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Neuruppin Fontanefestspiele mit Vernissagen und Lesung eröffnet
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Fontanefestspiele mit Vernissagen und Lesung eröffnet
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11:32 31.05.2019
Festivalmacherin Uta Bartsch bei der Vernissage mit dem von Quint Buchholz inspirierten Festspiel-Flyer Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

 Ein Hase hoppelt friedlich über eine Wiese. Eine idyllische Szene, wäre da nicht der riesige Felsbrocken der bedrohlich über ihm schwebt. Oder fällt? Man weiß es nicht – und genau das reizt zum Hinsehen, den Faden weiter zu spinnen. Genau wie auf einem anderen Bild das Pferd, dass sich anschickt, auf das Seil zu gehen, das sich von einem Leuchtturm aus hoch oben über das Meer ins Nirgendwo spannt. Oder das Gründerzeithaus, vor dem riesige Fische in der Luft schweben – statt der Großstadttauben.

Bis zum 10. Juni ist jetzt ordentlich Programm: Schon am Eröffnungsabend der Fontanefestspiele und des Festivals der Reiseliteratur gab es zwei Vernissagen, eine Lesung und einen Film zu erleben.

Quint Buchholz‘ Bilder sind still, voller Geheimnisse und von magischer – oft surrealer – Poesie: Manche Szenen erinnern an die großen Surrealisten. Es sind „Anfänge von Geschichten, die weitererzählt werden wollen“, heißt es im Flyer der Neuruppiner Fontanefestspiele, die mit der Vernissage der Buchholz’schen Ausstellung in der Galerie am Bollwerk am Donnerstag eröffnet werden.

„Wir hatten ihn schon 2015, beim allerersten Reiseliteraturfestival, auf dem Kieker“, sagt Festival-Mitorganisatorin Uta Bartsch. Nun freue sie sich, dass es endlich geklappt habe mit dem Illustrator, der nicht nur Elke Heidenreichs, Jostein Gaarders und Stephen Hawkings Bücher illustriert hat, sondern auch eigene Texte.

In der Galerie am Bollwerk stellt Quint Buchholz aus

Das Bild „Zauberworte II“ mit den himmelschwebenden Großstadtmenschen etwa ist eines aus seinen eigenen Büchern: „Er hat uns erlaubt, das Bild für unsere diesjährigen Werbeflyer zu verwenden“, freut sich Uta Bartsch. Mehr noch – er habe sogar eigens noch einen Fontane geschaffen, der nun anstelle des Aktentaschen-und-Anzugträgers in der Szenerie geistert.

Der Münchener Quint Buchholz wird vom 12. bis 14. Juni innerhalb des Festivals Workshops mit Kindern in Neuruppin veranstalten, offeriert Uta Bartsch, die gemeinsam mit ihren langjährigen Mitstreitern Peter Böthig und Otto Wynen die Schau vor rund 25 Kunstinteressierten eröffnet. Wynen verspricht statt der Einführung eine Entführung oder besser noch Verführung und lobt die geheimnisvollen, verzauberten Welten Quint Buchholz‘: Ein „Trainingslager der Weltfremdheit“ nennt er es.

Uschi Jung hat QR-Codes mit Fontane kombiniert

Die Schau ist nicht die einzige, die an diesem Abend eröffnet wird: Am Schulplatz öffnet Künstlerin Uschi Jung ihre Atelier-Galerie. „Fontanes Fingerprint“ nennt sie sie. An den Wänden tummeln sich QR-Codes aller Couleur – mal schlicht, mal in farbenfrohe Großformate integriert. Gerade die farbigen haben einen dekorativen Reiz und erinnern an Op-Art.

Die Message ist mit einem QR-Code-Leser dechiffrierbar: Fontanezitate, Textversatzstücke, Definitionen, Beschreibungen, Schlüsselwörter. Uschi Jung hat im Internet gesucht und alles im Grafikprogramm generiert, bevor sie es gestaltete und druckte. „Preußischer Kopfstand“ heißt etwa eines der Bilder. Schon tippen die Besucher auf ihren Handys, um die App zu suchen.

Lesung mit Maxim Leo

Wie sie auf die Idee kam? „Ich habe mich gefragt, ob man Fontane heute überhaupt noch verstehen kann“, erklärt die Künstlerin. „Er lebte ja in einer ganz anderen Welt.“ Ein QR-Code sei eine tolle Entsprechung: „Wenn man ein Lesegerät hat, kann man die verschlüsselten Botschaften entziffern. Ansonsten kann man es sich aber auch einfach nur anschauen.“ So wie man sich an der Sprache Fontanes erfreuen kann, auch ohne dessen Welt und Wertungen restlos zu verstehen.

Wenig später beginnt im Alten Gymnasium die erste Lesung des nunmehr bereits sechsten Europäischen Reiseliteraturfestivals. Maxim Leo liest und spricht mit seiner Podiumsdiskussionspartnerin – der Radiomoderatorin Shelly Kupferberg – über sein Buch „Wo wir zuhause sind“. „Kompakt, berührend, intim, persönlich“, nennt Kupferberg das Buch, in dem der Autor sich mit seiner deutsch-jüdischen Familiengeschichte auseinandersetzt.

Reise in die Familiengeschichte – beim Reiseliteratur-Festival

Hauptheldinnen sind drei Frauen, die es während der Nazijahre aus Berlin ins Ausland trieb: London, Frankreich, Palästina sind die Stationen, die auch Maxim Leo bereiste. Eine Spurensuche durch Raum, Zeit und die eigene Vergangenheit: Was würde besser in eine Reiseliteraturfestival passen?

Leo freut sich, so flachst er locker zwischen den Lesepassagen, sein Neuruppinbild endlich komplett verwandelt zu sehen. Einst als Kind habe er ein Neuruppin-Trauma durch einen wütenden Hund erlitten – nun habe ein Segeltörn auf dem Ruppiner See ihn davon geheilt-befreit. Die Lesungsbesucher lachen – viele kaufen später das Buch, lassen es signieren und stellen dem Autor Fragen, während der Zeitplan wankt.

Filmlounge bietet insgesamt elf Filme

20 Uhr nämlich sollte bereits die Filmlounge starten – das schiebt sich nun eine Stunde weiter. Nichtsdestotrotz bleiben noch ein Dutzend Besucher im Raum, um sich „Melanie van der Straaten“, die DDR-Verfilmung von Fontanes „L’Adultera“, anzusehen. Es ist der erste der elf Streifen der mittlerweile beliebten Filmlounge – Fontane-Verfilmungen, aber auch dessen Zeitgenossen Dickens, Flaubert und Thackeray.

Um es mit den Worten von Uta Bartsch zu beschreiben: „Der Marathon ist eröffnet.“ Noch bis zum 10. Juni wird es bei den Fontanefestspielen samt Literaturfestival jede Menge Lesungen, Filme, Ausflüge, Kunstaktionen und mehr geben.

Das komplette Programm der Fontanefestspiele findet man hier.

Von Regine Buddeke

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