespräche oder Einkaufslisten. Er skizzierte Reise-Impressionen und hielt Schlachtaufstellungen fest. Er habe gearbeitet „wie ein Pop-Literat der 90er“, sagt Gfrereis. Journalistische Recherchen, persönliche Anekdoten oder gar Werbung – alles floss ein in sein Werk ein.

Dicht beschriebene Notizbücher

Fontane beschrieb erst die rechte Seite seiner Notizbücher, dann die linke“, sagt Gfrereis. Kein Platz blieb in seinen Heftlein ungenutzt. Fontane notierte, korrigierte, beschrieb selbst die Heftränder. Diese vielen kleinen Versatzstücke, sagt Gfrereis, „waren das Skelett, das später mit Material behängt wurde“.

Etwa 25000 Wörter, das zeigt eine quantitative Textanalyse, wurden bei Fontane nur einmal verwendet. Zärtlichkeitsallüren, Ermutigungspromenade oder Waldteufelgebrumm – der Autor erfand Worte, die sonst nirgendwo zu lesen sind. „Wörter sind die minimalste poetische Einheit“, sagt Gfrereis. „fontane.200/Autor“ würdigt zum großen Jubiläum 200 dieser Wortspielereien auf Wandtafeln, Papierbögen oder auf großen gelben Ballons.

Großes Begleitprogramm

fontane.200/Autor“, die Leitausstellung zum Fontanejahr ist von Sonnabend, 30. März, bis Montag, 30. Dezember, im Museum Neuruppin zu sehen. Die Schau öffnet am Sonnabend, 30. März, um 16.30 Uhr – geöffnet ist an diesem Tag bis 22 Uhr. Anschließend ist die Ausstellung montags sowie donnerstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr sowie mittwochs von 10 bis 19 Uhr zu sehen.

Das Museum bietet Führungen immer donnerstags ab 16 Uhr und sonntags ab 14 Uhr an.

Der Eintritt kostet für Erwachsene acht Euro, ermäßigte Karten kostet für sechs Euro. Mittwochs zwischen 17 und 19 Uhr ist der Eintritt für alle Besucher kostenlos.

Die Leitausstellungfontane.200/Autor“ hat ein umfangreiches Begleitprogramm. Informationen zu diesem Programm unter www.museum-neuruppin.de und www.fontane-200.de

Doch nimmt sich die Schau auch der Füllwörter an – dem „und“, das Fontane gegen alle Korrekturwünsche eines Lektors verteidigte, oder dem „eigentlich“. Ganz nebenbei erfährt der Ausstellungsbesucher dann doch etwas von den Seelenzuständen des Autors. „Eigentlich ist alles soso“, heißt es in dem dazu ausgewählten Fontane-Gedicht. Und: „eigentlich ist alles nichts“.

Von Frauke Herweg

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