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Neuruppin Fontane als Botaniker
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Fontane als Botaniker
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11:51 30.06.2019
Der Schauspieler und Fontanekenner Alexander Bandilla führte am Sonnabend durch den Tempelgarten und stellte Pflanzen aus Fontanes Werken vor. Quelle: Cornelia Felsch
Neuruppin

„Man wandelt nicht ungestraft unter Palmen“ – so heißt es in Fontanes Roman „L'Adultera“. Der Satz ist an Melanie gerichtet, die im Palmenhaus des Gärtners Kagelmann eine Zeit lang ungestört mit ihrem Rubehn verbrachte. Ihre Anstandsdame hatten sie abgehängt.

Die Faszination der Palmen

Die Faszination, die exotische Palmen zu Fontanes Zeiten auf die Europäer ausübte, führte dazu, dass Palmenhäuser zu unverzichtbaren Elementen in herrschaftlichen Anwesen wurden. In der Literatur mauserten sich diese zum Ort der Verführung. So auch bei Theodor Fontane. Bei ihm stehen die Palmen für den Wandel im Leben.

Fontane fordert dazu auf, genau zu lesen“, sagt Alexander Bandilla, der am Sonnabend 15 Besucher durch den Tempelgarten führt. Dieser präsentiert sich in diesem Jahr als Fontane-Garten. „In seinen Romanen blüht nichts umsonst“, sagt der Schauspieler. „Alles hat seine Bedeutung.“

Fontanepflanzen im tempelgarten Quelle: Cornelia Felsch

Bei der Lektüre der Romane stößt man allenthalben auf botanische Merkwürdigkeiten. In einem Aloe-Kübel, der auf der Rampe zum Schloss Stechlin steht, hat sich zugleich ein Wasserliesch angesiedelt. Er verhilft der Aloe jährlich zu Blüten, die ihr eigentlich nicht gehören. Der alte Dubslav lässt seine Besucher allerdings in dem Glauben, dass dies die Blüten der Aloe sind.

Als Apotheker mit Pflanzen vertraut

Als Sohn eines Apothekers lernte Theodor Fontane schon frühzeitig die Pflanzenwelt kennen, und in seiner Apothekerlehre kam er um das Fach Botanik nicht herum. „Er war in diesem Fach auch sehr gut“, sagt Bandilla. Er kannte die Heilwirkung der Pflanzen und auch deren Bedeutung in den unterschiedlichsten Kulturepochen.“

Kübelpflanzen im Tempelgarten Quelle: Cornelia Felsch

Im Tempelgarten sind nun einige der Pflanzen zu sehen, die auch in seinen Werken eine Rolle spielen. Zu verdanken ist das dem Tempelgartenverein, der dafür gesorgt hat, dass aus Palmen, Agaven, Lorbeerbüschen, Wacholder-Bäumchen und Myrten in großen Kübeln ein Botanikrundkurs á la Fontane entstanden ist.

Gängiges Mittel zum Schwangerschaftsabbruch

Liebstöckel, Wacholder und Allermannsharnisch – das sind die Pflanzen, mit denen die alte Buschen in FontanesStechlin“ hantiert. Liebstöckel stand damals für Liebeszauber, Wacholder war ein gängiges Mittel zum Schwangerschaftsabbruch. Allermannsharnisch sollte unverwundbar machen.

Jungfräulichkeit und Lebenskraft

Der alte Dubslav vertraut sich der Kräuter-Frau an und hoffte auf Linderung seiner Leiden, denn sein Hausarzt weilt in der Schweiz bei einer Kur. In Fontanes Roman „Quitt“ spielt der Myrtenkranz eine Rolle, in „Unwiederbringlich“ stellt sich die Frage Myrte oder Efeu. Myrtenzweige symbolisieren Jungfräulichkeit und Lebenskraft.

Vergissmeinnicht, Ehrenpreis, Immortellen, Rhabarber- und Feigenblätter sind in Fontanes Werken präsent. „An keiner Pflanze in Fontanes Schriften sollte man achtlos vorüber gehen“, rät Alexander Bandilla den Lesern.

Von Cornelia Felsch

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