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Neuruppin „Weite Felder“ im Kunstraum
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin „Weite Felder“ im Kunstraum
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16:12 24.11.2019
Johannes Bunk und Hilke Ohsoling eröffneten am Sonntag gemeinsam die Günter Grass-Ausstellung „Weite Felder“ im Neuruppiner Kunstraum. Quelle: Cornelia Felsch
Neuruppin

Dicht gedrängt, erobern menschliche Gestalten das weiße Blatt, ihre Köpfe und Gesichter sind nur hin und wieder zu erkennen. Oftmals sind sie verdeckt von Schirmen oder einem hochgeschlagenen Mantelkragen. Mal sind sie im Gespräch, dann wälzen sie sich stumm Rücken an Rücken durch die Straßen.

Mit Sepia-Tusche, Bleistift und Zeichenkohle hat Günter Grass sie mit kräftigen, dynamischen Strichen auf das Papier gebannt. Auffällig sind die vielen Figurengruppen, die sich in Bewegung befinden – laufend, gehend, flüchtend.

Aber es gibt auch statische menschliche Zusammenballungen, die in ihrem nahezu abstrakten Charakter an Skulpturen des englischen Bildhauers Henry Moore erinnern.

Ausstellung mit Grafiken von Günther Grass in Neuruppin Quelle: Cornelia Felsch

Die Arbeit an der Figur hatte für Günter Grass eine besondere Bedeutung, was nicht verwunderlich ist, denn seine künstlerische Ausbildung begann 1947 bei einem Steinmetz in Düsseldorf. Danach studierte er vier Jahre an der Düsseldorfer Kunstakademie Grafik und Bildhauerei. Die Illustrationen zu seinem Buch „Ein weites Feld“ sind seit Sonntag unter dem Titel „Weite Felder“ im Kunstraum Neuruppin zu sehen. Es ist bereits die dritte Grass-Ausstellung in den Räumen von Johannes Bunk.

1998 las Günther Grass selbst in Neuruppin

1998, zum 100. Todestag Theodor Fontanes kam Günter Grass nach Neuruppin und las aus seinem Roman „Ein weites Feld“. Die Handlung ist auch in der Fontanestadt angesiedelt, und der Protagonist des Romans, Theo Wuttke – genannt Fonty – identifiziert sich mit Theodor Fontane. Gemeinsam mit seinem ewigen Spitzel Hoftaller begibt er sich auf den Spuren der deutschen Literaturgeschichte in die Geburtsstadt Fontanes.

Dass Günter Grass zu seinem Roman so viele Zeichnungen angefertigt hat, ist nichts Ungewöhnliches, denn nahezu für all seine Bücher hat er eindrucksvolle Bilderzyklen geschaffen. In seinen Druckgrafiken und Tuschezeichnungen tummeln sich Hühner, Kröten, der fette Butt und die fiese Ratte.

So lag es für den Galeristen Johannes Bunk nahe, dass der Lesung von Günter Grass eine Ausstellung seiner Illustrationen folgen muss. Diese erstellte der Galerist 2012 mit Unterstützung des Günter Grass-Hauses und von Hilke Ohsoling, der damaligen Sekretärin von Günther Grass. Sie ist heute Geschäftsführerin der Günter-und-Ute-Grass-Stiftung, die gemeinsam mit Johannes Bunk auch die dritte Ausstellung kuratierte.

Kurz nach „Ein weites Feld“ begann die Zusammenarbeit

1995 begann die Zusammenarbeit von Hilke Ohsoling und Günter Grass – kurz nach dem Erscheinen des Romans „Ein weites Feld“. „Er wollte damals nach Lübeck umziehen und suchte eine Mitarbeiterin“, erzählt die Stiftungschefin, die am Sonntag zur Vernissage nach Neuruppin kam. „Er hatte ganz genaue Vorstellungen, sie sollte nicht zu jung sein, aber auch mit dem Computer umgehen können.“ Silke Ohsoling bewarb sich, und so begann eine enge Zusammenarbeit über viele Jahre.

Bis zu seinem Tod im Jahr 2015 war sie hautnah mit den Werken des Literatur-Nobelpreisträgers verbunden. „Nicht direkt bei der Zeugung, aber immer während der Schwangerschaft“, sagt sie am Sonntag lachend.„Die Lithographien, die hier ausgestellt sind, habe ich zum ersten Mal gesehen, als sie frisch gedruckt waren“.

Mehr als drei Jahre hat Günter Grass an dem Roman gearbeitet. „Neben der Arbeit am Manuskript hat Günter Grass auf zum Teil großen Bögen an Motiven gearbeitet, die die beiden Hauptpersonen in verschiedenen Situationen zeigen. Die Zeichnungen hängte er in der Werkstatt auf“, erzählt Hilke Ohsoling.

Ein bisher unveröffentlichter Bilderbogen

Während der Ausstellungsvorbereitung ist ein bisher nicht veröffentlichter Bilderbogen aufgetaucht, der nun in einer Sonderedition gedruckt wird. „Ich würde mich freuen, wenn einige Bilderbögen von Günter Grass einen guten Platz in Neuruppin fänden, wo Bilderbögen eine lange Tradition haben“, sagt Hilke Ohsoling.

Die Günter Grass-Ausstellung unter dem Titel „Weite Felder“ ist bis zum 5. Januar 2020 im Kunstraum Neuruppin, Friedrich-Engels-Straße 37, zu sehen. Geöffnet ist die Galerie mittwochs bis sonnabends von 15 bis 18 Uhr. Sonntags sowie an Feiertagen ist von 11 bis 13 Uhr geöffnet sowie nach Vereinbarung.

Von Cornelia Felsch

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