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Neuruppin RBB dreht Doku über Orte aus Fontanes Wanderungen
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01:15 19.05.2019
Kameramann Thomas Lütz und Mirko Heise (Ton) dokumentieren den Verfall von Gut Gentzrode. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

In einem zerstörten Fenster nisten Vögel. An einigen Stellen sind die Decken so eingebrochen, dass der Himmel blau durch die Löcher blitzt. Gut Gentzrode ist eine Ruine. „Ein Drama“, sagt Regisseur Johannes Unger.

Vor Kurzem begann der Fernsehsender RBB mit den Dreharbeiten für den Fünfteiler „Die Entdeckung der Heimat – Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Für den ersten Teil bereisten Unger und sein Team Orte, die Fontane im ersten Band seiner Wanderungen beschrieb. Neuruppin, Karwe, Ganzer, Meseberg, den Stechlin – und auch Gut Gentzrode.

Einige Orte existieren nicht mehr

„Wir wollen zeigen, wie Fontane die Orte vorgefunden hat und wie sie heute sind“, sagt Unger. Einige der von Fontane beschriebenen Orte – etwa das Schloss von Karwe - existieren heute nicht mehr. Andere wie das Schloss Meseberg wurden aufwändig saniert.

Der Kornspeicher wurde 1861 erbaut, 1876/77 folgte das Herrenhaus für die Familie Gentz. Nach wechselvoller Geschichte wurde das Gelände ab 1934 von der Wehrmacht, danach von der Roten Armee genutzt. Seit Anfang der 1990 er Jahre verfallen die Gebäude.

In seiner Recherche suchte Unger nach Menschen, deren Lebensgeschichten mit den von Fontane skizzierten Häusern und Landschaften verbunden sind. In Ganzer traf er sich mit Katrin Mason Brown von der Kinder- und Jugendkunstakademie und ihrem Mann Charles. In Karwe bat er Krafft von dem Knesebeck vor die Kamera. In Gentzrode aber wurde es schwierig. „Hier gibt es keinen mehr, der etwas erzählen könnte.“

Doch berührt die Geschichte des verlorenen Ortes viele Menschen. Der Berliner Fotograf Christian von Steffelin hat mit seiner Kamera bereits das leise Verschwinden des Palastes der Republik dokumentiert. In Gentzrode stellte er in dieser Woche seine Plattenkamera auf – und das RBB-Team begleitete ihn dabei.

Dokumentarist des Vergänglichen

„Ich war erstmal ein bisschen sprachlos“, sagt der Dokumentarist des Vergänglichen an seinem zweiten Arbeitstag in Gentzrode. Wer verfallene Häuser besuche, frage unweigerlich nach den Menschen, die dort einmal gelebt haben. „Warum sind die weggegangen?“

Kameramann Thomas Lütz filmt von Steffelin dabei, wie er die schwere Plattenkamera in einem ehemaligen Kaminzimmer aufbaut. Auf einem 2004 gemachten Foto ist das Parkett des Zimmers noch erhalten. Inzwischen ist es fast vollständig zerstört. Als von Steffelin das Zimmer betritt, knirscht unter seinen Füßen der Bauschutt.

Fotograf Christian von Steffelin dokumentiert den Verfall von Gut Gentzrode Quelle: Peter Geisler

Auch Neuruppins Baudezernent Arne Krohn kam für die Dreharbeiten nach Gentzrode. Anfang Mai hatte Krohn zuletzt Kontakt mit dem türkischen Investor, der zuletzt ein Golfressort mit separaten Feriendorf in Gentzrode bauen wollte. Die Stadt drängt darauf, dass der Unternehmer zunächst einmal das akut bedrohte Ensemble sichert. Noch allerdings ist völlig unklar, ob und wann die Arbeiten beginnen.

Schon im vergangenen Jahr hatte Krohn davor gewarnt, dass Gentzrode in Kürze nicht mehr zu erhalten sein dürfte. „Nach meiner Einschätzung ist mittlerweile nur noch die Hülle zu retten“, sagt er inzwischen. „Der Innenausbau müsste rekonstruiert werden.“

Plünderei und Vandalismus

Bei der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises weiß man, wie enorm schwierig die Sicherung Gentzrodes ist. Nach dem Kauf habe sich der Besitzer zunächst sehr wohl um die Sicherung bemüht, bescheinigt ihm die Behörde. Allerdings sind die Sicherungsmaßnahmen inzwischen weitgehend zerstört. „Der heutige Zustand von Gutshaus und Kornspeicher ist nicht unterlassenen Erhaltungsmaßnahmen geschuldet, sondern insbesondere nicht unter Kontrolle zu bringender Plünderei und Vandalismus“, sagt Kreissprecher Alexander von Uleniecki.

Regisseur Unger hofft, dass die Doku auch dazu beiträgt, auf den drohenden endgültigen Verlust Gentzrodes aufmerksam zu machen. Der RBB-Abteilungsleiter Dokumentation und Zeitgeschehen begreift den Film zugleich als gesellschaftspolitische Erzählung. „Wir wollen nicht Fontane verfilmen“, sagt er. „Wir wollen erzählen, was danach passiert ist.“

Fontanes Schreibtisch

Um Fontane ins heute zu transportieren, greifen Unger und seine Kollegen zu einem Trick. Sie lassen für einige Szenen einen Nachbau von Fontanes Schreibtisch an markanten Orten aufstellen. Der aus dem „Tatort“ bekannte Schauspieler Fabian Hinrichs soll dort erzählen. „Die Welt, die Fontane beschrieben hat, ist schließlich am Schreibtisch entstanden.“

Im ersten Teil der ab Dezember zu sehenden Doku soll der Schreibtisch in Binenwalde stehen – im Park neben dem Gutshaus. Seine Doku wolle von der Entdeckung der Heimat erzählen, sagt Unger. „Fontane hat ein Heimatgefühl kreiert, was es vorher so nicht gab.“

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