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Neuruppin Kein Schlussstrich für Eltern von getöteter 17-Jähriger: Verhandlung fällt aus
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Kein Schlussstrich für Eltern von getöteter 17-Jähriger: Verhandlung fällt aus
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00:20 10.11.2018
Das Kreuz an der Abfahrt nach Goldbeck erinnert an die 2016 bei einem Verkehrsunfall getötete Vanessa. Quelle: Christian Bark
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Neuruppin

Sie können immer noch keinen Schlussstrich ziehen: die Eltern, die am 18. Oktober 2016 ihr einziges Kind verloren und auch nicht der Autofahrer, der damals den tragischen Verkehrsunfall auf der Kreisstraße Richtung Dossow verursacht hat. Wegen fahrlässiger Tötung hatte das Neuruppiner Amtsgericht den Unfallfahrer Anfang dieses Jahres zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Ohne Bewährung, was für den 27-Jährigen bedeutet, dass er ins Gefängnis muss. Das wollte er nicht und legte Berufung ein.

Massenandrang im Gerichtssaal

Am Mittwoch sollte vor dem Landgericht Neuruppin erneut verhandelt werden. Das Publikumsinteresse war sehr groß. Kaum reichten die Plätze im Gerichtssaal.

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Verteidiger krank –Verhandlung platzte

Doch zu einer Verhandlung kam es nicht. Wie der Vorsitzende Richter mitteilte, hatte sich morgens der Verteidiger des Angeklagten krank gemeldet. Er hatte dringend darum gebeten, den Verhandlungstermin auszusetzen. Dem kam das Gericht nach.

Wie Richter Jörn Kalbow sagte, liegt hier ein Fall der notwendigen Verteidigung vor. Das heißt, dem 27-Jährigen muss ein Verteidiger zur Seite stehen, ansonsten kann das Strafverfahren nicht durchgeführt werden. Daran musste sich das Gericht halten. Auch, wenn sie sich endlich einen Abschluss erhofft hätten, wandte sich Richter Kalbow an die Eltern, die als Nebenkläger anwesend waren.

Für die Eltern ein ewiger Albtraum

Sie leben seit jenem Oktobertag in einem ewig währenden Albtraum. Lange hatten sie auf ihr Wunschkind gewartet. Wie der Vater beim ersten Prozess berichtet hatte, hatte ihre Tochter das Abitur vor sich, wollte studieren, sich gemeinsam mit ihrem Freund eine Zukunft aufbauen. Das alles wurde innerhalb von Sekunden zerstört.

Vanessa war mit ihrem Moped auf dem Weg von der Geburtstagsfeier ihres Freundes nach Hause, als sie am Abzweig Goldbeck von dem entgegenkommenden Auto von Stephan F. erfasst wurde. Sie starb noch am Unfallort. F. hatte damals von einem Ausweichmanöver gesprochen, die Mopedfahrerin sei auf seiner Fahrbahnseite unterwegs gewesen.

Zu schnell gefahren und abgelenkt

Diese Version hatte ein Gutachten widerlegt. Das Gericht ging davon aus, dass Stephan F. zum einen zu schnell fuhr, kurz unaufmerksam war, in der Kurve zu stark lenkte und deshalb in den Gegenverkehr geriet. Auch wegen seiner verkehrsrechtlichen Verstöße vor dem Unfall hielt das Gericht eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung für nicht angezeigt. Insbesondere, da der Angeklagte elf Monate nach dem tödlichen Geschehen, wieder aufgefallen war – wegen überhöhter Geschwindigkeit.

Nun muss das Landgericht neu entscheiden. Wann, das steht noch nicht fest.

Von Dagmar Simons

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