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Neuruppin Angeklagter musste Gerichtssaal verlassen
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15:15 30.08.2019
Vor dem Landgericht Neuruppin wird derzeit gegen den 22-jährigen Magomed M. aus Wittstock verhandelt. Quelle: Helge Treichel
Neuruppin

Es ist ein besonderes Verfahren, das derzeit vor dem Landgericht Neuruppin verhandelt wird. Nicht nur, dass die Verhandlung unter strengen Sicherheitsvorkehrungen stattfindet. Auch das Verhalten des Angeklagten und seiner im Gerichtssaal anwesenden oder vor dem Gericht wartenden Angehörigen erfordert außergewöhnliche Maßnahmen.

Auf der Anklagebank sitzt der 22-jährige Magomed M. aus Wittstock. Gegen ihn sind eine Menge Vorwürfe in der Welt. Die Staatsanwaltschaft hat ihn unter anderem wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Bedrohung und Abgabe von Drogen an Minderjährige angeklagt.

Der Angeklagte soll zwischen August 2018 und März 2019 in Wittstock Jugendlichen Marihuana und Amphetamine angeboten haben. Im Laufe des Jahres 2018 soll es zudem zu mehreren Straftaten in Wittstock, aber auch in Neuruppin und anderen Ortes gekommen sein.

Immer wieder ohne Führerschein am Steuer

Mehrfach wurde M. erwischt, als er – ohne Fahrerlaubnis – am Steuer saß. Immer wieder soll er seine Fäuste eingesetzt haben. Das erlebten einige seiner mutmaßlichen Opfer am eigenen Leib.

Außerdem soll er im September 2017 in Kyritz seine damalige Freundin bedroht, gefesselt und geschlagen haben. Unter Tränen hatte die 18-Jährige am ersten Verhandlungstag berichtet, was ihr der Angeklagte angetan haben soll.

Der wurde am Freitag von Justizwachtmeistern in den Saal geführt – mit einem Mantel über dem Kopf. Warum auch immer: Fotografen waren nicht anwesend. Immer wieder grinste er, kommunizierte hinter dem Rücken seines zweiten Verteidigers mit seinen Familienangehörigen. Das blieb nicht unbemerkt. Demonstrativ stellten sich zwei Polizeibeamte zwischen Anklagebank und Zuhörerreihen.

Kontakt zu den Verwandten unterbinden

Außerdem verfügte die Vorsitzende Richterin, dass der Angeklagte erst dann in den Sitzungssaal gebracht wird, wenn die Richter auf ihren Plätzen sitzen: um jeden Kontakt zwischen Magomed M. und seinen Verwandten zu unterbinden.

Im März wurde der polizeibekannte Mann, der Mitglied einer Großfamilie ist, verhaftet. Seitdem sitzt er im Gefängnis. Auch, wenn er dort zur Untätigkeit verdammt ist, ist seine Familie offensichtlich aktiv.

Drohungen gegen Zeugen

Familienmitglieder sollen vor dem Gerichtsgebäude am ersten Verhandlungstag einer Zeugin gedroht haben, am nächsten Tag ihre Wohnung zu stürmen. Ebenfalls kam im Gericht zur Sprache, dass es im Vorfeld von der Schwester des Angeklagten und zwei anderen Frauen Übergriffe auf eine junge Frau gegeben haben soll, die sie dafür mitverantwortlich hielten, dass Magomed M. verhaftet wurde.

Der Nebenklägervertreter Georg Unnebrink teilte mit, dass sich Familienangehörige demonstrativ vor seinem Büro aufgehalten hätten.

Sex mit einer Minderjährigen gegen deren den Willen

Am Freitag wurde die Minderjährige gehört, mit der Magomad M. laut Staatsanwaltschaft mehrfach gegen ihren Willen geschlafen haben soll.

Unnebrink beantragte, für die Zeit der Vernehmung seiner jetzt 13-jährigen Mandantin, die Öffentlichkeit auszuschließen und den Angeklagten für diese Zeit aus dem Sitzungssaal zu entfernen.

Wie Unnebrink begründete, sei das Mädchen schwer traumatisiert und lebe in ständiger Angst vor Rache­. In Gegenwart des Angeklagten würde sie nicht aussagen. „Sie würde in Schockstarre verfallen“, so Georg Unnebrink.

Wie sonst nur in der organisierten Kriminalität

Ständig würden aus dem Umfeld von M. Bedrohungsszenarien aufgebaut, sagte die Staatsanwältin. „Das kennt man sonst nur aus dem Bereich der organisierten Kriminalität.“

Der Verteidiger Uwe Meyer beantragte, den Antrag der Nebenklage abzulehnen. „Es ist ein essentielles Recht des Angeklagten, an der Hauptverhandlung teilzunehmen.“

Das Gericht entschied, Magomed M. auszuschließen. „Es ist zu befürchten, dass das Mädchen nicht die Wahrheit sagt, wenn er anwesend ist.“

Die Verhandlung wird am 12. September fort gesetzt.

Von Dagmar Simons

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