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Neuruppin Goethes Tragödie im Tempelgarten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Goethes Tragödie im Tempelgarten
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12:58 02.06.2019
Faustaufführung im Tempelgarten Quelle: Cornelia Felsch
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Neuruppin

Dramatisch geht es am Freitagabend zu später Stunde im Tempelgarten zu. Die Vögel sind verstummt und die Geister halten Einzug. Beschworen werden sie von Doktor Faust, einem angesehenen Akademiker, der seinen Wissensdurst nicht stillen kann und gottgleich erkennen möchte, was die Welt im Innersten zusammenhält. Doch das will ihm nicht so recht gelingen.

Das kleine Theater Falkensee zeigte seine Erfolgsinszenierung von Goethes „Faust I“ als Open-Air-Veranstaltung zu Füßen des Apollo-Tempels. Die Beschäftigung mit dem Faustmythos ist das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Berliner Faustforscher Alfred Messmann.

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Sechs ehemalige Neuruppiner auf der Bühne

Mit Cassandra Lenz, Franziska Schlüter, Steffi Schieferdecker, Christoph und Joseph Birke sowie Johannes Runge standen gleich sechs ehemalige Neuruppiner auf der Bühne. Regie führte Sebastian Eggers, der 13 Jahre lang das Theater ohne Bühne der Jugendkunstschule leitete.

Rund 100 Besucher verfolgten das mystische Geschehen, bei dem gleich mehrere „Fäuste“ in Aktion traten. Mit den Brüdern Christoph und Joseph Birke sowie Phileas Heim waren es gleich drei Faust-Darsteller, die dem Teufel ihre Seele verkauften, um ihr Lebensglück zu finden. Vier Mephistos und zwei Gretchen treten in der Inszenierung auf.

Mystisch: Die Faustaufführung im Neuruppiner Tempelgarten. Quelle: Cornelia Felsch

Die Mehrfachbesetzung ist ein künstlerisches Mittel, um zu zeigen, dass das Thema Faust kein Einzelschicksal darstellt. „Faust kann jeder von uns sein und der Pakt mit Mephisto ist ein grundlegendes Element unserer globalisierten Welt im entfesselten Kapitalismus“, heißt es im Theaterprospekt.

„Fluch der Hoffnung, Fluch dem Glauben!“ Lautstark klingen die Flüche durch den Park. Glaube, Liebe, Hoffnung – die Tugenden der Christen, wie sie die Bibel vermittelt, gelten für Faust nicht mehr. Er ist bereit für das Bündnis mit dem Teufel und zerstört schließlich auch das Leben des Mädchens, das er zu lieben glaubt.

Die frische jugendliche Mischung begeistert

Die Kraft der Sprache, tänzerische und ekstatische Bewegungselemente geben der Aufführung eine Kraft, der man sich als Zuschauer nicht entziehen kann. Die im Chor gesprochenen Passagen sind voller Intensität und Schärfe. Gemischt mit Ironie ergeben sie eine frische jugendliche Mischung, die das Publikum begeisterte.

Die 100 Minuten vergingen wie im Flug und die rechte Lust, schon nach Hause zu gehen, wollte trotz der späten Stunde nicht aufkommen.

Von Cornelia Felsch

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