Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Neuruppin Viel Kunst und noch mehr Liebe
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Viel Kunst und noch mehr Liebe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:27 30.05.2018
Monika und Joachim Zimpel aus Neuruppin sind beide 80 Jahre alt und füllen ihre Rentner-Tage mit Kunst: Malerei und kreativer Mathematik-Keramik. Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Die weißen Wände der hellen Wohnung sind dicht behängt mit farbenfrohen Bildern. Eine zarte Landschaft erblüht aus ineinanderfließenden Aquarellfarben – die Farben leuchten so satt und surreal, dass man meint, einen Blick nach Fantasien oder in eine außerirdische Welt zu erhaschen. Das nächste ist ebenso farbstark – in Acryl bekommt das Ganze aber noch mehr Wucht: wie heiße Magma quillt das Rot übers Bild, blaue Fetzen wabern am Rand, das Gelb glüht wie Feuer.

Monika und Joachim Zimpel sind Hobbykünstler mit Herz und Seele: Sie studierte einst Kunst auf Lehramt, er Kernphysik. Kreativ zu sein, ist für beide ein Lebenselixier. Monika Zimpel malt farbenfrohe Bilder, Joachim Zimpel verarbeitet sein Faible für Mathematik in Keramiken.

Ein paar liebevoll gemalte Kringel, Punkte und Ornamente, als Kontrast gespachtelte Kratzer. Monika Zimpels Bilder haben keine Namen. Man kann nur raten, was man sieht. In diesem Fall einen feuersprühenden Minotaurus.

Je mehr man ins Bild hineinkriecht, desto klarer wird es. Monika Zimpel lächelt nur. „Ich lasse einfach meiner Fantasie freien Lauf“, sagt sie. Wer so malt, hat Freude an der Welt. Ein Baum, der die Äste spreizt, als wolle er vogelgleich abheben – auch er könnte aus einer anderen Welt stammen.

Hier laufen die Farben nicht ineinander, alles ist in schwingende Flächen geteilt, einige mit Strukturen verziert, andere nicht. Unten kräuseln sich mäandernde Wellen und speisen die Wurzeln. Eine paradiesische Allegorie.

Monika und Joachim Zimpel sind beide stolze 80 Jahre alt

Ganz anders die Kunst auf den Regalen: Da stehen Keramik-Teller in schlichter Farbigkeit. Nichts schreit, nichts ufert aus. Alles ist symmetrisch – auch die Dekore haben ihre klare Ordnung. Struktur und Strenge sind die Domäne von Joachim Zimpel.

Der Mann hat Kernphysik studiert und liebt die Mathematik – das sieht man. Aber auch bei ihm gilt: Man sollte genauer hinschauen. Denn langweilig sind seine Keramiken kein bisschen. Auf einem Teller blitzt es golden. Joachim Zimpel erklärt das Muster. Mathematiker aus aller Welt haben sich daran die Zähne ausgebissen.

Ein magisches Quadrat aus 64 Feldern wie ein Schachbrett – alle Waagerechten, Senkrechten und beide Diagonalen ergeben in der Summe 260. Allein das ist für Normalsterbliche kaum nachvollziehbar. Die Crux bei diesem Viereck besteht darin, dass alle Zahlen von 1 bis 64 in Rösselsprüngen zueinander stehen. Bis auf die 32 und 33. Da hakt das Ganze.

Die beiden „Ausreißer“ hat Joachim Zimpel mit Gold verziert. „Ich habe es aber nicht selbst ausgerechnet. Nur dargestellt“, sagt er bescheiden. Ihn faszinieren mathematische Phänomene nun einmal.

1959 haben sie geheiratet

Manchmal reizen ihn aber auch andere Motive, wie der oliv-braune Teller zur 750-Jahr-Feier von Kyritz zeigt. Mit eingebrannten Jahreszahlen und Ereignissen in konzentrischen Kreisen, auch hier sparsam-edle Goldakzente: schlichte Eleganz pur. Die Buchstaben und Zahlen, so verrät Joachim Zimpel, graviert er mit Buchdruck-Bleilettern in den Ton. Er hat einige Schriften aus Druckerei-Auflösungen erstanden. Große Lettern schneidet er sich selbst aus Sperrholz.

Wer die beiden miteinander erlebt, glaubt wieder an die Ehe. Monika und Joachim Zimpel – beide Jahrgang 1938 – haben in der Kunst einen Jungbrunnen gefunden, der auch die Liebe frisch hält. Sie stammt aus Zeitz, er aus Magdeburg. Kennengelernt haben sich beide 1959 in Dresden: sie studierte Lehramt für Kunst und Geschichte, er Kernphysik.

„Es war im Ernteeinsatz“, erzählt Joachim Zimpel. „Wir waren Birnen klauen und beim Fluchtversuch vor dem Besitzer riss Monika das Schuhband. Ich war der Schnellste, der ihr half.“

„Dabei hatte ich auf den anderen gehofft“, sagt Monika Zimpel und lächelt schelmisch. Ihr Mann lacht mit. Es wurde schnell geheiratet, weil bald ein Kind unterwegs war – das erste von dreien. „Meine Eltern waren gegen die Hochzeit“, erzählt sie. „Sie sagten: Ein Student! Wenn er fertig ist, isser weg.“ Da war sie schon schwanger.

Beide haben eine Leidenschaft für Kunst

„Ich habe als Familienvater schon meine ersten kunsthandwerklichen Versuche gemacht – mit selbst gefertigten Haarspangen aus Kupferblech.“ Mangelware in der DDR – beim Kunstgewerbemarkt am Dresdener Altmarkt riss man ihm die Dinger aus der Hand. „Alles in allem habe ich damit 2000 Mark verdient.“

Monika Zimpel hat schon immer gern gemalt und wollte Kunst studieren. Ihr Großonkel, ein namhafter Grafiker und Professor an der Kunsthochschule Weimar, riet ab. „Kein Beruf für Frauen, hat er gesagt. Ich war deprimiert. Mein Lehrer sagte: Dann machste halt Kunsterziehung.“ Sie tat es und wurde nicht glücklich im Beruf. „Nach fünf Jahren als Lehrer hatte ich den absoluten Horror, vor der Klasse zu stehen. Ich hätte das nie machen sollen“, sagt sie.

Mit Mitte 20 hing sie die Volksbildung an den Nagel, jobbte, träumte von einem Fernstudium als Innenarchitektin. Und wurde wieder schwanger. Aus der Traum. Sie arbeitete in einer wissenschaftlichen Bibliothek in Guben, wo die Familie nun lebte. „Das hat mir Spaß gemacht.“

Sie absolvierte eine Ausbildung zur „Leiterin künstlerisches Volksschaffen“ und leitet danach zwei Zirkel in Textilgestaltung. „Da habe ich alle Techniken ausprobiert, sogar Emaillieren und Holzbrennerei.“

Sie hatte Kunstpädagogik studiert, er Kernphysik

Nach der Wende waren beide arbeitslos. Monika Zimpel meldete ein Gewerbe als künstlerische Keramikerin an. „Mein Mann war mein erster Arbeiter“, sagt sie. Aber nach der Wende kauften die Leute alles – außer Kunst“, sagt Monika Zimpel rückblickend. Auf Märkten die Beine in den Bauch zu stehen, kam nicht infrage.

„Von Marketing und Verkauf hatten wir auch keine Ahnung“, sagt Joachim Zimpel. Beide zogen die Reißleine. „Es war eine schöne Erfahrung“, sagen beide. Man habe mehr verschenkt als verkauft – aber es öffnete die Tür zum zufriedenstellenden Hobby der Eheleute, die im nächsten Jahr Diamantene Hochzeit feiern.

Sie begann wieder zu malen, er stürzte sich auf die Keramiken der mathematischen Kuriositäten. „Da gab es zehn Jahre lang eine Ausstellungsreihe der Humboldt-Universität und der Urania zum Thema Mathematik und Keramik – da habe ich regelmäßig ausgestellt – das hat sich verselbstständigt.“ Auch für die Olympischen Spiele 2000 in Sydney hat er einen Teller kreiert – die Schlüsselworte sind allesamt im binären Zahlencode als Randdekor angeordnet. Den hat er eingereicht – er wurde in Sydney ausgestellt.

Seit 2012 leben die Zimpels in Neuruppin und pflegen ihre Hobbys. „Aufs Verkaufen waren wir nicht angewiesen. Uns ging es immer darum, kreativ zu sein und etwas Schönes zu schaffen“, sind sich beide einig. Monika Zimpel lässt ihre Bilder sich selbst entwickeln.

Seit sie Rentner sind, malt sie und er schafft Keramiken

„Intuition und Experiment sind mir wichtig“, sagt sie. Ihr Mann habe ihr immer Mut gemacht, etwas zu wagen. Zum Beispiel Acryl hinter PE-Folie zu malen. „Wir haben es gesehen und ausprobiert – das leuchtete so schön.“ Viele Werke schaffen sie gemeinsam. „Das Bemalen meiner Keramik macht meine Frau. Da wage ich mich nicht ran. Ehe ich was versaue, lasse ich lieber sie ran“, sagt Joachim Zimpel.

Den Keramikofen haben die beiden inzwischen an die Montessori-Schule verschenkt. Ihre Werke lassen sie woanders brennen. Die Hände legen sie beide nicht in den Schoß. „Wir haben uns mit unserem Hobby über die schwierige Zeit der Wende geholfen“, sagt Joachim Zimpel. Sein jüngstes Werk ist gerade fertig und beim Tag des offenen Ateliers zu sehen gewesen: „Die schönste mathematische Formel: die Eulersche Identität.“ Seine Augen leuchten dabei. Monika Zimpel lächelt leise.

Von Regine Buddeke

Vom Keller ins Dachgeschoss: Die Neuruppiner Jugendwehr hat neue Räume in der Feuerwache bekommen. Doch auch das neue Quartier ist nur eine Übergangslösung.

29.05.2018

Unter großem Beifall wurde die Neuruppinerin Barbara Gadow in Potsdam mit dem Brandenburger Lehrerpreis geehrt. Die 74-Jährige ist Vertretungslehrerin an gleich zwei Grundschulen.

28.05.2018

Von Hackerangriffen aus dem Internet sind nicht nur große Firmen betroffen. Deshalb sollten auch kleinere Unternehmen darauf achten, wie sie ihre Technik und ihr Wissen sichern. Hilfe verspricht ein Symposium.

28.05.2018