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Neuruppin Fontanes Theaterstücke kommen erstmals auf die Bühne
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Fontanes Theaterstücke kommen erstmals auf die Bühne
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08:25 30.09.2019
Die Schlossfestspiele Ribbeck führen Fontanes Theater-Fragmente in Neuruppin auf – im Bild Schauspielerin Cornelia Jahr und Dramaturg Alexander Altomirianos. Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Dramatische Stoffe mit Duell und Tod aus gebrochenem Herzen wie bei Romeo und Julia? Gewiss – „Effi Briest“ vereint beides. Theaterkritiken? Auch das, und nicht zu knapp. Auch an Shakespeare-Inszenierungen hat sich Fontane jahrzehntelang genüsslich die Zunge gewetzt. Wenn einer Shakespeare von A bis Z kennt, dann der märkische Wanderer. Aber dass Theodor Fontane selbst Dramen und Komödien a la Shakespeare schrieb? Oh, doch – wie die nach Fontanes Tod gefundenen Fragmente beweisen.

Fontane-Fragmente

Es sind keine vollständigen Stücke – nur Teile. Aber als Claus Stahnke, Leiter und Regisseur der Theaterfestspiele Ribbeck, 2014 im Rahmen seiner Recherchen für die Effi-Inszenierung auf die Fragmente stieß, war er sofort begeistert von der Idee, diese auf die Bretter zu bringen. Wann und wo, war damals noch nicht klar. Nun war die Zeit reif: Wann und wo, wenn nicht im Fontanejahr in Neuruppin? Es wird eine Welturaufführung.

Karl Stuart“ und „Der letzte Liepewinkler“

Das Ribbecksche Ensemble ist nicht zum ersten Mal in der Fontanestadt zu Gast – vor ein paar Wochen haben sich die Mimen mit einer „Effi Briest“ im Tempelgarten noch ein paar mehr Fans erspielt. Mit dem Historiendrama „Karl Stuart“ – geschrieben wohl 1848 – und dem vermutlich 1845 entstandenen parodistischen Trauerspiel „Der letzte Liepewinkler“ wird das Ribbecker Theater ein Kontrastprogramm auf die Bühne bringen – besser gesagt ins Neuruppiner Museum, wo die Uraufführung am 5. Oktober stattfinden soll. „Es gab einen Fördertopf für interessante, noch nie dagewesene Projekte innerhalb des Fontane-Jahres“, erzählt Dramaturg Alexander Altomirianos.

Fontane schrieb drei Akte von fünf geplanten

Ein Kontrastprogramm deshalb, weil „Karl Stuart“ ein Historien- und Königsdrama ist, wie sie Shakespeare etwa mit „Richard III“ oder „Heinrich V“ schrieb und dabei auf real existierende Personen und historische Geschehnisse einging. Der „Liepewinkler“ indes ist ein laut Fontane „parodistisches Trauerspiel in fünf Akten“, von denen Fontane allerdings nur drei vollendete. „Es liest sich aber eher wie ein Schwank. Und genauso wollen wir es auch spielen – parodistisch und mit überzogenen Charakteren, in Richtung Commedia dell’Arte“, erklärt der Dramaturg, der in „Karl Stuart“ auch den Oliver Cromwell mimt.

Historischer Stoff muss Fontane gereizt haben

Warum Fontane beide Stücke nicht bis zum Ende schrieb, darüber könne man nur mutmaßen, sagt Altomirianos. „Hatte er keine Zeit dafür? Oder keinen Mut, weil er sich im Vergleich zu Shakespeare, der ihn ganz eindeutig inspiriert hat, nicht gut genug fühlte?“ Aber auch der Stoff muss ihn gereizt haben. Immerhin gäbe es den „Karl Stuart“ in acht verschiedenen Varianten. Karl, der Enkel der Maria Stuart, ein König, der immer wieder absolutistische Alleingänge hinlegte und sich über das Parlament hinwegsetzte und somit einen Bürgerkrieg in England auslöste. Davon handelt auch Fontanes Fragment.

Parallelen zum Brexit

„Das mit dem Ignorieren des Parlaments ist schon eine interessante Parallele zum heutigen Brexit – aber die werden wir nicht ins Stück pressen“, führt Altomirianos an, der sich ziemlich tief in die damaligen historischen Geschehnisse eingearbeitet hat. Eine Zeit voller Mord und Totschlag, Kämpfe und Schlachten, Bündnisse und Zweckheiraten, politischer Zerwürfnisse und Glaubenskriege. Auch Karl war letztlich glücklos in seinen Kriegen, überwarf sich mit dem Parlament, das eine Kontrolle der Regierung forderte – Oliver Cromwell wurde dabei zur Schlüsselfigur für den Bürgerkrieg und das weitere Schicksal Karls, der 1649 enthauptet wurde.

Romeo und Julia auf Usedom

„Der letzte Liepewinkler“ dagegen weist Parallelen zu „Romeo und Julia“ auf. Es geht um die blutige Fehde zweier verfeindeter Familien und um Liebe zwischen den verhärteten Fronten – in den benachbarten Orten Koserow und Liepewinkel auf Usedom. Und um den Feigling Falstaff. Aber auch um Politik. „Man könnte Fontane unterstellen, dass er im Stück mit spitzer Feder und auf humoristische Art und Weise Kritik an Krieg, Ehre auf dem Schlachtfeld, Vaterlandsehre üben wollte. „Wir werden uns da richtig draufsetzen – mit viel Lust an der Karikatur“, verspricht der Dramaturg. Es werde ein intelligent-vergnüglicher Abend von rund 100 Minuten. „Ein Einblick in eine andere Facette Fontanes. Und gefochten wird auch.“

Starke Texte, nicht nur für Fontane-Fans

Für beide Fragmente gilt: „Es sind starke Texte, schwere Texte, gute Texte. Die sich durchaus mit denen Shakespeares messen können“, schwärmt Alexander Altomirianos. Also durchaus nicht nur Stücke für Fontanefans und Fontanekenner: „Dank der hohen Qualität der Texte.“

Die Ribbecker haben den Fontanetext weitgehend im Original einstudiert. „Nur die Texte auf weniger Personen verteilt – wir sind ein kleines Ensemble“, erklärt der Dramaturg. Natürlich mussten beide Fragmente vervollständigt werden und einen Schluss bekommen, um als eigenständiges Stück aufführbar zu sein. Die neuen Textteile lehnen sich stilistisch eng an den Originaltext an. „Man wird keinen Unterschied hören. Aber wir verraten schon, bis wohin der Fontane-Originaltext geht“, so Altomirianos.

Welturaufführung am 5. Oktober im Neuruppiner Museum

Das Schlusswort für den „Liepewinkler“ hat Schauspielerin Cornelia Jahr ihrer Falstaff-Figur selbst geschrieben: „Die Welt, die braucht mehr Narren so wie mich: Ich schrei nicht ‚Kampf‘, nicht ‚Sieg‘, nicht ‚Ehre‘. Und eh ich heldenhaft mich gegen meine Gegner wehre, bin ich nicht dumm und falle einfach um. Es bleibt dabei – und das ist allerwege gut – Vorsicht ist der wahre Mut.“ Ganz anders die Ribbecker Theater-Macher: Wenn die sich nur an Vorsicht hielten, hätten sie sich schwerlich an den Fontane-Fragmenten versucht. Manchmal muss man sich halt doch mutig aus dem Fenster lehnen.

Die Premiere findet am Samstag, 5. Oktober, ab 19.30 Uhr, im Museum Neuruppin statt. Vier weitere Vorstellungen folgen in der Kirche Bechlin am 12. Oktober, 18 Uhr und am 13. Oktober, 15 Uhr sowie in der Kirche Krangen am 19. Oktober, 18 Uhr und am 20. Oktober, 15 Uhr. Karten ab 15 Euro gibt es auch im MAZ-Kundencenter, Karl-Marx-Straße 64 in Neuruppin. Infos unter www.schlossfestspiele-ribbeck.de.

Von Regine Buddeke

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